Am Freitag auf Sat 1

Spontaner Klick auf die große Bühne: Florian Knak aus Herbrechtingen singt bei „The Voice of Germany“.

Eher beiläufig schickte Florian Knak, 24, aus Herbrechtingen seine Bewerbung für „The Voice of Germany“ ab. Dass daraus tatsächlich eine Teilnahme an der Castingshow werden würde, hätte er selbst wohl am wenigsten erwartet. Wie es dazu gekommen ist:

Die Lichter sind an. Kameras stehen bereit. Vor Florian Knak stehen fünf große rote Stühle – mit dem Rücken zu ihm. Noch können die Coaches nicht sehen, wer gleich auf der Bühne steht. Für den 24-Jährigen aus Herbrechtingen ist dieser Moment kaum zu beschreiben. „Mein Puls war bei 300.000.“ Dann beginnt die Musik.

Bewerbung eher zufällig

Was anschließend im Fernsehen nur wenige Minuten dauert, hat für Knak eine lange Vorgeschichte. Bereits im November vergangenen Jahres hatte er seine Bewerbung für „The Voice of Germany“ abgeschickt. Schon lange habe er Lust gehabt, einmal bei der Castingshow mitzumachen. Eine Werbung für die Castingshow hatte ihn auf die Idee gebracht. Eigentlich wollte er nur ausprobieren, wie die Bewerbung funktioniert. Dann lud er ein Gesangsvideo hoch und drückte auf „Weiter“. Plötzlich stand dort: „Bewerbung erfolgreich abgeschickt.“

„Vielleicht hätte ich das erst mal mit meiner Freundin besprochen“, sagt er rückblickend auf die Frage, ob er die Bewerbung abgeschickt hätte, wenn vorher deutlicher gewesen wäre, dass es nun tatsächlich ernst wird. Seine Freundin erfuhr deshalb erst im Nachhinein davon. Ihre Reaktion: Sie war sofort Feuer und Flamme.

Monate des Wartens

Danach hieß es vor allem: Geduld haben. Knak wusste, dass sich bei einer solchen Produktion viele Menschen bewerben und die Auswahl Zeit benötigt. Im April kam schließlich der Anruf. Gemeinsam mit seiner Freundin war er gerade auf dem Weg zu einem Konzert nach Stuttgart, als das Telefon klingelte. Endlich: die Nachricht, dass er dabei ist.

Gedreht wurden die Blind Auditions bereits im Mai und Juni. Ausgestrahlt werden sie allerdings erst jetzt. Bis zum 1. September durfte Knak offiziell nichts verraten. Nur Familie und enge Freunde durften von seiner Teilnahme wissen. „Es war schon schwer, nichts zu sagen“, erzählt er. Knak, der eigentlich als Operator im Legoland arbeitet, nennt das, was ihn bei „The Voice“ erwartet, „eine komplette Parallelwelt“.

Mehr als 100 Talente hinter der Bühne

Bei den sogenannten „Blind Auditions“ bekam der Herbrechtinger schnell einen Eindruck davon, wie hoch das musikalische Niveau ist. Mehr als 100 Kandidaten sind dabei. „So begabte Musiker“ habe er dort getroffen. Auch hinter der Bühne bekommt er einen Einblick in eine Welt, die sonst nur aus dem Fernsehen bekannt ist: Schminken, Interviews, Kameras und die Begegnungen mit bekannten Musikern gehören zum Ablauf.

Der 24-Jährige singt am liebsten Schnulzen. Foto: Natascha Schröm

„Die Band ist wahnsinnig geil“, sagt Knak. Auch das Feedback der Coaches sei für ihn besonders wertvoll gewesen. „Egal, ob man weiterkommt oder nicht, bekommt man immer Feedback.“

Für die „Blind Auditions“ durfte er maximal fünf Begleiter mitbringen. Seine Mutter und seine Schwester konnten terminlich nicht dabei sein. Begleitet wurde er von seinem Vater, seiner Freundin, seinem Schwager und seiner Tante.

Bereits zuvor einen Lieblingscoach

Und dann geht es tatsächlich auf die Bühne. Fünf Coaches sitzen mit dem Rücken zu ihm. Dazu kommen die Kameras. Um sich nicht zusätzlich unter Druck zu setzen, hält Knak während seines Songs bis auf einen Moment die Augen geschlossen. Er will bis zum Ende nicht sehen, ob sich jemand umdreht. Seine Hoffnung vor dem Auftritt war schlicht: „Hauptsache, einer dreht sich um.“

Einen Wunsch-Coach hatte er schon vorab. Wäre Samu Haber noch dabei gewesen, wäre dieser sein Favorit gewesen. Unter den aktuellen Coaches ist es für Knak aber eindeutig Nico Santos.

„Heartbreak-Stuff“ und eigene Songs

Wenn Knak nicht gerade im Legoland arbeitet oder auf der Bühne steht, dreht sich bei ihm viel um Musik. Er singt gerne gefühlvolle Songs von Künstlern wie Ed Sheeran oder Shawn Mendes – „Heartbreak-Stuff“, wie er selbst sagt. Musik habe für ihn eine sehr hohe Bedeutung. „Sobald ich mehr Zeit habe, wird Musik gehört.“ Selbst bei der Arbeit im Freizeitpark singe er manchmal vor sich hin. Passend findet er deshalb eine Zeile aus einem Song von Vincent Weiss: „Da müsste Musik sein.“

Irgendwann möchte Knak auch beruflich mehr mit Musik machen. „Welcher Musiker will das nicht“, sagt er. Eigene Songs seien bereits in Arbeit. Ob „The Voice“ dafür tatsächlich zum Sprungbrett werde, müsse sich zeigen.

Musikalische Regeln waren ohnehin nie seine größte Leidenschaft. Noten lesen kann Knak nicht. Zwar spielt er Schlagzeug und musste dort im Unterricht immer wieder Noten folgen, doch er habe lieber eigene Sachen ausprobiert. Sein Schlagzeuglehrer „hat einen Koller gehabt“, erzählt er lachend. „Vom Großteil, was ich mache, habe ich keinen Plan. Ich weiß nur, dass das, was ich mache, irgendwie gut ist.“ Ob bei Hochzeiten oder Auftritten in der Brückengemeinde, davor hat er ein festes Ritual: Er betet.

Paar Minuten auf der Bühne

Was die Zuschauer später sehen, ist nur ein kleiner Ausschnitt des Erlebnisses. „Im Endeffekt ist die Zeit auf der Bühne wirklich kurz und die Leute merken gar nicht, wie viel Aufwand dahintersteckt.“ Knak würde die Erfahrung jederzeit wieder machen. Besonders die Kontakte und Begegnungen seien für ihn viel wert gewesen. Man könne für bekannte Musiker singen und bekomme individuelles Feedback von den Coaches.

Sein Rat an alle, die selbst einmal über eine Bewerbung nachdenken: „Geh mit keiner Erwartung rein.“ Schließlich habe auch er beim Abschicken seiner Bewerbung niemals damit gerechnet, tatsächlich genommen zu werden. „Lieber damit rechnen, dass man nicht weiterkommt. Und dann ausrasten, wenn man weiterkommt.“

Jetzt kann Knak zumindest eines genießen: Endlich darf er darüber sprechen. Was nach den „Blind Auditions“ passiert ist, wissen bislang allerdings nur er und ein kleiner Kreis Vertrauter. Das wird sich am Freitagabend ändern.

Was im Fernsehen anders ist

Blind Auditions, Battles und Teamfights werden vorab aufgezeichnet. Erst Halbfinale und Finale finden live statt. Den berühmten Buzzer-Sound, den die Zuschauer aus „The Voice“ kennen, hören die Kandidaten auf der Bühne nicht in dieser Form. Die bekannten Geräusche werden nachträglich in die Sendung eingefügt. Ob Florian Knak diesen Moment bei seiner eigenen Watchparty am Freitagabend im Fernsehen hören wird, sehen die Zuschauer um 20.15 Uhr auf Sat.1.

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