Übungen der Bundeswehr

Kreise, Striche und Brezeln am Himmel: So erklärt die Luftwaffe, warum es keine „Chemtrails“ sind

Immer wieder finden über dem Landkreis Heidenheim Übungen der Luftwaffe statt. Bei strahlendem Sonnenschein und klarem Himmel fallen dabei die Kondensstreifen besonders auf und rufen Verschwörungstheoretiker auf den Plan. Warum die weißen Streifen keine Chemtrails sind:

Donnerstagvormittag am blauen Himmel über dem Landkreis Heidenheim: Weiße Streifen, die Kreise bilden, manchmal Kreuze oder gar Brezeln. Was passiert da, fragen sich neugierige Menschen? Auf den sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram werden Fotos und Videos gepostet. Mutmaßungen nehmen ihren Lauf: Streitgespräche über krude Verschwörungstheorien, die das Phänomen mit sogenannten Chemtrails erklären, und die entsprechende Gegenrede, was das für Quatsch sei. Auch die HZ-Redaktion bekommt mehrere Anfragen und nutzt die Gelegenheit, bei der Luftwaffe nachzufragen.

Eurofighter mit eingeschaltetem Nachbrenner beim Abflug.
Eurofighter mit eingeschaltetem Nachbrenner beim Abflug. fotowunsch, stock.adobe.com

Vier Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 im Einsatz

Wie ein Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr bestätigt, fanden am Donnerstag reguläre Übungen statt. Die Auswertung der Radardaten zeige vier Kampfflugzeuge des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 vom Typ Eurofighter und zwei Learjet 35 der Gesellschaft für Flugzieldarstellung, die in der TRA (Temporary Reserved Airspace) Allgäu von 9.30 Uhr bis 10.30 Uhr flogen. Die Flughöhe lag bei etwa zwölf Kilometern über Grund und die Geschwindigkeit betrug etwa 854 km/h. Laut Bundeswehr erfolgte der Einsatz unter Beachtung der flugbetrieblichen Bestimmungen.

Militärischer Flugbetrieb grundsätzlich überall in Deutschland zulässig

Wie der Bundeswehr-Sprecher ergänzt, sei militärischer Flugbetrieb prinzipiell überall in Deutschland zulässig und sei nicht an bestimmte Streckenführungen gebunden, um diese Flugbewegungen möglichst gleichmäßig über den gesamten Luftraum der Bundesrepublik zu verteilen. Dabei werde versucht, bewohnte Gebiete nicht zu überfliegen – die dicht besiedelte Bundesrepublik setze diesem Vorhaben neben den gesetzlichen und flugbetrieblichen Regelungen enge Grenzen. Die Planungen für die Vorgänge im Rahmen von Übungsflügen oder sonstigen Flugbewegungen obliegen den fliegenden Verbänden. Hierbei spielten zahlreiche Faktoren eine Rolle, wie aktuelle Witterungsverhältnisse oder die jeweilige Verfügbarkeit von Personal und Material.

Eurofighter Typhoon fliegt ein Manöver in großer Höhe.

Warum fliegt die Luftwaffe über dem Landkreis Heidenheim – und wie entsteht ein Überschallknall?

Immer wieder erreichen die HZ-Redaktion Anrufe und Nachrichten von neugierigen oder teils auch besorgten Menschen. Deren Frage lautet: „Was war das für ein lauter Knall?“ Die Erklärung ist einfach: Es handelt sich dabei um den sogenannten Überschallknall von Kampfflugzeugen. Auch andere Manöver lassen sich beobachten.
Show more
Heidenheim
Lärm am Himmel

Trotz des Einsatzes von Simulatoren sind echte Flüge unerlässlich

Die Erfüllung der Aufgaben der Luftstreitkräfte erfordere eine fundierte fliegerische Ausbildung und kontinuierliches Üben, so der Sprecher des Luftfahrtamtes. Daher sei mit Blick auf den Erhalt der Einsatzbereitschaft der Streitkräfte und unter den gegebenen sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen ein Verzicht nicht möglich. Zwar würden bereits große Teile der fliegerischen Ausbildung ressourcen- und umweltschonend unter Nutzung von Simulatoren durchgeführt, Übungen in einem realen Umfeld blieben dennoch unumgänglich, um eine kontinuierliche Vorbereitung auf die Landes- und Bündnisverteidigung sowie auf internationale Einsätze zur Krisenbewältigung für die Streitkräfte sicherzustellen.

Militärische Übungsgebiete über Deutschland: Der Landkreis Heidenheim liegt unter dem Gebiet TRA Allgäu.
Militärische Übungsgebiete über Deutschland: Der Landkreis Heidenheim liegt unter dem Gebiet TRA Allgäu. Luftfahrtamt der Bundeswehr

Landkreis Heidenheim liegt unter Übungsgebiet TRA Allgäu

Für unterschiedliche Übungsflugvorhaben, insbesondere von Abfangjägern, sei es unerlässlich, bestimmte Lufträume für den Zeitraum dieses Trainings von zivilen Verkehrsflugzeugen komplett freizuhalten. Nur unter dieser Voraussetzung könnten diese Übungen effektiv und sicher durchgeführt werden, da sie in der Regel viel Platz erfordern. Zu diesem Zweck sind in Deutschland spezielle Lufträume eingerichtet, die bei Bedarf für einen bestimmten Zeitraum aktiviert und damit für den militärischen Flugbetrieb reserviert werden. Dies sind die sogenannten Temporary Reserved Airspace, kurz TRA. Während der Aktivierungszeit dürfen sich nur noch dafür freigegebene Luftfahrzeuge in diesem Luftraum aufhalten. Während der Nutzung der TRA ist der zuständige Fluglotse dafür verantwortlich, dass die dort geltenden Bestimmungen eingehalten werden. Nach Beendigung der jeweiligen Übung und dem Ausfliegen der angemeldeten Luftfahrzeuge wird die TRA entweder deaktiviert oder dem nächsten Nutzer zugeteilt. Der Landkreis Heidenheim befindet sich unter der TRA Allgäu.

Learjet 35A der Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD) beim Abflug.
Learjet 35A der Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD) beim Abflug. VanderWolf Images, stovck.adobe.com

Was machen Privatjets bei den Übungen der Bundeswehr?

Warum fliegen bei den Übungen Learjets mit, die eigentlich als Privatflugzeuge oder kleine Transportmaschinen bekannt sind? Weil die Bundeswehr für die Darstellung von fliegenden Fähigkeiten zusätzlich zu eigenen Mitteln auch zivile Dienstleister hinzuzieht, um eine effiziente und effektive Ausbildung sicherzustellen und Übungen zu unterstützen, so der Bundeswehr-Sprecher. Dabei sei das Spektrum des Einsatzes vielfältig: von der Flugzieldarstellung, über das Üben der Boden-Luft-Kommunikation bis zu simulierter Aufklärung im Rahmen komplexer Übungsszenarien. Hierbei werden in der Regel der zivile Luftraum sowie besondere Übungslufträume über Truppenübungsplätzen genutzt.

Mutmaßungen über Chemtrails sind Verschwörungsfantasien

Und was sagt die Bundeswehr zu Mutmaßungen und Fantasien über sogenannte Chemtrails, bei denen Verschwörungstheoretiker behaupten, dass Giftstoffe oder Drogen mit Absicht versprüht würden, um die Bevölkerung „gefügig zu machen“? Neben einem lauten Lachen möchte dies der Hauptmann nicht weiter kommentieren und erklärt, was wissenschaftlich erwiesen ist: „Bei einem Kondensstreifen handelt es sich um eine Wolke, die in der Kiellinie eines Luftfahrzeuges entsteht, wenn in der Flughöhe die Luft ausreichend kalt und feucht ist. Sie entstehen durch die Kondensation des in Flugzeugabgasen enthaltenen Wassers und der anschließenden Durchmischung mit der Umgebungsluft. Es bedarf hierzu einer Lufttemperatur von mindestens minus 40 Grad Celsius und einer relativen Feuchte von 50 Prozent.“

Sicherheitspolitiker und Verteidigungsexperte Roderich Kiesewetter.

Roderich Kiesewetter betrachtet Einbestellung des deutschen Botschafters als „Zeichen der Schwäche Russlands“

Russland wirft dem Heidenheimer Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter (CDU) Kontakte zu Terroristen vor. Was der Politiker zu den Vorwürfen sagt:
Show more
Heidenheim/Berlin/Moskau
Krieg gegen die Ukraine

Was ist ein Eurofighter und wer ist die GFD?

Der Eurofighter Typhoon ist ein zweistrahliges Mehrzweckkampfflugzeug der Generation 4+ in Canard-Delta-Konfiguration, das von der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH, einem Joint Venture aus AirbusBAE Systems und Leonardo, gebaut wird. Die Beschaffung und Leitung des Projektes wird durch die NATO Eurofighter and Tornado Management Agency geregelt. In Deutschland und Österreich wird das Flugzeug oft nur Eurofighter genannt.

Die GFD GmbH (ehemals GFD Gesellschaft für Flugzieldarstellung mbH) ist eine deutsche Fluggesellschaft mit Sitz in Hohn und Basis auf dem Fliegerhorst Hohn. Sie ist eine Tochtergesellschaft der Airbus Defence and Space und übernimmt vor allem Übungsaufgaben für die Bundeswehr. GFD führt hauptsächlich Flugzieldarstellungen mit und ohne Schleppziele sowie EloKa-Trainingsflüge für die Bundeswehr durch. Zudem übernimmt sie Einsätze für Forschungseinrichtungen wie den Deutschen Wetterdienst und einige Universitäten, für die Rüstungsindustrie, Dienststellen der Öffentlichen Hand sowie ausländische Streitkräfte.