Lärm am Himmel

Warum fliegt die Luftwaffe über dem Landkreis Heidenheim – und wie entsteht ein Überschallknall?

Immer wieder erreichen die HZ-Redaktion Anrufe und Nachrichten von neugierigen oder teils auch besorgten Menschen. Deren Frage lautet: „Was war das für ein lauter Knall?“ Die Erklärung ist einfach: Es handelt sich dabei um den sogenannten Überschallknall von Kampfflugzeugen. Auch andere Manöver lassen sich beobachten.

Regelmäßig absolvieren die Luftwaffe der Bundeswehr und deren NATO-Partner Übungsflüge. Dabei sieht man Flugzeuge in großer Höhe weit gezogene Kurven fliegen. Teilweise kann man die Maschinen selbst kaum sehen, sondern nur durch ein lautes Dröhnen wahrnehmen, lediglich Kondensstreifen lassen bei klarem Himmel erahnen, dass sich am Himmel etwas bewegt.

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Warum knallt es so laut?

Manchmal knallt es aber auch, sodass die Fensterscheiben wackeln. Das sorgt dann regelmäßig für neugierige Nachfragen bei der HZ und Diskussionen in den sozialen Medien. Ursächlich dafür ist ein physikalisches Phänomen, das auftritt, wenn ein Flugzeug die sogenannte Schallmauer durchbricht. Fliegt nämlich ein Objekt schneller als der Schall, also mehr als etwa 1200 Stundenkilometer, breitet sich trichterförmig eine Druckwelle aus Schall aus, die am Boden als lauter Knall wahrgenommen wird. Der Pilot selbst kann diesen Knall nicht hören, da er schneller fliegt als der Schall.

Auch Luftbetankung zieht Blicke auf sich

Auffällig sind auch Luftbetankungsmanöver: Dabei fliegen mehrmotorige Transportmaschinen voraus und werden von kleineren Jagdbombern verfolgt. Genau über Heidenheim drehen die Flieger dann um und steuern anschließend in Richtung Südost. Das Schauspiel wiederholt sich dann zigmal.

Tankflugzeug Airbus A310 MRTT mit vier Eurofighter Typhoon im Schlepptau.
Tankflugzeug Airbus A310 MRTT mit vier Eurofighter Typhoon im Schlepptau. Arthur Penk

Warum ausgerechnet über Heidenheim? Der Landkreis liegt unterhalb des Luftraums „TRA Allgäu“. Die Abkürzung „TRA“ steht für Temporary Reserved Airspace – vorübergehend reservierter Luftraum.  Dort befinden sich Strecken für Luftbetankungen. Heißt: In der „TRA Allgäu“ sammeln sich Maschinen, die dann in Höhen zwischen 3000 und 10.000 Metern betankt werden.

Ein Airbus A400M Atlas zieht seine Kreise über Heidenheim. Screenshot: flightradar24.com
Ein Airbus A400M Atlas zieht seine Kreise über Heidenheim. Screenshot: flightradar24.com

Bundeswehr macht Luftkampf- und Abwehrübungen

Abgesehen von Luftbetankungen lassen sich über dem Landkreis und speziell über dem Heidenheimer Stadtgebiet regelmäßig auch andere militärische Flugbewegungen beobachten. So treffen sich hier immer wieder Flugzeuge der Bundeswehr und ihrer Verbündeten zu Luftkampf- und Abwehrübungen.

Im Einsatz sind oftmals auch Flugzeuge des Typs „Learjet“ eines privaten Dienstleisters, der Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD). Im Auftrag der Luftwaffe stellt die GFD mit ihren Maschinen Flugziele im Rahmen unterschiedlicher Trainingsszenarien dar.

Ein Learjet der Gesellschaft für Flugzieldarstellung (rot markiert) neben einem Airbus A310 MRTT über Heidenheim. Screenshot: flightradar24.com
Ein Learjet der Gesellschaft für Flugzieldarstellung (rot markiert) neben einem Airbus A310 MRTT über Heidenheim. Screenshot: flightradar24.com

Maschinen des unter anderem in Laupheim stationierten Hubschraubergeschwaders 64 sind ebenfalls immer wieder rund um Heidenheim unterwegs. Wie die Bundeswehr auf HZ-Anfrage mitteilte, trainieren die Besatzungen beispielsweise über den Schnaitheimer Steinbrüchen, im Bereich des Ugentals und westlich von Bolheim verschiedene Lande-, Flug- und Notverfahren.

Der NH90 ist ein mittelschwerer militärischer Transporthubschrauber. Er bildet in vielen europäischen Mitgliedsstaaten der NATO – und darüber hinaus in weiteren Ländern – das Rückgrat der Hubschrauberflotte.
Der NH90 ist ein mittelschwerer militärischer Transporthubschrauber. Er bildet in vielen europäischen Mitgliedsstaaten der NATO – und darüber hinaus in weiteren Ländern – das Rückgrat der Hubschrauberflotte. Arthur Penk

Diese Aus- und Weiterbildungsflüge seien erforderlich, um im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung sowie bei Naturkatastrophen wie Waldbränden, Hochwässern und Erdbeben die Anforderungen erfüllen zu können, erklärt die Bundeswehr.

Militärflugzeuge in Apps nicht immer sichtbar

Über die üblichen Apps wie „Flightradar24“ oder „adsbexchange“ lassen sich die Flüge übrigens meist nicht verfolgen, da die militärischen Übungen von möglichen Feinden und Saboteuren nicht ausgespäht werden sollten. Lediglich in Lufträumen und auf Höhen, in denen Kollisionen mit zivilen Flugzeugen vermieden werden sollen, werden Position, Kurs und weitere Informationen gesendet, die die Flugzeuge in den entsprechenden Apps sichtbar machen.

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