Walking Football

Rom, Bilbao, Dortmund: Darum trifft eine Mannschaft aus Giengen in Hamburg auf namhafte Konkurrenz

Hier ist nur Gehen erlaubt: Die Sportart Walking Football gewinnt bisher vorwiegend in England und Norddeutschland an Popularität hinzu. Aber auch in Giengen wird die besondere Art zu kicken ausgeübt. Ende August wartet ein Höhepunkt auf das Team der TSG.

Rennen? Auf keinen Fall. Keiner der Kicker auf einem der Sportplätze auf dem Schießberg zieht einen Spurt an oder läuft sich in hohem Tempo. Die Verweigerung, in einen hohen läuferischen Gang zu schalten, hat weder etwas mit Faulheit noch mit den tropischen Temperaturen zu tun. In der Variante, in der die Herren sich die Bälle zuspielen, ist Rennen schlicht verboten. Das ist eine der Regeln beim Walking Football – dem Fußball im Gehen.

Walking Football? Diese Variante des Kickens hat ihren Ursprung in England. Dort gibt es schon seit 2016 einen eigenen Verband, in dem fast 400 Vereine organisiert sind. In Deutschland ist Walking Football eher im Norden angesiedelt.

Dass man auch in Giengen nach besonderen Regeln – es wird in kleineren Teams gespielt auf einem kleineren Feld (etwa 21 auf 42 Meter), auf drei Meter breite und ein Meter hohe Tore, ohne Abseits und Torwart, aber mit einem Bereich, der nicht betreten werden darf – Fußball spielt, hat mit Sven Büttner zu tun.

Kontakt nie abgerissen

Büttner lebte früher in Giengen und kickte beispielsweise zuletzt auch in der AH in Hohenmemmingen. Beruflich zog es ihn nach Hamburg, und eben dort fand er – Büttner hat Probleme mit der Lunge – eine Möglichkeit, den geliebten Sport auch mit Einschränkung auszuüben. Eben halt im Gehen, ohne Körperkontakt und mit einem Ball, der nicht höher als hüfthoch gespielt werden darf.

Sven Büttner lud die TSG zum Turnier nach Hamburg ein. Foto: Privat

Beim HSV wurde Büttner zum Ansprechpartner für die Sparte Walking Football. Der Hamburger Sportverein veranstaltete im August des vergangenen Jahres ein Turnier mit internationaler Beteiligung. Und weil der Kontakt nach Giengen – insbesondere zu Jürgen Kniel – nie abriss, fragte Büttner bei Kniel an, ob er nicht mit einer TSG-Mannschaft teilnehmen möchte.

„Das kam damals sehr überraschend. Wir haben einmal die Woche Fußball-Tennis mit der AH gespielt, und daraus hat sich dann tatsächlich ein Team gebildet“, sagt Kniel, der zu den Hochzeiten des Giengener Fußballs für die TSG spielte.

Nicht nur Wimpel als Erinnerung

Zwei-, dreimal habe man das ausprobiert und sei dann nach Hamburg aufgebrochen, um sich dort in einem illustren Feld wiederzufinden. So teilte man sich etwa die Kabine mit dem HSV – was nicht nur für den Rothosen-Fan Uwe Wannenwetsch ein besonderes Erlebnis gewesen sein dürfte. 16 Mannschaften nahmen teil, am Ende sprang Platz neun heraus. Nicht nur das Sammeln von Wimpeln namhafter Mannschaften blieb als Ergebnis, sondern auch die Erkenntnis, dass Walking Football jede Menge Spaß bringt.

Nicht alle Tage teilt man sich eine Kabine mit dem HSV. Foto: Privat

Und schnell war klar: Beim nächsten Turnier wollen die Giengener wieder dabei sein. Das steigt Ende August. Mit Vorfreude bereiten sich die Giengener nun auf Gegner wie Dortmund, Rom, Prag, den HSV oder Leverkusen vor.

„Natürlich ist es am Anfang am schwierigsten, nicht einfach ein paar schnelle Schritte zu machen“, so Kniel. Dass nur gegangen werden darf, bringe allerdings mit sich, dass technisch sehr sauber gespielt werden müsse, so Roland Weiss, der bis zum Sommer 2025 Trainer der TSG-Herren war. Ein Pass in die Tiefe des Raums? Beim Walking Football schwierig.

Natürlich möchten die Giengener in Hamburg gut abschneiden. Im Vordergrund stehe aber der Spaß am Fußball und das gemeinsame Erlebnis.

Wie Kniel und Weiß haben alle, die sich mittwochs auf dem Schießberg treffen, eine Fußballvergangenheit – auch wenn die teils sehr lange zurückliegt. Für einige bietet die Art des Fußballs die Möglichkeit, nach langer Pause wegen körperlicher Probleme mit Hüften, Knien oder Sprunggelenken wieder gegen den Ball zu treten. „Das Schöne an Walking Football ist aber, dass praktisch jeder einsteigen kann“, so Kniel. Wer Interesse hat, kann sich unter juergen_kniel@gmx.de melden.

Als Präventionssport anerkannt

Walking Football ist als Präventionssport anerkannt. In unterschiedlichen medizinischen Studien wurden Vorteile für körperliche und mentale Gesundheit nachgewiesen.

Gespielt wird beim Walking Football auch in gemischten Mannschaften. Auch Menschen mit Beeinträchtigungen können Teil der Teams sein. „Walking Football hat auch einen inklusiven Charakter“, so Roland Weiss von der TSG Giengen.