Wie der angehende Bademeister Philip Erler aus Giengen zu seinem Comeback als Läufer kam
Masters. „Das hört sich schon erhaben an, oder?“, sagt Philip Erler mit einem Lächeln. Zur Mastersklasse gehören Leichtathleten ab 30 Jahren. Für den 30-Jährigen ist es somit eine Premiere, wenn er bei den baden-württembergischen Meisterschaften, die der Heidenheimer Sportbund am Wochenende ausrichtet, antritt. Und zwar auf der 1500-Meter-Strecke. Als Kind hat der Giengener viel Leichtathletik betrieben. Speerwurf, Weit- und Hochsprung, Laufen. Mit 16 Jahren kam ein Einschnitt. „Ich habe eine Ausbildung angefangen und musste nach Aalen in die Schule. Da war es schwierig, abends noch ins Training zu gehen“, sagt Philip Erler rückblickend.
Es folgte eine längere Pause – bis er im Oktober 2022 beim Training des HSB vorbeischaute. Hier hatten inzwischen sein Onkel Hannes Müller (Abteilungsleiter) und dessen Tochter Ronja ihre neue sportliche Heimat gefunden. „Ich hatte selbst gemerkt, dass ich eine Herausforderung brauche, dass es mir guttut, Sport zu machen“, erzählt Erler. Nach dem ersten Training habe er aufgrund des Muskelkaters zwei Wochen nur schwer gehen können – doch das hielt ihn nicht davon ab, weiterzumachen. 2023 folgte eine Teilnahme am Heidenheimer Stadtlauf. „Ich bin natürlich völlig eingegangen und hatte viele Gehpausen. Aber es hatte mich etwas spüren lassen, das ich vermisst und gebraucht habe“, sagt der 30-Jährige, der anfügt: „Ich ärgere mich, dass ich erst mit 27 wieder angefangen habe.“

Über den Sport kam er auch zu seiner neuen beruflichen Herausforderung: dank einer Kooperation zwischen Leichtathleten und Schwimmern. Philip Erler fing eine Lehre als Fachangestellter für Bäderbetriebe an. „Umgangssprachlich Bademeister“, sagt der Giengener – und lacht. Ist es so wie bei der Fernsehserie „Baywatch“? „So ähnlich. Nur, dass man dabei nicht so gut aussieht“, scherzt Philip Erler. Sein Gebiet ist das Waldbad, im Januar 2027 steht die Abschlussprüfung an. Eine Disziplin: 50 Meter Abschleppen, wobei beide Menschen Kleidung tragen und nur der Beinschlag erlaubt ist. „Man muss unter zwei Minuten bleiben, das hat’s schon in sich“, sagt Erler, der zugleich auch der einzige Triathlet des HSB ist (Radfahren als dritte Disziplin neben Schwimmen und Laufen).
Vorher möchte er aber noch baden-württembergischer Meister über 1500 Meter werden. „Das könnte schon gut sein. Ich bin zum ersten Mal dabei, werde den Kessel aber brennen lassen.“
400 Athletinnen und Athleten in Heidenheim
Die baden-württembergischen Meisterschaften der Masters sollten eigentlich im Sommer ausgerichtet werden. Da es aber viel zu warm war, wurden die Wettkämpfe verlegt. „Mir haben auf der Bahn die Fußsohlen gebrannt, so heiß war es“, sagt Hannes Müller rückblickend. „Auch für Kampfrichter war es gefährlich, schließlich stehen sie den ganzen Tag da.“
Knapp 400 Athletinnen und Athleten haben sich gemeldet. Da manche mehrere Disziplinen machen, gibt es bislang 720 Starts. Vom HSB sind Philip Erler (1500 Meter) und Tobias Bühner (Diskus, Hammer, Speer und Kugelstoßen) dabei.
Für einen Titelgewinn müssen in der Disziplin mindestens drei Athletinnen oder Athleten gemeldet sein. Am Samstag geht es um 9.30 Uhr los, am Sonntag um 9 Uhr.
