PV-Anlage in Eigenregie

Wie Familien in Söhnstetten von ihrem eigenen Bürger-Solarpark profitieren

Auf einer Fläche von 15 Hektar ist bei Söhnstetten ein großer Solarpark entstanden. Dahinter steckt aber nicht etwa ein fremder Investor, sondern Familien aus dem Ort. So kam das Projekt zustande:

Hinter den großen Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien stecken normalerweise große Investoren, die sich darauf spezialisiert haben und deren täglich Brot die Konzeptionierung, Planung und der Bau von Wind- oder Solarparks ist. Der Solarpark Söhnstetten bildet da eine einzigartige Ausnahme im weiteren Umkreis: Betrieben wird dieser nämlich von Familien aus dem Ort. Über welche Hürden diese dabei springen mussten, wurde nun bei der offiziellen Einweihung deutlich.

Entstanden war die Idee 2019: Der Söhnstetter Harald Seeßle bekam im Nachgang zu einem Messebesuch ein Angebot des Unternehmens GP-Joule, das auf die Entwicklung und den Betrieb von großen Freiflächen-PV-Anlagen spezialisiert ist. Die Firma war an Seeßles Acker interessiert, auf dem ein Solarpark entstehen könnte. Familie Kröner gehört der Acker nebenan. Die Frage also: Sollen sich die Familien zusammentun und beide Flächen verpachten? Für Andreas Kröner die falsche Frage. „Wir haben uns relativ schnell gedacht: Können wir das nicht einfach selber machen?“

Andreas Kröner ist einer der vier Geschäftsführer der Solarpark Söhnstetten GmbH und Co. KG. Rudi Penk

„Einfach“ sollte es freilich nicht werden. Sieben Jahre lang hat es gedauert, bis aus der Idee tatsächlich Wirklichkeit wurde und der Park offiziell eingeweiht werden konnte. Die größte Schwierigkeit begegnete den Solarpark-Neulingen relativ früh: Der nächste Netzanschlusspunkt war das Umspannwerk in Eybach. Allein die Leitung dorthin würde die Familien vier Millionen Euro kosten. „Die Bauvoranfrage wurde zurückgezogen und das Projekt stand erstmal wieder still“, so Kröner.

Was folgte, waren mehrere glückliche Fügungen: Die Leistungsgrenze für PV-Freiflächenanlagen wurde mit einem Gesetz 2021 angehoben, Kröners und Seeßles konnten weitere Flächen akquirieren und auch für den Netzanschluss hatte sich dank Erwin Schweitzer und Georg Honold (Schenkwindrad Gnannenweiler) eine Lösung gefunden: Deren Umspannwerk sollte vergrößert werden, die Kosten für die Kabeltrasse könnten geteilt werden. „Erwin Schweitzer und Georg Honold haben, ohne von uns vertraglich etwas in der Hand haben zu wollen, das Umspannwerk vergrößert und die Kabeltrasse deutlich überdimensioniert errichtet“, lobte Andreas Kröner bei der offiziellen Einweihung des Solarparks. Er bedankte sich für die Vorleistung „und das Vertrauen“.

Im Herbst 2023, vier Jahre nach den ersten konkreten Ideen, waren die größten planerischen Hürden überwunden. Es ging an die Umsetzung und spätestens jetzt wurde schnell klar, dass die Betreiberfamilien einen Profi an der Seite brauchen. Dieser Profi sollte am Ende Ralf Stier sein, einer der beiden Geschäftsführer des Unternehmens Ingenia. Heute fungiert er neben Andreas Kröner, Markus Kröner und Harald Seeßle auch als Geschäftsführer der Solarpark Söhnstetten GmbH und Co. KG.

Ralf Stier von der Firma Ingenia unterstützte die Söhnstetter bei der Umsetzung und ist ebenfalls einer der vier Geschäftsführer. Rudi Penk

Von Anfang an habe Stier auf die Familien einen „kompetenten, authentischen und bodenständigen“ Eindruck gemacht, so Kröner. Für komplexe Fragestellungen habe es konkrete Lösungsvorschläge gegeben.

Und so wuchs nach und nach der Solarpark Söhnstetten heran: Von den 15 Hektar Fläche sind 7,3 Hektar mit insgesamt 29.016 Modulen belegt. Die Anlage verfügt laut Kröner über eine installierte Modulleistung von 18,7 Megawatt. 270 Kilometer Kabel mussten verlegt werden. „Wir gehen davon aus, dass die Anlage rund 21 Millionen Kilowattstunden Strom jährlich erzeugen kann“, so der Söhnstetter. Damit könne der Strombedarf von 24.000 Personen gedeckt werden. „Das entspricht ziemlich genau der Bevölkerung der umliegenden Gemeinden von Steinheim, Böhmenkirch und Gerstetten." Zudem vermeide man die Entstehung von rund 8000 Tonnen CO₂ jährlich. „Das entspricht den jährlichen Emissionen von 4000 Autos“, rechnet Kröner vor.

Die Söhnstetter Betreiberfamilien sind jedenfalls stolz auf das, was sie hier geschaffen haben. Und darauf, dass sie sich trotz aller Hürden nicht haben entmutigen lassen – auch dann, als das Projekt kurz vor dem Aus stand. „Wir haben hier regionale Wertschöpfung geschaffen“, so Andreas Kröner, „und wir werden dies auf Jahrzehnte hin weiter tun.“