Neresheim plant Gartenschau: Millionenprojekt für Stadtentwicklung und Natur
Auf der beleuchteten Bühne im Neresheimer Stadtgarten ist an diesem frühen Abend eine Karte von 1978 auf einem Bildschirm zu sehen. Sie zeigt den Stadtgarten, der sich bis zur Gallusmühle zieht, dazu die Egau mit Mäandern und sogar einen Stausee. Fast 50 Jahre alt – und plötzlich wieder aktuell.
Denn der Stadtgarten, der lange Zeit hinter einer Hecke eher ein Schattendasein führte, ist heute Ausgangspunkt für eine große Idee: Neresheim will sich um eine kleine Gartenschau bewerben. Zur Wahl stehen die Jahre 2037, 2039 und 2041. Den Weg für die Bewerbung freigemacht hat der Gemeinderat bereits und die Verwaltung beauftragt, dafür eine Machbarkeitsstudie ausarbeiten zu lassen.

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„Ich möchte diesen Stadtgarten wachküssen“, sagt Thomas Häfele und erinnert damit an eine Idee, für die er bereits in seiner Bewerbungsrede als Bürgermeister geworben hat. Nun möchte er gemeinsam mit dem Gemeinderat und den Bürgern der Gesamtstadt aus dieser Vision ein langfristiges Stadtentwicklungsprojekt machen. Der alte Stadtplan, die an diesem Abend auf dem Bildschirm zu sehen ist, liefert dafür eine bemerkenswerte Vorlage: Häfeles Vorvorgänger Anton Hegele ließ sie 1978 zu Papier bringen. „Sein Ziel war damals zwar keine Gartenschau, sondern ein großer Stadtgarten bis zur Gallusmühle. Doch schon darauf finden sich Ideen wie die Renaturierung der Egau und ein Ruheplatz“, sagt Häfele zu den Überlegungen, an die Neresheim nun anknüpfen möchte.
Konkret setzt Neresheim dabei auf die kleine Gartenschau – und nicht auf eine Landesgartenschau etwa wie in Ellwangen. Das kleinere Format dauert drei bis vier Monate statt sechs und hat keine festgelegte Fläche. Für eine Landesgartenschau sind mindestens 15 Hektar vorgeschrieben.
Im Mittelpunkt stehen dabei Stadtentwicklung und Aufenthaltsqualität. Stadtgarten und Egau sollen stärker miteinander verbunden, die Egau renaturiert und Wege zum Kloster, zur Klostersteige und zum Weinberg aufgewertet werden. Auch mehr Grün in der Innenstadt, Klimaanpassung und der Umgang mit Wasser gehören zu Häfeles Vorstellungen. Bürger und Vereine sollen ihre Ideen einbringen und das Konzept mitentwickeln. „Die Gartenschau soll dabei nicht nur für drei Monate schön aussehen. Sie soll Motor für die Stadtentwicklung der kommenden Jahrzehnte sein. Was also dafür geschaffen wird, soll der Stadt dauerhaft erhalten bleiben“, so Häfele.
Doch auch das kleinere Format ist ein Millionenprojekt. Häfele nennt fünf bis sechs Millionen Euro als Größenordnung vergangener Gartenschauen. Das Land fördert 50 Prozent der Investitionskosten, maximal zwei Millionen Euro. Mit weiteren Programmen, etwa aus Städtebau, Naturschutz und Denkmalschutz, könne der Fördersatz bei guter Kombination „bis auf 70 Prozent“ steigen. Für die verbleibenden 30 Prozent stellt sich der Bürgermeister analog zu den Landes-Heimattagen Sponsoren und Eintrittsgelder vor. „Aus der Wirtschaft gibt es bereits Signale, sich an den Kosten der Machbarkeitsstudie zu beteiligen“, freut sich das Stadtoberhaupt.

