„Freilaufende Übung“ des Sanitätsregiments 3

Was die Bundeswehr bei der Übung „Blauer Hermes“ trainiert, und worauf man bei Kolonnenfahrten achten sollte

Die Bundeswehr trainiert vom 15. bis zum 18. Oktober für den Ernstfall. Betroffen sind auch Teile des Landkreises Heidenheim. Was das bedeutet und worauf Verkehrsteilnehmerinnen und ‑teilnehmer achten sollten.

Zwischen Donnerstag, 15. Oktober, und Sonntag, 18. Oktober 2026, trainieren Teile des Sanitätsregiments 3 aus Dornstadt bei der landkreisübergreifenden Übung „Blauer Hermes“ für den Ernstfall. Wie das Landratsamt Heidenheim mitteilt, sind auch Teile des Landkreises betroffen. Im Rahmen der Übung könne es daher zu Beeinträchtigungen wie Verkehrsbehinderungen kommen – die Bevölkerung wird deshalb um Verständnis gebeten.

Was wird geübt und worauf muss man achten?

Wie ein Sprecher des Landeskommandos Baden-Württemberg auf HZ-Nachfrage erläutert, sollen bei der Übung insbesondere Fähigkeiten im Bereich der Versorgung durch einen Bataillonsversorgungspunkt und der Sanitätsunterstützung trainiert werden.

Heißt: Von Dornstadt aus werden Transporte, Bergungen und Lageeinspielungen durchgeführt, wie es im Fachjargon der Bundeswehr heißt. Unter Lageeinspielungen versteht man, dass zum Beispiel liegen gebliebene Fahrzeuge auf nicht öffentlichen Geländen geborgen werden – hierzu sind auch zwei Krane im Einsatz. Zentrum der Übung sind sowohl Dornstadt als auch Stetten am kalten Markt. Große Konzentrationen an militärischen Kräften sollen demnach nur auf Standort- und Truppenübungsplätzen beschränkt sein. Eine Nutzung von Flächen außerhalb der Übungsplätze sei, unter Einhaltung der Umweltschutzauflagen, mit den betroffenen Gemeinden abgesprochen, heißt es weiter seitens der Bundeswehr.

120 Soldatinnen und Soldaten mit 61 Fahrzeugen

Insgesamt beteiligen sich nach Angaben des Bundeswehr-Sprechers rund 120 Soldatinnen und Soldaten mit 61 geschützten und ungeschützten Radfahrzeugen an der Übung. Diese bewegen sich nicht geschlossen, sondern in einzelnen Gruppen. Marschgruppen mit Bundeswehrfahrzeugen können zeitweise in verschiedenen Landkreisen auftreten, heißt es weiter. Der Landkreis Heidenheim liege allerdings am äußeren Rand des Übungsgebietes und sei vom Betrieb nur gering betroffen.

Wie verhält man sich im Verkehr bei militärischen Kolonnenfahrten?

Die Beeinträchtigung des Straßenverkehrs solle möglichst gering gehalten werden, sei aber zeitweise nicht zu vermeiden. Allgemein gelten die Straßenverkehrsvorschriften für militärische Kolonnenfahrten. Wie der Allgemeine Deutsche Autoclub (ADAC) erläutert, heißt dies, dass Kolonnen verkehrsrechtlich als ein Fahrzeug gelten. Ein geschlossener Verband dürfe deshalb komplett bei Rot über die Ampel fahren, wenn das erste Fahrzeug diese noch bei Grün überquert hat. Auch im Kreisverkehr, an Zebrastreifen und Kreuzungen oder beim Reißverschlussverfahren gilt: Die Kolonne darf stets zusammenbleiben und gilt als ein Fahrzeug.

Für zivile Verkehrsteilnehmer bedeutet das insbesondere, dass ein Unterbrechen der Kolonne durch „Reinquetschen“ nicht erlaubt ist. Eine Kolonne dürfe zwar überholt werden, aber nur in einem Rutsch, ohne sie durch Einscheren zu trennen. Autofahrerinnen und Autofahrer sowie alle anderen Verkehrsteilnehmer werden deshalb darum gebeten, besondere Aufmerksamkeit walten zu lassen, ausreichenden Abstand zu den Kolonnen zu halten und aus Sicherheitsgründen nicht zwischen die Fahrzeuge zu fahren.

Keine scharfe Munition im Einsatz

Scharf geschossen wird nach Angaben des Bundeswehr-Sprechers nicht: Die übende Truppe ist mit sogenannter „Manövermunition“, also Platzpatronen, ausgestattet. Von den Handwaffen (Maschinengewehr, Gewehr und Pistole) geht keine Gefahr durch Projektile aus. Der Einsatz von Pyrotechnik und Manövermunition sei außerdem lediglich auf nicht öffentlich zugängliche Bereiche begrenzt, sodass eine Gefährdung für die Bevölkerung völlig ausgeschlossen werden könne.

Genauere Informationen zu den Bewegungen und Einsatzorten der Truppe werden aus Gründen der militärischen Sicherheit nicht im Vorfeld veröffentlicht. Die Bundeswehr bittet die Bevölkerung um Verständnis für mögliche Einschränkungen, heißt es weiter.

Was sind „freilaufende Übungen“?

Durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sind Übungsszenarien der Landes- und Bündnisverteidigung wieder in den Fokus gerückt, nachdem der Ausbildungs- und Übungsschwerpunkt in der Bundeswehr jahrzehntelang auf Auslandsmissionen zur Konflikt- und Krisenbewältigung lag.  Sogenannte „freilaufende Übungen“ sind ein elementarer Bestandteil der Ausbildung und dienen der Herstellung sowie der Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft. Sie decken Inhalte ab, die auf militärischen Übungsplätzen nur schwer zu erfassen sind, erklärt der Bundeswehr-Sprecher vom Landeskommando Baden-Württemberg.