Wie umfangreich die Bahn die Unterführung am Königsbronner Bahnhof saniert hat
Bahnhöfe stehen nicht gerade im Ruf, Orte mit besonderer Aufenthaltsqualität zu sein. Dreck, Müll und Graffiti prägen vielerorts das Bild und tragen dazu bei, dass man diese Orte möglichst meidet oder so schnell wie möglich wieder verlässt. Der Königsbronner Bahnhof machte da keine Ausnahme, vielmehr war er bisher eher der Extremfall eines Negativbeispiels. „Hier war es über die Jahre hinweg sehr schlimm, was die Schmierereien und den Vandalismus betrifft“ sagte Timo Peters, Leiter der Produktionssteuerung des Bahnhofsmanagements Ulm bei der DB InfraGO AG, dieser Tage bei einem Vor-Ort-Besuch: „In der Unterführung herrschte fast eine Berliner Atmosphäre, es war schon sehr extrem.“
Doch daran hat sich in den vergangenen Wochen sehr viel geändert. Was zuerst ins Auge fällt, ist die neu gestaltete Unterführung. Alle Schmierereien sind von den Wänden gewichen, die jetzt große Fotografien mit Königsbronner Motiven zieren. Insgesamt zwölf Aufnahmen sind es, die den Ort und seine Besonderheiten zu unterschiedlichen Jahreszeiten zeigen und in ein besonders schönes Licht rücken. Die Unterführung, die Bürgermeister Jörg Weiler als „früheren Schandfleck“ bezeichnete, wirkt jetzt hell, freundlich, geradezu einladend.
Viel Geld für Reinigungsarbeiten
„Wir mussten einfach handeln, weil der Zustand in Königsbronn besonders schlimm war“, sagte Peters. Im Jahr 2025 habe die Bahn 30.000 Euro nur für Reinigungsarbeiten ausgegeben, 2026 waren es bisher schon knapp 50.000 Euro. „Deshalb haben wir überlegt, den Bahnhof grundlegend zu verschönern und die Situation zu verbessern, um die Hemmschwelle für Verschmutzung und Zerstörung höher zu legen“, so der Bahnmanager. Begonnen wurde mit den Sanierungsarbeiten schon vor Monaten. Stück für Stück wurden die Bahnsteige tiefengereinigt und die Beläge teils erneuert. „Es wurden dabei auch Kaugummis entfernt, die seit zehn Jahren da klebten“, so Peters. Seitdem wirken auch die beiden Bahnsteige deutlich gepflegter.

Doch damit nicht genug. Auch in die Technik am Bahnhof hat die Bahn investiert. So gibt es jetzt neue, dreizeilige digitale Anzeigetafeln, die den Bahnfahrern mehr Infos bieten. Darüber hinaus wurde ein digitaler Fahrplan installiert und Sehbehinderte haben die Möglichkeit, Ansagen per Knopfdruck laufen zu lassen. „Wir haben sehr viel modernisiert und erneuert“, erklärte Peters. Allein die Veränderungen an den Bahnsteigen haben ihm zufolge 60.000 Euro gekostet. Damit der Zustand auch möglichst gut bleibt, habe die Bahn auch den Reinigungsturnus von einmal auf zweimal wöchentlich umgestellt. Schon seit Jahresbeginn kümmert sich das beauftragte Unternehmen immer montags und donnerstags um die Sauberkeit auf dem Bahnhof. Außerdem werden die Bahnsteige alle zwei Monate mit dem Hochdruckreiniger gesäubert. „Wir versuchen, den Gesamteindruck möglichst gut zu halten, denn die Erfahrung sagt uns: Wenn man Schäden und Müll möglichst schnell beseitigt, kommt weniger nach“, so Peters. Außerdem wurde die Zahl der Mülleimer erhöht.
Königsbronner Motive
Doch die bedeutendste Veränderung ist sicherlich die in der Unterführung, die Gleis 1 mit Gleis 2 verbindet. Die wurde aufwendig mit einer speziellen Anti-Graffiti-Farbe gestrichen, bevor die großformatigen Bilder aufgehängt wurden, die größtenteils der Königsbronner Hartmut Pflanz fotografiert hat. Die Bilderrahmen sind ebenfalls aus einem speziellen und besonders harten Material gefertigt, um Beschädigungen möglichst fernzuhalten. „Uns ist wichtig, dass der jetzige Zustand so bleibt“, betont Peters. Deshalb sind in der Unterführung auch speziell für Königsbronn gefertigte Schilder angebracht, auf denen darum gebeten wird, Beschädigungen und Vandalismus zu melden. Sogar Belohnungen auf Hinweise zu den Tätern werden ausgesetzt. Für die Neugestaltung der Unterführung wurden zusätzliche 100.000 Euro aufgewendet.
Zwar sind die Arbeiten nahezu abgeschlossen, „aber Königsbronn bekommt auch noch ein Weihnachtsgeschenk“, sagte Peters. Und zwar in Form zweier neuer Wartehäuschen auf den Bahnsteigen. Diese nagelneuen Modelle sind mit begrünten Dächern und digitaler Technik ausgestattet. „Wenn alles klappt, werden sie Ende November geliefert“, so Peters. Für die neuen Wartehäuschen investiert die Bahn weitere 70.000 Euro.
Bürgermeister Jörg Weiler bedankte sich für das Engagement, das die Bahn hier an den Tag gelegt habe, „um den Schandfleck“ verschwinden zu lassen, durch den sich manche Menschen kaum noch getraut hätten, durchzulaufen. „Jetzt werden die Besucher in Königsbronn mit schönen Impressionen aus der Gemeinde begrüßt.“ Wie auch Peters verlieh Weiler seiner Hoffnung Ausdruck, dass der jetzige Zustand dauerhaft sein wird.
Weitere Bahnhöfe werden erneuert
Die Modernisierung des Königsbronner Bahnhofs ist abgeschlossen und das Erscheinungsbild hat sich ganz erheblich verbessert. Und aktuell ist die Bahn damit beschäftigt, auch weitere Bahnhöfe im Landkreis zu erneuen. Timo Peters zufolge finden entsprechende Arbeiten derzeit an den Bahnhöfen in Niederstotzingen und Sontheim/Brenz statt. Außerdem werde auch der Bahnhof in Oberkochen modernisiert.
