Bei wolkenlosem Himmel ist am Mittwoch, 12. August, über Heidenheim eine partielle Sonnenfinsternis zu beobachten: 90 Prozent der Sonne werden vom Mond abgedeckt. Anlässlich dieses besonderen Himmelsschauspiels öffnen Mitglieder des Astronomievereins Heidenheim die Sternwarte auf dem Erbisberg in Mergelstetten, geben Erklärungen und stellen Schutzbrillen zur Verfügung, ohne die der Blick zur Sonne gefährlich ist.
Vorsitzender Herbert Heuberger wird das Himmelsschauspiel allerdings nicht von dort aus verfolgen. Er reist mit seiner Familie nach Nordspanien, wo die Sonnenfinsternis komplett zu erleben ist. Seine Vereinskollegen übernehmen die Betreuung auf der Sternwarte. Vor seiner Abreise beantwortet Heuberger die wichtigsten Fragen.
Was passiert am 12. August eigentlich am Himmel?
Der Mond schiebt sich zwischen Erde und Sonne und verdeckt die Sonnenscheibe. Von Heidenheim aus werden knapp 90 Prozent der Sonne vom Mond bedeckt. Das ist zwar keine totale Sonnenfinsternis, aber dennoch ein außergewöhnliches Ereignis. Gegen 19.22 Uhr beginnt der Mond, die Sonne zu berühren. Die maximale Bedeckung wird gegen 20.15 Uhr erreicht. Dann ist von der Sonne nur noch eine schmale Sichel zu sehen. Weil die Sonne zu diesem Zeitpunkt schon tief im Westen steht, geht sie gegen 20.39 Uhr noch teilweise bedeckt unter.
Warum wird die Sonnenfinsternis in Heidenheim nicht total?
Der Kernschatten des Mondes ist nur wenige Dutzend Kilometer breit und zieht als schmaler Streifen über die Erde. Nur dort wird es mitten am Tag tatsächlich ganz dunkel. Dieses Mal verläuft dieser Schatten über Nordspanien. Heidenheim liegt außerhalb dieser Zone, deshalb bleibt die Sonnenfinsternis hier partiell. Je näher der Mond der Erde steht, desto breiter ist sein Schatten und desto größer ist die Chance auf eine totale Sonnenfinsternis.
Sie selbst fahren dafür nach Nordspanien. Warum?
Eine totale Sonnenfinsternis ist anders als eine partielle. Es ist eine ganz besondere Stimmung und ein völlig anderes Licht. Plötzlich wird es mitten am Tag dunkel. Vögel verstummen, Kühe legen sich hin und oft frischt sogar der Wind auf. Ich habe das schon 1999 in Deutschland, später in der Türkei und mit Vereinskollegen in Sibirien erlebt. Obwohl die Totalität oft nur wenige Minuten dauert, nimmt man dafür gerne eine weite Reise auf sich.

Kann man diese besondere Stimmung auch bei einer 90-prozentigen Bedeckung in Heidenheim erleben?
Ja, auch bei einer starken partiellen Sonnenfinsternis verändert sich die Umgebung deutlich. Das Licht ist anders als bei einem Sonnenuntergang. Es wirkt nicht warm und golden, sondern eher fahl und ungewohnt. Die Farben verlieren an Leuchtkraft, die Natur reagiert auf die veränderten Lichtverhältnisse. Viele Tiere orientieren sich am Licht und können unruhig werden oder sich bereits auf die Nacht einstellen. Dieses besondere Gefühl mitten am Tag macht auch eine partielle Sonnenfinsternis zu einem beeindruckenden Erlebnis.
Gibt es bald wieder eine Sonnenfinsternis?
Schon am 2. August 2027 gibt es die nächste totale Sonnenfinsternis. Der Kernschatten wird dann über Südspanien und Gibraltar verlaufen. Von Deutschland aus wird allerdings nur rund die Hälfte der Sonnenscheibe bedeckt sein. Wer die Finsternis vollständig erleben möchte, muss deshalb erneut in den Bereich der Totalität reisen. Dafür müsste man aber rechtzeitig eine Unterkunft buchen, weil es sicherlich viele gibt, die das sehen wollen.
Warum darf man niemals direkt in die Sonne schauen?
Solange auch nur ein kleiner Teil der Sonne sichtbar ist, kann der Blick ohne geeigneten Schutz die Netzhaut dauerhaft schädigen. Man darf keinesfalls in die Sonne schauen. Das gilt erst recht für Ferngläser oder Teleskope ohne Sonnenfilter. Die Strahlen werden dort wie durch ein Brennglas gebündelt. Normale Sonnenbrillen, auch doppelt übereinandergelegt, oder Schweißbrillen bieten keinen ausreichenden Schutz. Auch rußgeschwärzte Gläser, schwarze Filmstreifen oder Ähnliches sind absolut gefährlich. Geeignet sind ausschließlich geprüfte Sonnenfinsternis-Brillen oder spezielle Sonnenfilter.
Wie können Besucher der Sternwarte die Sonnenfinsternis sicher beobachten?
Auf der Sternwarte stehen mehrere Teleskope mit Sonnenfiltern bereit. Außerdem hält der Verein rund 100 Sonnenfinsternis-Brillen bereit. Die Sternwarte öffnet bereits um 18 Uhr. Wer lieber von zu Hause aus beobachtet, sollte sich einen Platz mit freiem Blick nach Westen suchen und ausschließlich geeignete Schutzbrillen verwenden.
Was gibt es auf der Sonne derzeit noch zu entdecken?
Momentan zeigt die Sonne besonders viele Sonnenflecken. Sie befindet sich in einer sehr aktiven Phase ihres rund elfjährigen Zyklus. Dabei kommt es immer wieder zu gewaltigen Eruptionen, bei denen geladene Teilchen ins All geschleudert werden. Treffen sie auf das Magnetfeld der Erde, können Polarlichter entstehen. Davon konnten sich auch viele Menschen in der Region im Januar überzeugen, als selbst bei uns in Heidenheim eindrucksvolle Polarlichter zu sehen waren. Durch die Teleskope auf dem Erbisberg lassen sich die dunklen Sonnenflecken gut erkennen.
Was erwartet die Besucher auf dem Erbisberg?
Die Vereinsmitglieder erklären den Ablauf der Sonnenfinsternis und beantworten Fragen rund um Sonne, Mond und Astronomie. Mehrere Teleskope stehen für die Beobachtung bereit. Die Fernrohre sind ebenerdig aufgebaut und damit gut zugänglich. Getränke gibt es auf Spendenbasis. Direkt an der Sternwarte gibt es allerdings keine Parkplätze. Parkmöglichkeiten bestehen bei den Gartenfreunden oder am Steinbruch.
