1. Science Slam

Gelungene Premiere beim Heidenheimer Science Slam: Von Sex und dem weißen Rauschen

Mit dem ersten Science Slam im Lokschuppen in Heidenheim legte das Projektteam der DHBW eine köstliche Prüfungsleistung vor. Das Publikum hatte viel zu lachen und kürte am Ende seinen Liebling.

„Animus risu novatur“ soll Cicero gesagt haben, also „Lachen erfrischt den Geist“. Er hätte seine Freude gehabt an dem, was am Dienstagabend im Lokschuppen geboten war: Der erste Heidenheimer Science Slam ließ Wissenschaft auf Humor treffen, und da gab es eine ganze Menge zu lachen. Zu staunen. Zu lernen.

Zunächst einmal konnte man lernen, dass das Thema zieht: Der Lokschuppen war voll geworden in der Aussicht auf Wissenschaft, deren Trockenheit sich ausschließlich auf den gleichnamigen Humor bezieht und damit ganz und gar vergnüglich daherkam. Und man konnte lernen, wie man seine Lautsprecher auf Sauriertauglichkeit prüft – weißes Rauschen sei der optimale Messlärm, ließ Professor Dr. Georg Eggers von der Universität München, Physiker mit Spezialgebiet Signalverarbeitung, wissen. Und weil sich dieses weiße Rauschen anhört wie das Fauchen von Dinosauriern, hatte er nicht nur Tonspuren aus „Jurassic Park“ und jede Menge Bezüge zu Dinos dabei, sondern auch gleich noch einen echten – also echt mit dem Knopf im Ohr.

Tugend und das Glück der Fleißigen

Man konnte lernen, ob Tugend glücklich macht, ob also Glück ohne Genuss möglich ist. Dr. Anastasia August, Mathematikerin und Physikerin an der Hochschule Karlsruhe, hat sich diesen Lehrsatz des Stoizismus vorgeknöpft, der doch ihrer Meinung nach im krassen Widerspruch zum nach Entspannung und Unterhaltung lechzenden Körper stehe. In einer äußerst schwungvoll präsentierten Studie war untersucht worden, ob sich das Glück denn eher in der Arbeit, egal ob im Beruf, im Ehrenamt oder in sonstiger Tätigkeit, oder in der Freizeit einstelle – Spoiler: Die Freizeit war es nicht. Denn in der Überwindung und der Herausforderung sind sie versteckt, die so begehrten Glückshormone.

Positives zum Klimawandel hatte Geophysiker Dr. Andreas Schäfer vom Karlsruher Institut für Technologie parat. Zwar könnte sich gegen Ende des Jahrhunderts Heidenheim anfühlen wie Norditalien, Norditalien dagegen wie die Sahelzone, und damit einhergehen können neben weiteren Naturkatastrophen auch Nahrungsmittelknappheit, Kampf um Ressourcen und Fluchtbewegungen wegen wirtschaftlicher Not. Aber technische Möglichkeiten und Innovationen und nicht zuletzt das Glück der Fleißigen ließen hoffen: „Und wenn oiner fleißig isch, dann sind des mir“, machte er in schönstem Schwäbisch Mut.

Paarungsakt und Liebesbriefe

Liebesbriefe waren das Thema von Informatiker Nils Rexin. Nun verhalten sich Liebesbriefe zu Informatikern zueinander etwa so wie Tag und Nacht, aber was macht der Informatiker, wenn er selbst nicht weiterweiß? Richtig, er schreibt ein Programm, in diesem Fall so etwas wie den Vorläufer der KI. Und das zaubert im Handumdrehen einen unwiderstehlichen Liebesbrief aus ein bisschen Ringelnatz, ein bisschen Zote und einer hübschen kleinen Formel, wie Rexin ganz unwiderstehlich anschaulich machte.

Schließlich gab es auch noch Sex: Susanne Wendel, angewandte Sexualwissenschaftlerin, stellte zunächst klar, dass „angewandt“ bedeute „nicht so angewandt, wie es klingt“, und erläuterte dann, wie der allseits gewünschte „Life Changing Sex“ auch in langjährigen Partnerschaften möglich sei, und hatte dafür einige Tipps parat, die sie munter ins Publikum sandte, gespickt mit bestens ankommenden Thesen wie „Wilde Tiere paaren sich nicht in Gefangenschaft“.

Saurier siegt

Und was der Poetry recht ist, kann der Science nur billig sein: Auch hier wurde am Ende der Sieger des Abends durch Beifall ermittelt, und Johannes Elster, der poetry-slam-erfahrene Moderator, der mit viel Witz auch souverän durch die Science führte, konnte am Ende Dr. Georg Eggers für seine sauriermäßige Präsentation die von Clara und Sonja aus dem Publikum im Laufe des Abends gestaltete Glückwunschkarte mit Original-Science-Slam-aus-dem-Lokschuppen-Applaus überreichen.

Riesig Spaß machte dieser Abend, der auf heitere Weise zum Einstieg in ernste Themen einlud und das Lernen zum Spaß werden ließ. Da werden bei Ellen Olbich, Franziska Klement, Gernot Igers und Justin Peterson ordentliche Brocken vom Herzen gefallen sein: Sie haben den ganzen Abend als Projektteam des Studiengangs Wirtschaftsinformatik der DHBW Heidenheim organisiert. Und damit haben sie eine ganze Menge Vorarbeit geleistet, wenn sie auch auf Sponsoren und das Kulturbüro der Stadt Heidenheim unter Leitung von Oliver von Fürich zählen konnten. Diese Premiere des Science Slam in Heidenheim und die gesamte Organisation dahinter sind gewissermaßen die Prüfungsleistung der vier Studenten, für die die Zuschauer – der Applaus machte dies deutlich – locker eine eins vor das Komma setzen würden. Und ganz bestimmt gingen sie nach diesem erleuchtenden wie erheiternden Abend erfrischten Geistes nach Hause.

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