Schnaitheim bleibt auf der Strecke
Fördermittel sind eine gute Sache. Wenn das Land den Umbau der Grabenstraße mit 75 Prozent der Kosten unterstützt, ist das eine erhebliche Entlastung für die Stadt. Dennoch muss Heidenheim einen beträchtlichen Eigenanteil finanzieren. Fördermittel allein lösen also nicht alle Probleme. Entscheidend ist, welche Prioritäten die Stadt setzt, und wofür sie bereit ist, eigenes Geld in die Hand zu nehmen.
Während die Aufwertung der Grabenstraße beschlossene Sache ist, fehlt für die Heidenheimer Straße in Schnaitheim jede erkennbare Perspektive. Besonders enttäuschend ist, dass sie nicht einmal in den vom Oberbürgermeister vorgestellten Sanierungsschwerpunkten für 2027 auftaucht. Ihren unrühmlichen Namen als „Schlaglochpiste“ trägt die Heidenheimer Straße nicht ohne Grund. Autofahrer müssen Schlaglöchern ausweichen, Radfahrer sind mit schlechten Fahrbahnverhältnissen konfrontiert, und Fahrzeuge werden unnötig belastet. Für viele Menschen gehört dieser Zustand zum täglichen Ärgernis.
Auch im Hagen verschärft sich die Verkehrssituation. Gerade zu den Stoßzeiten sind Staus und stockender Verkehr für die Anwohner kaum noch zumutbar. Der Hagen gehört zu Schnaitheim, und seine Straße mündet in die ohnehin belastete Heidenheimer Straße. Wer dort Wohnraum schafft, muss auch die Verkehrsinfrastruktur mitdenken. Andernfalls werden die bestehenden Probleme auf dem Rücken der Anwohner ausgetragen.
Oberbürgermeister Michael Salomo hat bei dem Bauvorhaben und seiner Rede im Hagen betont, Schnaitheim und seine Probleme im Blick zu behalten. Doch zwischen solchen Aussagen und den tatsächlichen Investitionsentscheidungen klafft eine Lücke. Wenn die Heidenheimer Straße nicht einmal für 2027 als Sanierungsschwerpunkt vorgesehen ist, stellt sich die Frage, welchen Stellenwert die Anliegen der Schnaitheimer tatsächlich haben.
Mit dem Sondervermögen des Bundes stehen zusätzliche Mittel für Infrastrukturinvestitionen zur Verfügung. Die Stadt sollte deshalb alle Möglichkeiten prüfen, Fördergelder für die Sanierung zu nutzen. Doch auch hier gilt: Fördermittel ersetzen nicht den kommunalen Eigenanteil. Die Stadt muss bereit sein, selbst zu investieren und notwendige Maßnahmen entsprechend zu priorisieren. Für die Grabenstraße gibt es Fördermittel, aber Schnaitheim bleibt auf der Strecke.
Eine aufgewertete Grabenstraße mag das Stadtbild verbessern. Für die Menschen, die täglich unter den schlechten Straßenverhältnissen und den Verkehrsproblemen in Schnaitheim und im Hagen leiden, bedeutet das jedoch keine Entlastung. Sie brauchen endlich konkrete Verbesserungen statt weiterer Vertröstungen.
Schnaitheim gehört zu Heidenheim. Die Menschen hier verdienen dieselbe Aufmerksamkeit wie die Bürger in der Innenstadt. Verantwortung für eine Stadt zeigt sich nicht nur in neuen Vorhaben, sondern vor allem darin, wie konsequent die bestehenden Probleme angegangen werden.
Ute Ludwig, Heidenheim