Die Brenzbahn steht auf dem Prüfstand, und das Ergebnis ist ernüchternd. Die Strecke zwischen Aalen und Ulm erreicht in der jüngsten Bewertung der Deutschen Bahn lediglich die Gesamtnote 3,31 und liegt damit schlechter als der Landesdurchschnitt (3,1). Abgefragt hatte die Daten der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel.
Besonders negativ stechen an der Brenzbahn die Noten für die Gleise (3,65), die Weichen (3,56) und die Tunnel (3,74) hervor. Auch die Stellwerke werden mit 3,88 nicht gut bewertet. „Auffallend ist, dass gerade die Gewerke, von denen die Zuverlässigkeit des Bahnverkehrs abhängt, sich in keinem guten Zustand befinden“, so Gastel.
Positive Ausnahmen und landesweite Vergleiche
Einen positiven Ausreißer gibt es immerhin: Die Stützbauwerke entlang der Strecke erhielten die Note 1,96. Stützbauwerke werden überall dort verbaut, wo Gelände gesichert werden muss, wie bei Bahndämmen, Böschungen und Geländesprüngen. Sie nehmen den Erddruck auf und verhindern so, dass der Boden abrutscht, wodurch die Stabilität der Gleisanlagen und der angrenzenden Infrastruktur gewährleistet wird.
Ein Blick auf die anderen von Gastel abgefragten Strecken zeigt, dass die Probleme landesweit auftreten – wenn auch unterschiedlich stark. Die Gäubahn zwischen Stuttgart und Singen liegt mit 3,1 genau im Landesschnitt, dort bereiten vor allem Stellwerke und Bahnübergänge Sorgen. Auf der Fortsetzung Richtung Schweizer Grenze (3,04) fällt besonders der katastrophale Wert der Stellwerke ins Gewicht: Mit 5,63 werden sie fast schon als unbrauchbar eingestuft.
Bahn: Brunnenkopftunnel nur wegen des Alters schlecht bewertet
Eine Bahnsprecherin verweist auf Nachfrage jedoch darauf, dass sich einzelne Bewertungen differenziert betrachten lassen, und widerspricht auch der Annahme, dass die Züge zwischen Aufhausen und Schnaitheim wegen schlechtem Gleiszustand abbremsen. „Das ist keine Langsamfahrstelle, sondern eine Kurve mit engem Radius. Da ist die Streckengeschwindigkeit eine andere als auf gerader Strecke. Das gibt es im Netz an vielen Stellen.“ An der Situation werde sich nichts ändern, da die baulichen Gegebenheiten dies erforderten.
Auch der Brunnenkopftunnel zwischen Schnaitheim und Königsbronn fällt wegen seines Alters in der Bewertung ab. „Ein Teil der Note wird nach Alter vergeben. Der tatsächliche Zustand ist aber gut, weil wir laufend Instandhaltung machen. Der Tunnel steht perspektivisch noch nicht zur Erneuerung an, jedenfalls nicht im nächsten Jahrzehnt“, so die Sprecherin.
Investitionen bis zum Jahr 2028 auf der Brenzbahn
Die letzten großen Investitionen auf der Brenzbahn erfolgten zwischen 2003 und 2007. Damals seien rund 75 Millionen Euro in die Strecke geflossen: Bahnübergänge wurden modernisiert, Gleise und Signale erneuert, ein elektronisches Stellwerk in Betrieb genommen. „Zwei Jahrzehnte sind seitdem vergangen, aber natürlich erneuern wir punktuell, wenn es notwendig ist“, so die Sprecherin.
Konkret stehen bis 2028 folgende Arbeiten an: Zehn Kilometer Gleiserneuerung sollen umgesetzt und 28 neue Weichen eingebaut werden, außerdem sollen die Eisenbahnüberführung in Thalfingen sowie die Brücke über die Brenz in Heidenheim erneuert werden.
Für die Brenzbahn zieht Gastel allerdings ein anderes Fazit: „Es besteht Handlungsbedarf.“ Grundsätzlich befänden sich die Bundesschienenwege teilweise in einem maroden Zustand, der einen zuverlässigen, störungsarmen Bahnverkehr zunehmend erschwere. Die Ampelkoalition habe deshalb die Sanierungsmittel deutlich erhöht. „Ein erster Erfolg, denn der Zustand der Infrastruktur verschlechtert sich nicht weiter.“ Damit sich die Lage aber nachhaltig verbessert und die Anzahl der Störungen sinkt, seien weiterhin erhebliche und kontinuierliche Investitionen nötig. „Besonders im Fokus stehen die Stellwerke. Einige stammen noch aus der Kaiserzeit, Ersatzteile sind knapp, und Fachpersonal ist schwer zu finden“, so Gastel, der ein höheres Erneuerungstempo fordert. „Die Devise muss, wie bei den Korridorsanierungen auf den Hauptstrecken, lauten: Einmal sperren und währenddessen alles in Ordnung bringen.“
Nächster Schritt im Brenzbahn-Ausbau
Diese aktuell schlechten Noten auf der Brenzbahn sind unabhängig von dem angestrebten Ausbau und der Elektrifizierung der Strecke zu sehen. Denn bis hier gebaut wird, werden noch Jahre vergehen. Im Oktober soll der Planungs- und Finanzierungsvertrag mit der DB Infrago AG abgeschlossen werden. Dann können die Planer nach jahrelangem Tauziehen endlich loslegen. Wann die Brenzbahn dann endlich ausgebaut sein wird, dazu gibt es nur vage Angaben. Zuletzt war im Heidenheimer Kreistag von Ende der 2030er-Jahre die Rede.
Nach aktueller Kostenschätzung belaufen sich die Gesamtprojektkosten auf rund 594 Millionen Euro. Der Bund trägt 75 Prozent der Kosten für den Ausbau, 90 Prozent der Kosten für die Elektrifizierung. Das Land Baden-Württemberg übernimmt die verbleibenden Kosten der Elektrifizierung vollständig. Auch die Brenzbahn-Anrainer müssen mitfinanzieren, vor allem bei den Planungskosten. Größter Zahler auf der kommunalen Seite ist der Landkreis Heidenheim, der zunächst 16,53 Millionen Euro schultert, aber darauf hoffen kann, dass der Bund gut 9 Millionen Euro rückerstattet – eine komplizierte Rechnung nach vielen Verhandlungsrunden über Jahre hinweg.