Radeln und malen

Radreisende Künstlerin Lea Weber macht Halt in Heidenheim und hält Schloss Hellenstein in einem Aquarell fest

Vom südlichsten bis zum nördlichsten Punkt Deutschlands ist die Künstlerin Lea Weber derzeit mit ihrem Rad unterwegs. Wann immer sie dabei etwas sieht, das ihr gefällt, packt sie Pinsel und Farben aus – zum Beispiel beim Anblick von Schloss Hellenstein.

Auf ihrer Radreise durch Deutschland macht die Künstlerin Lea Weber Halt in Heidenheim. Eigentlich ist nur eine kurze Pause geplant, doch der Anblick von Schloss Hellenstein, wie es hinter den Häuserdächern auftaucht, lässt sie innehalten. Statt weiterzufahren, packt sie Pinsel und Farben aus und hält die imposante Festungsanlage in einem Kunstwerk fest.

Während viele Menschen im Sommer ins Ausland reisen, hat sich die freiberufliche Künstlerin und Autorin Lea Weber ein anderes Ziel gesetzt: Die 29-Jährige, die aus dem Ruhrgebiet stammt, fährt allein mit dem Fahrrad vom südlichsten Punkt Deutschlands im bayrischen Oberstdorf bis zum nördlichsten Punkt des Landes in List auf Sylt. Rund 1700 Kilometer liegen vor ihr, ihre bisher längste Radreise und ein persönliches Abenteuer.

Beim Anblick von Schloss Hellenstein griff Lea Weber direkt zu Pinsel und Farben.
Beim Anblick von Schloss Hellenstein griff Lea Weber direkt zu Pinsel und Farben. Foto: Lea Weber

Mit Zelt, Fahrradtaschen, Farben und Zeichenblock ist Weber rund 30 Tage unterwegs. Übernachtet wird auf Trekking- und Campingplätzen. Doch im Mittelpunkt der Reise steht nicht die sportliche Leistung, sondern das bewusste Unterwegssein.

„Oft vergessen wir, wie wunderschön es direkt vor unserer Haustür ist“, sagt Weber. Genau deshalb nimmt sie sich unterwegs bewusst Zeit für die Orte, durch die sie kommt. Statt möglichst viele Kilometer am Tag zurückzulegen, hält sie immer wieder an, wenn ein Motiv ihre Aufmerksamkeit weckt – so wie das Schloss Hellenstein.

Deutschland achtsam entdecken

„Ich kann mich einfach nicht sattsehen an den schönen Altstädten und weiten Landschaften, durch die ich komme“, erzählt sie. „Es war so schön, durch die Innenstadt zu fahren und die Pauluskirche zu bestaunen.“ Dass sie durch die vielen Malpausen langsamer vorankommt, nimmt sie bewusst in Kauf. Für Weber ist die Reise ein Gegenentwurf zur Hektik des Alltags. Sie möchte sich Zeit nehmen, auf ihren Körper hören und Deutschland achtsam entdecken – Kilometer für Kilometer und Bild für Bild.

Diese Haltung prägt auch ihre künstlerische Arbeit. Im vergangenen Jahr gründete sie den „Slow Year Print Club“, ein Kunst-Abo, bei dem Mitglieder jeden Monat einen saisonalen Kunstdruck eines ihrer Gemälde sowie einen persönlichen Brief per Post erhalten. Mittlerweile verschickt Weber ihre Kunst monatlich an über 80 Mitglieder. Der „Print Club“ soll dazu einladen, die Jahreszeiten bewusster wahrzunehmen und der Schnelllebigkeit des Alltags etwas Langsames und Bleibendes entgegenzusetzen – eine Idee, die sich auch in ihrer Radreise widerspiegelt.

Auch als Poetry-Slammerin aktiv

Geboren in Hessen und heute im Ruhrgebiet zu Hause, studierte Lea Weber Germanistik und Kunstpädagogik in Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie zudem als Poetry-Slammerin erfolgreich, absolvierte bereits mehr als 500 Auftritte im In- und Ausland und gibt ihr Wissen zum kreativen Schreiben in Workshops an sprachbegeisterte Menschen weiter.

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