Im Mittelalter gab es noch keine Logopäden. Anders ist es nicht zu erklären, dass so viele Sänger von Mittelalterbands knurren und krächzen, als hätten sie gerade einen gar schrecklichen Rachenkatarrh überwunden. Aber Spaß beiseite, das gehört einfach zum Stil dazu.
Arachon, Sänger der Band „Trollfaust“, klang also nicht nur wie ein Kettenraucher, er hatte beim zweiten Mittelaltermarkt auf dem Heidenheimer Schlossberg auch ein ziemlich loses Mundwerk, was beim Publikum gut ankam. Wie viele Künstler am Wochenende, trat „Trollfaust“ gleich mehrmals auf. An Zuhörenden mangelte es auch bei den Aufführungen am Nachmittag nicht.

Die Menschen strömten bei spätsommerlichem Wetter am Wochenende förmlich ins vielfältige Marktgeschehen. Dutzende Buden mit Speisen und Getränken säumten die Wege, zahlreiche Kunsthandwerker und Händler boten ihre Waren an. Im Zwetschgengärtle des Schlosshofs war ein mittelalterliches Lager eingerichtet, fellbezogene Betten inklusive.
Ritterturniere zwischen Schloss und Hotel
Auf der leicht abschüssigen Wiese zwischen Schloss und Schlosshotel fanden an allen drei Tagen immer wieder Ritterturniere statt, dicht gesäumt von Zuschauenden. Wobei: Als reiner Betrachter konnte man bisweilen kaum zwischen Ritter-Dienstleistern und passionierten Amateurrittern unterscheiden: Viele Besucherinnen und Besucher kamen in mittelalterlich anmutenden Gewändern zum Markt, sodass man sich zeitweise zwischen schwerttragenden Männern und bunt gewandeten Burgfräulein wiederfand. In der Kulisse von Schloss Hellenstein wirkte das alles durchaus schlüssig und authentisch, auch wenn es im Tattoo-Zelt am Kindlesbrunnen zum Glück zeitgemäße hygienische Bedingungen gab.

Samstags kommen immer die Gewandeten, die fahren bis zu 200 Kilometer zu unseren Märkten.
Roland Turba, Veranstalter
Hatte der erste von Roland Turba aus Feuchtwangen veranstaltete Markt im vergangenen Jahr noch etwas unter herbstlicher Witterung gelitten, strahlte die Sonne diesmal verlässlich über dem Schlossberg. Entsprechend zufrieden äußerte sich Turba am Sonntagnachmittag: Am Freitag sei der Zustrom noch etwas verhalten gewesen, der Samstag sei dann aber der erwartete starke Besuchertag gewesen. Die genau ermittelte Besucherzahl stand am Sonntag noch aus, Turba ging in einer ersten Schätzung aber von gut 3000 Besuchern aus, die vor allem am Samstag aus weitem Umkreis kamen: „Samstags kommen immer die Gewandeten, die fahren bis zu 200 Kilometer zu unseren Märkten“, so Turba.

Mit dem Besuch, aber auch mit dem Wetter zeigte sich Turba durchaus zufrieden, und er geht fest davon aus, auch im kommenden Jahr wieder auf Schloss Hellenstein das Mittelalter aufleben lassen zu können.
