Erinnerungsstele verdeckt

Beim FCH steht das Bier vor dem Gedenken an die NS-Vergangenheit des heutigen Stadiongeländes

Ein Bierwagen verdeckt an der Voith-Arena die neue Erinnerungsstele, die über die NS-Vergangenheit des heutigen Stadiongeländes aufklären soll. Ein Versehen oder schlicht ein Schuss fehlende Sensibilität im turbulenten Zweitliga-Alltag?

Keine Woche ist es her, dass auf dem Heidenheimer Schlossberg große Worte fielen. Mit viel Prominenz, Fans und feierlichen Reden enthüllte der 1. FC Heidenheim am Haupteingang der Voith-Arena eine 5,50 Meter hohe Erinnerungsstele mit Hinweisen auf die NS-Vergangenheit des Stadiongeländes und die Zeit danach. Ein deutliches Zeichen gegen das Vergessen, ein Bekenntnis zur Verantwortung und Demokratie.

Wer nun allerdings vom Hauptparkplatz auf den Eingang zusteuert, sucht das neue Mahnmal erst einmal vergeblich. Der Grund ist denkbar profan: Direkt vor der Stele steht ein Getränkeausschankwagen. Er verdeckt das Kunstwerk fast vollständig; lediglich die Spitze ragt noch über das Dach des Bierwagens hinaus. Wer sich dem Stadion vom Parkplatz am Business-Club her nähert, sieht das Denkmal zwar, aber auch nur mit anderthalb Metern Abstand zum Tresen.

Ein Schelm, wer Absicht dahinter vermutet. Eher wirkt es wie eine Mischung aus fehlender Abstimmung und hemdsärmeliger Pragmatik im Stadionalltag. Der Bierwagen war vor der Gedenkfeier entfernt worden, an dieser Stelle stand der Schattenpavillon für die Ehrengäste. Kaum war die Feier vorbei, stand der Wagen wieder dort.

So reagiert Projektleiter Rainer Jooß

Künstler und Projektleiter Rainer Jooß zeigt sich überrascht. Als er den Standort vor gut einem Jahr mit Bedacht auswählte, stand dort kein Verkaufswagen. Die Höhe von 5,50 Metern und die Position habe er exakt auf die Proportionen der Voith-Arena und der Flutlichtmasten abgestimmt. „Die können auf ihrem Platz machen, was sie wollen“, sagt Jooß. „Aber wenn es meine Belange als Projektleiter betrifft, würde ich schon erwarten, dass ich gefragt werde.“ Ein riesiges Fass möchte er deswegen aber nicht aufmachen. Er vertraut darauf, dass noch nicht das letzte Wort gesprochen ist – und nimmt die Situation sogar mit Humor: Wer in der Schlange fürs Bier anstehe, habe schließlich Zeit, sich mit der Geschichte des Ortes auseinanderzusetzen.

FCH prüft den Standort

Beim FCH zeigt man sich auf Nachfrage bemüht, die Wogen rasch zu glätten. Wer die Aufstellung konkret angewiesen hat, und ob die Projektgruppe eingebunden war, lässt der Verein zwar unbeantwortet. Sprecher Markus Gamm teilt jedoch mit, dass der Wagen vom Partner Getränke Bosch betrieben und derzeit geprüft werde, welcher Standort sich unter Berücksichtigung der Stele am besten eigne. Schon beim Heimspiel gegen Dynamo Dresden soll der Bierwagen umparken – in die Nähe der Kastanienbäume vor dem Albstüble.

Damit dürfte die Sicht auf das Mahnmal wieder frei werden. Denn dass der Platz vor der Stele an Spieltagen stark frequentiert sein soll, war von den Machern durchaus gewollt – nur eben durch interessierte Stadionbesucher und nicht durch eine Zapfanlage.