Wer über die CMT, also die Messe für Caravan, Motor und Touristik, schlendert, bleibt früher oder später an Ständen hängen, an denen Zukunft entsteht. Für Giengen liegt diese Zukunft unter anderem in einem Projekt, das schon jetzt für Gesprächsstoff sorgt: dem Barfüßer. Noch ist das Gebäude in der Innenstadt eine Baustelle, doch in den Plänen der Stadt braut sich längst etwas zusammen – im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn die Hausbrauerei mit Hotel im Spätsommer 2026 eröffnet, soll sie Gäste anziehen wie ein frisch gezapftes Bier an einem Sommerabend die Durstigen. Und sie ist nur eines von mehreren Vorhaben, mit denen Giengen auf der CMT zeigt, wie ernst es die Stadt mit ihrem Tourismusprofil meint.
Barfüßer als Magnet
Mit der Eröffnung des Barfüßer im Spätsommer 2026 erwartet die Stadt einen deutlichen Tourismusmagneten. Das Konzept aus hausgebrautem Bier, leckerem Essen und der gemütlichen Atmosphäre im Gastraum und Außenbereich ziehe in anderen Städten längst große Besuchermengen an, so Giengens Oberbürgermeister Dieter Henle. Der Standort in der Innenstadt – direkt am Erlebnispfad vom Steiff-Museum zum Abenteuerspielplatz – passe bestens ins Tourismusangebot, so Henle. Zum Brauhaus kommt ein Hotel mit 42 neuen Zimmern; im nahegelegenen Stadthotel entstehen im Sommer weitere 21 Zimmer. Beides soll helfen, die Nachfrage besser abzufangen.

Beliebt bleibt aber auch der Wohnmobilstellplatz am Brenzufer in der Kernstadt. Zwar sind genaue Daten schwerer zu erfassen, doch Henle geht von rund 8000 Übernachtungen im vergangenen Jahr aus. Damit der Platz attraktiv bleibt, investiert die Stadt in diesem Jahr nun 20.000 Euro in die Erneuerung von Einfahrt und Wendebereich. Gut angenommen werde laut Henle auch die Kneipp-Anlage an der Brenz, gerade an warmen Tagen.
Neue Perspektiven an der Brenz
Große Veränderungen kündigen sich auch entlang der Brenz an. Das Sanierungsgebiet „Burgwiesen“ biete aus touristischer Sicht erhebliches Potenzial. Ein über 10.000 Quadratmeter großes Grundstück, das von der Firma Steiff erworben wurde, ermögliche es, langfristig das nördliche Ufer der Brenz wieder öffentlich zugänglich zu machen. Auch der Uferweg zwischen Spital- und Bleichebrücke soll erneuert werden. Langfristig verfolgt die Stadt die Vision, vom Bahnhof bis zum Postberg eine Fußgängerzone zu schaffen.

Das ist in Giengen rund um den Barfüßer-Bau geplant
"Auch die anderen Angebote in und um Giengen entwickeln sich erfreulich", teilt Henle mit. Die öffentlichen Themen-Stadtführungen seien gut gebucht. Das Jakobswegle sei nach wie vor ein Höhepunkt und der "Wolfgangweg" ziehe Pilgerinnen und Pilger nach Giengen. Die Arbeiten in der Alten Mühle kommen voran. Neben dem historischen Mühlenstadel soll dort künftig eine Übernachtungsstätte für Pilger entstehen.
Trotz dieser unterschiedlichen Angebote ist und bleibt das Steiff-Museum die stärkste Attraktion der Stadt. Mit ungefähr 200.000 Besucherinnen und Besuchern ist das Plüschtier-Museum ein überregionaler Anziehungspunkt. "Jeder hat noch ein Steiff-Tier daheim", so Henle. Deshalb sei das Museum ein Paradies für alle, die Steiff kennen oder Tiere sammeln.
80.000 Euro für die Höhle
Auch die Höhlenerlebniswelt entwickelt sich positiv. Im vergangenen Jahr wurden knapp 52.800 Gäste gezählt – etwas mehr als im Vorjahr. Der neue Wasserspielplatz sei an schönen Tagen ein „Hit“, so das Stadtoberhaupt. Ulrike Brender-Nothnick, Vorsitzende des Höhlen- und Heimatvereins, betont jedoch, dass es längst nicht nur um die Charlottenhöhle selbst gehe, sondern um das Gesamte mit Schauland, Gastrobereich und Außenflächen. Neu sind veränderte Einlasszeiten in die Höhle: Besucherinnen und Besucher melden sich zunächst unten an und erfahren dort, wann die nächste Führung startet.
Auf dem Zeltplatz wurden 1100 Übernachtungen gezählt. Schulklassen seien allerdings seltener geworden, da die Buspreise stark gestiegen seien. Weil der Weg zur Höhle bei Nässe gefährlich ist, investiert die Stadt 2026 insgesamt 80.000 Euro – hauptsächlich in einen neuen, sicheren Aufgang.
Wie viele Gäste hatte Giengen?
Im Blick auf die klassischen Übernachtungszahlen fehlen der Stadt die Werte des Statistischen Landesamts. Man geht jedoch erneut von rund 43.000 Übernachtungen in Hotels aus – Ferienwohnungen und private Angebote nicht eingerechnet. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei etwa 1,5 Tagen.


