Veruntreuung in Gerstetten: Verzögerungen und strukturelle Probleme
Der spektakuläre Betrugsfall im Gerstetter Rathaus lässt einen fassungslos zurück. Über Jahrzehnte hinweg veruntreute ein einzelner Mitarbeiter rund 2,6 Millionen Euro an Steuergeldern. Dass dieses System erst aufflog, weil das Rechnungswesen gezwungenermaßen von der Kameralistik auf die Doppik (doppelte Buchführung in Konten) umgestellt werden musste, wirft ein Schlaglicht auf ein massives Versäumnis.
Millionen-Veruntreuung in Gerstetten: Der Fall geht in die nächste Runde
Lange war es ruhig um den Fall der Veruntreuung im Gerstetter Rathaus. Nun gibt es neue Entwicklungen:Warum wurde diese Umstellung so lange hinausgezögert? Laut Finanzministerium war die Doppik in Baden-Württemberg ab 2010 freiwillig und ab 2020 gesetzlich verpflichtend. Die finale Eröffnungsbilanz im Rahmen der Doppik-Umstellung lag in Gerstetten erst 2025 vor. Erst da fiel der Betrug auf.
Wo blieb die Kontrollfunktion des Gemeinderates? Der Täter nutzte über 25 bis 30 Jahre hinweg Scheinbuchungen. In der Doppik wäre diese Bilanzfälschung durch die lückenlose Erfassung von Vermögen und Schulden sofort sichtbar geworden. Hätte man die Doppik rechtzeitig genutzt, wären Millionen an Steuergeldern gerettet worden.
Aufgrund der Verzögerungen und strukturellen Probleme müssen die Bürger jetzt endlich offen informiert werden.
Johannes Metzger, Dettingen