80 Jahre Pfisterer in Gussenstadt: Vom kleinen Werk zum internationalen Metallkompetenzzentrum
Modernste Maschinen, hochpräzise Metallverarbeitung und Produkte, die weltweit für eine zuverlässige Stromversorgung sorgen: Wer heute das Pfisterer-Werk in Gussenstadt besucht, erlebt einen modernen Industriebetrieb mit internationaler Bedeutung. Dabei nahm die Erfolgsgeschichte vor genau 80 Jahren unter völlig anderen Voraussetzungen ihren Anfang.
Nachdem die ursprüngliche Produktionsstätte des Unternehmens in Stuttgart-Untertürkheim im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, wagte Pfisterer 1946 in Gussenstadt einen Neuanfang. In einem leerstehenden Gebäudekomplex nahmen gerade einmal acht Mitarbeiter die Produktion auf.
Aus diesen bescheidenen Anfängen entwickelte sich über die Jahrzehnte ein bedeutender Industriestandort, der heute mehr als 290 Menschen beschäftigt. Für Standortleiter Hermann Schuller ist das Jubiläum deshalb weit mehr als ein runder Geburtstag. Pfisterer sei für viele Familien in Gussenstadt seit Generationen „der sichere Arbeitgeber vor der Haustür“.

Eine Erfolgsgeschichte über Generationen
Schuller selbst steht beispielhaft für diese Verbundenheit. Vor 33 Jahren begann er seine Ausbildung bei Pfisterer, durchlief verschiedene Stationen in der Produktion, bildete sich weiter und übernahm zunehmend Führungsverantwortung. Seit 2018 leitet er den Standort Gussenstadt.
„Wir haben eine tolle Mannschaft bei Pfisterer“, sagt Schuller. Viele Beschäftigte seien über Jahrzehnte gemeinsam ihren Weg gegangen und hätten die Entwicklung des Unternehmens mitgestaltet. Dass Mitarbeiter 30 oder 40 Jahre im Betrieb bleiben, ist hier keine Seltenheit. Manche haben bei Pfisterer ihre Ausbildung absolviert und geben ihr Wissen heute selbst als Ausbilder oder Führungskräfte weiter.
Metallkompetenz aus Gussenstadt für die ganze Welt
Was das Werk besonders macht, ist seine zentrale Rolle innerhalb der internationalen Pfisterer-Gruppe. Das Unternehmen entwickelt und produziert Verbindungstechnik für die elektrische Energieversorgung – von der Stromerzeugung bis zum Endverbraucher.
In Gussenstadt liegt der Schwerpunkt auf Komponenten für den Mittel- und Niederspannungsbereich. Dazu gehören metallische Kontaktteile, die beispielsweise zum Verbinden von Stromleitungen in unterirdischen Versorgungsnetzen eingesetzt werden.
Über die Jahrzehnte hat sich das Werk dabei zum Kompetenzzentrum für Metallverarbeitung innerhalb der Pfisterer-Gruppe entwickelt. Die Spezialität liegt insbesondere in der hochpräzisen Bearbeitung von Metallen mithilfe moderner Dreh- und Frästechnologien.
„Wir sind das Kompetenzzentrum in der Metallverarbeitung in der Pfisterer-Gruppe“, erklärt Schuller.
Das Besondere: In Gussenstadt werden die eigenen Produkte nicht nur hergestellt, sondern auch entwickelt und durch das Produktmanagement betreut. Darüber hinaus produziert das Werk Metallteile für andere Gesellschaften der Gruppe, darunter Winterbach und Kadaň in Tschechien. Die Produkte werden von Gussenstadt aus in zahlreiche Länder weltweit vertrieben.
So trägt ein Werk am Rande der Schwäbischen Alb dazu bei, dass Stromnetze weit über die Region hinaus zuverlässig funktionieren.

Enormes Wachstum und große Pläne
Besonders dynamisch hat sich der Standort in den vergangenen fünf Jahren entwickelt. Damals arbeiteten rund 185 Menschen bei Pfisterer in Gussenstadt, heute sind es mehr als 290. Gleichzeitig wurde der Maschinenpark auf etwa das Zweieinhalbfache erweitert. Auch der Produktionsausstoß ist nach Angaben Schullers nahezu auf das Zweieinhalbfache gestiegen.
Grund dafür ist die weltweit steigende Nachfrage nach leistungsfähiger Strominfrastruktur. Der Ausbau erneuerbarer Energien, die Elektrifizierung von Fahrzeugen und Industrieanlagen sowie die Modernisierung der Stromnetze eröffnen dem Unternehmen neue Perspektiven.
„Wir wachsen als Pfisterer in unserem Markt und auch Gussenstadt wächst entsprechend mit“, betont Schuller.
Das Unternehmen will durch moderne Fertigungstechnologien und intelligente Automatisierung seine internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken. Dabei steht vor allem der Kundennutzen im Mittelpunkt: Pfisterer möchte auch künftig hochwertige, zuverlässige und auf unterschiedliche Anforderungen zugeschnittene Lösungen anbieten – und diese flexibel und wirtschaftlich produzieren.
Langfristig verfolgt Schuller das Ziel, die Position von Pfisterer unter den weltweit führenden fünf Anbietern im Bereich der elektrischen Kontakttechnik zu behaupten. Gussenstadt soll dabei als Metallkompetenzzentrum eine entscheidende Rolle spielen.
Moderne Technik trifft auf menschliches Know-how
Dass Pfisterer auf die Zukunft setzt, zeigt sich auch in der Produktion. Hochmoderne CNC-Maschinen, automatisierte Fertigungsprozesse und Roboter gehören längst zum Arbeitsalltag. Dabei setzt das Unternehmen bewusst auf das Zusammenspiel von Mensch und Maschine.
Im Montagebereich kommen beispielsweise kollaborierende Roboter zum Einsatz, die Beschäftigte direkt an ihren Arbeitsplätzen unterstützen. So sollen Produktionsabläufe effizienter und gleichzeitig flexibel bleiben. Ein eigener Fachbereich für Automatisierung und Effizienzsteigerung soll diese Entwicklung künftig weiter vorantreiben.
Eine wichtige Rolle spielt auch die Ausbildung. Vor rund zwei Jahren wurde die Ausbildungswerkstatt grundlegend modernisiert. Heute stehen den Nachwuchskräften moderne CNC-Maschinen, 3D-Drucker und Robotertechnik zur Verfügung. In einer Innovationswerkstatt können sie neue Technologien kennenlernen und selbst ausprobieren.

Derzeit bildet Pfisterer in Gussenstadt 13 junge Menschen aus. Die Ausbildungskapazitäten sollen perspektivisch erweitert werden. Denn gerade an einem ländlich gelegenen Standort sei es wichtig, die Fachkräfte von morgen selbst auszubilden, erklärt Schuller.
Nachhaltigkeit als Teil der Zukunft
Neben Wachstum und Digitalisierung beschäftigt sich Pfisterer intensiv mit einer nachhaltigeren Produktion.
Bereits umgesetzt wurden unter anderem eine große Photovoltaikanlage auf dem Produktionshallendach und die Umstellung innerbetrieblicher Transportfahrzeuge auf Elektroantriebe. Auch die Ladeinfrastruktur für Elektroautos wird ausgebaut. Beschäftigte können ihre Fahrzeuge dort kostenlos laden.
Ein bedeutender Schritt ist die Beteiligung an einem Hackschnitzelheizkraftwerk der örtlichen Energiegenossenschaft. Dafür stellte Pfisterer einen Teil seines Betriebsgeländes zur Verfügung. Im Zuge der Umstellung auf die neue Wärmeversorgung wurde die Heizungsinfrastruktur umfassend modernisiert.
Auch in der Produktion setzt das Unternehmen auf Ressourcenschonung. So wurde der bisherige mineralölbasierte Kühlschmierstoff durch eine synthetische Alternative ersetzt, die nach Unternehmensangaben nicht mehr als Gefahrstoff gilt. Metallspäne aus Aluminium und Messing werden aufbereitet und an die Materiallieferanten zurückgegeben, damit sie wieder eingeschmolzen werden können. Gleichzeitig werden Flüssigkeiten aus dem Bearbeitungsprozess zurückgewonnen und erneut eingesetzt.
Damit verbindet Pfisterer moderne Fertigungstechnologie mit dem Anspruch, Energie und Rohstoffe möglichst effizient einzusetzen.
Mit Zuversicht in die nächsten Jahrzehnte
80 Jahre nach dem Start mit acht Beschäftigten steht Pfisterer in Gussenstadt vor dem nächsten Entwicklungsschritt. Weitere Arbeitsplätze, zusätzliche Produktionsflächen und Investitionen in moderne Technologien sollen die Position des Standorts innerhalb der internationalen Unternehmensgruppe weiter stärken.
Für Schuller steht dabei nicht nur der wirtschaftliche Erfolg im Mittelpunkt. Sein Wunsch ist, dass Pfisterer auch in Zukunft ein zuverlässiger und attraktiver Arbeitgeber für die Menschen in Gussenstadt und der Region bleibt.
Denn hinter der Entwicklung vom kleinen Produktionsbetrieb zum internationalen Metallkompetenzzentrum stehen nicht nur Maschinen, Investitionen und technische Innovationen. Es stehen Menschen dahinter, die das Unternehmen über Jahrzehnte geprägt haben – und eine neue Generation, die diese Geschichte fortschreiben soll.
