Medienkompetenz

Wie Kinder im Netz gefährdet werden

Sexualisierte Bilder in den sozialen Medien machen auch vor Klassenchats nicht halt. Experten berichten, wie früh Jugendliche damit konfrontiert werden. Die Politik hält nun dagegen.

Kinder sollen vor Gefahren in sozialen Netzwerken besser geschützt werden, denn Pornografie, Gewaltvideos und manipulierte Bilder machen selbst vor Klassenchats nicht halt. Nach Plänen der EU-Kommission sollen soziale Netzwerke, bestimmte Spieleplattformen sowie Anbieter von Künstlicher Intelligenz (KI) für Kinder und Jugendliche künftig nachweisen müssen, dass sie sicher sind.

Wie früh sexualisierte Grenzverletzungen beginnen

In Workshops mit sechsten Klassen beobachte sie regelmäßig, wie früh das Thema Jugendliche erreiche, sagte Saskia Nakari vom Landesmedienzentrum (LMZ) in Stuttgart. «Von zehn jungen Mädchen sind sechs von ungefragt zugesandten sogenannten Dickpics, das heißt erigierten Penisbildern, betroffen», sagte sie. Solche Erfahrungen zeigten, wie normalisiert sexualisierte Grenzverletzungen in digitalen Räumen für viele schon geworden seien.

Besonders heikel sind sexualisierte Inhalte, die ohne Einverständnis der Betroffenen weitergeleitet, verfremdet oder mit Künstlicher Intelligenz neu erzeugt werden. Experten berichten, dass Kinder und Jugendliche oft nicht einschätzen können, welche Folgen ihr Handeln habe - und dass auch das Teilen sexualisierter Gewalt strafbar sei könne. Die Opfer leiden mitunter jahrelang unter den Mobbingfolgen.

Warum Jugendliche Inhalte weiterleiten

Warum Jugendliche derartige Inhalte teilen, hat nach Einschätzung von Medienpädagogin Petra Grimm von der Hochschule der Medien in Stuttgart oft weniger mit technischer Neugier als mit Gruppendynamik zu tun. Wer etwas weiterleite, bestätige Freundschaften und sichere sich Anerkennung.