TSG-Star auf Formsuche: Kramaric muss sich empfehlen
Wenn die TSG Hoffenheim ihren nächsten Flutlicht-Abend in der Europa League anknipst, dann könnte ihr Rekord-Torjäger nur im Schatten der überdachten Ersatzbank sitzen. Andrej Kramaric, dessen Vertragsverlängerung im Mai noch groß gefeiert wurde bei den Kraichgauern, kämpft um seine Form - und seinen Platz in der Stammelf. Die Lage des 35-Jährigen vor der Partie gegen Olympique Lyon am Donnerstag (21.00 Uhr/Sky und RTL+) ist kompliziert.
Zuletzt wurde Kramaric beim 2:3 gegen den HSV erst in der 63. Minute eingewechselt. Gegen Besiktas Istanbul (2:3) in der Vorwoche stand der Kroate erstmals in dieser Saison in der Anfangsformation - und ging mit unter. Seine auffälligsten Szenen waren, als er zweimal seinen Mitspieler Adam Daghim anpflaumte, der nach dem Geschmack des Kroaten bei Ballbesitz zu früh auf dem Flügel losgesprintet war.
Ilzer: «Spielzeit mit Leistungen erarbeiten»
«Andrej war 70 Minuten auf dem Platz, das hat ihm sicher gutgetan, und wird ihm helfen, seiner Form ein Stück näherzukommen», sagte Trainer Christian Ilzer danach. Inmitten der Krise der Kraichgauer, die mit dem 2:1-Sieg in Mönchengladbach am Sonntag erst mal etwas entschärft wurde, kann er aber nicht groß Rücksicht nehmen auf seinen international erfahrensten Profi. Da saß Kramaric bis kurz vor Schluss wieder auf der Bank. Natürlich betonte der österreichische Coach dieser Tage auch: «Wichtig ist: Andrej ist ein Spieler, der mit seiner ganzen Erfahrung, mit seiner Klasse einfach Spiele entscheiden kann.»
Leisten-OP nach der WM
Dass ihm dies - nach 14 Bundesliga-Toren in der vergangenen Saison und insgesamt 140 in über zehn Jahren - in dieser Spielzeit noch nicht gelungen ist, liegt vor allem daran: Wegen seiner Leisten-Operation nach der WM hat Kramaric fast die gesamte Vorbereitung verpasst.
Der 119-fache kroatische Nationalspieler ist aber nur einer von mehreren Leistungsträgern bei der TSG, die noch nicht richtig in Schwung gekommen sind wegen Blessuren oder Trainingsrückstand. «Den Spielern fehlen dann einfach eine Step-für Step-Vorbereitung, eine Heranführung mit Testspielen, die volle Wettkampfbelastung, der Aufbau der Form», erklärte Ilzer, der darauf aber nicht ständig Rücksicht nehmen kann. «Du kannst als Trainer keine Spielzeit verschenken, du musst da einfach über Leistungen deine Spielzeiten verdienen. Das macht die Situation oft zu einer schwierigen, die man dann mit dem Spieler gut kommunizieren muss.»
«Zu einer Clublegende geworden»
Also keine Sonderrechte für Kramaric. Dabei kommt in Hoffenheim - bis auf Torwart und Kapitän Oliver Baumann - keiner an sein Renommee heran. «Dass sich ein Spieler so sehr mit einem Verein identifiziert wie Andrej mit der TSG, ist im heutigen Fußballgeschäft eine Ausnahme. Er ist zu einer Club-Legende geworden», hatte Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker bei der Vertragsverlängerung seines Stars betont.
Bisher hat sich Kramaric nicht öffentlich beschwert. Der WM-Zweite von 2018 und WM-Dritte von 2022 hält sich seit Wochen mit Aussagen zurück. Klug und erfahren genug, nach dem schwachen Saisonstart nicht noch unnötig Unruhe in den Club zu bringen.
Herausforderung gegen Frankreichs Tabellenführer Lyon
Dabei hatte Kramaric - wenn er denn vor Mikrofonen und Kameras sprach - selten klare Worte gescheut. Unvergessen seine Wutrede nach dem 0:5 beim FC Bayern im Januar 2025, als er wetterte: «Ich fühle eine große Scheiße im Club.» Und: «Wir haben so viel Geld für nichts investiert.»
Vergleichbar mit damals ist die Situation bei der TSG nicht: Der Kader gilt als gut aufgestellt nach dem fünften Platz in der abgelaufenen Runde. Aber weitere Rückschläge gegen Lyon, dem Tabellenführer von Frankreichs Ligue 1, sowie am Sonntag (15.30 Uhr/DAZN) gegen Bayer Leverkusen könnten die Lage für Ilzer und seine Mannschaft gleich wieder ungemütlich machen.
