Stellenabbau in Neckarsulm? Audi zieht Schlechtwetterklausel
Der Autobauer Audi hat die sogenannte Schlechtwetterklausel aus der Zukunftsvereinbarung des Unternehmens aktiviert, die die Arbeitnehmerseite zu Verhandlungen über Stellenabbau und Arbeitsbedingungen verpflichtet. Er habe die Sozialpartner zu Gesprächen über die künftige Aufstellung des Unternehmens aufgefordert, sagte Audichef Gernot Döllner auf der Audi-Betriebsversammlung im Werk in Neckarsulm, das akut von einer Schließung bedroht ist.
Die Schlechtwetterklausel bei Audi ist eine 2019 im Zukunftspakt des Unternehmens vereinbarte Regelung, die festlegt, dass Geschäftsführung und Betriebsrat in Verhandlungen über Sparmaßnahmen treten müssen, wenn sich wesentliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen deutlich verschlechtern. Das sei nun der Fall, so Döllner.
Beim letzten Mal sprach Betriebsrat von «Liste des Grauens»
Der Chef des Audi-Betriebsrats in Neckarsulm, Alexander Reinhart, betonte, die Klausel könne gezogen werden, wenn die entsprechenden Voraussetzungen gegeben sind. «Diese Überprüfung läuft aktuell», so Reinhart. Wenn alle Hausaufgaben gemacht seien, sei auch der Betriebsrat bereit, in Gespräche einzusteigen.
Ende 2019 hatte Audi schon einmal die Schlechtwetterklausel gezogen und in Gesprächen unter anderem gefordert, das Tarif-Entgelt abzusenken, tarifliche Zulagen zu streichen, die Ergebnisbeteiligung zu beschneiden und hybrides Arbeiten zu begrenzen. Der Betriebsrat sprach damals von einer «Liste des Grauens».
Werk hat noch ein Jahr Zeit
Die Betriebsversammlung im Audi-Werk in Neckarsulm war mit Spannung und großen Zukunftsängsten erwarten worden. Der Mutterkonzern VW hatte Anfang September 2026 einen Sparplan beschlossen, der dem Standort Neckarsulm noch ein Jahr Zeit gibt, ein tragfähiges Konzept vorzulegen, um die Kosten zu senken. Sonst droht dem Werk die Stilllegung.
Sollte Audi das Werk dichtmachen, rechnen Wirtschaftsexperten mit dem Verlust von etwa 50.000 Arbeitsplätzen in der Region. Neben den mehr als 15.000 Beschäftigten im Werk hängen etwa 1.000 Zulieferunternehmen an der Produktion im Werk. Insgesamt könnte gar ein Viertel der industriellen Wertschöpfung in der Region wegbrechen.
Auch VW-Chef Oliver Blume bei Versammlung dabei
Auch VW-Chef Oliver Blume nahm an der Betriebsversammlung teil. Man habe den Konzern über viele Jahre für größere Märkte und höhere Absätze aufgebaut, sagte Blume. Heute seien viele Strukturen zu groß und die Kosten zu hoch, weswegen viele Stellen gestrichen werden müssten. Gleichzeitig nehme der Volkswagen Konzern Milliarden in die Hand, um den bereits Personalabbau möglichst sozialverträglich zu gestalten.
Audi-Gesamtbetriebsrat Jens Stammler übte scharfe Kritik an den Schließungsplänen für den Standort Neckarsulm: «Wer unsere Perspektive anzweifelt, stellt damit einen Standort in Frage, der die Audi AG mit aufgebaut hat», sagte Stammler.
Die Menschen in Neckarsulm hätten über viele Jahre hinweg mit Engagement, Flexibilität und Loyalität für das Unternehmen gearbeitet. «Und deshalb erwarten die Beschäftigten heute mehr als nur Dankesworte. Sie erwarten Respekt. Sie erwarten Verlässlichkeit. Und sie erwarten ein klares Bekenntnis zur Zukunft unseres Standorts Neckarsulm», so Stammler.
