Niedergang des Ex-Kapitäns: Karazor taucht unfreiwillig ab
Was Atakan Karazor in diesem Moment dachte, ist nicht überliefert. Die vergangenen Monate mögen dem Ex-Kapitän des VfB Stuttgart ohnehin wie ein schlechter Traum vorkommen. Bei der Auswärtsniederlage gegen die TSG 1899 Hoffenheim (1:2) kam nach einer Reihe von Rückschlägen für den Routinier am vergangenen Wochenende der nächste hinzu.
Nun hat auch noch ein unerfahrener 19-Jähriger die Nase vorn. In der 35. Minute wurde Stuttgarts Taktgeber Angelo Stiller verletzungsbedingt ausgewechselt - und Mittelfeld-Kollege Karazor übergangen. Trainer Sebastian Hoeneß setzte in dem Moment nicht auf dessen Erfahrung, sondern brachte den österreichischen Junioren-Nationalspieler Yanik Spalt ins Spiel.
Wohlgemuth: «Des einen Freud ist des anderen Leid»
«Des einen Freud ist des anderen Leid. Das sagt man ja so schön», kommentierte VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth. «Klar, für Ata jetzt kein schöner Moment.» Hoeneß begründete seine Entscheidung damit, dass Spalts Profil dem von Stiller ähnlicher und dieser auch ein Linksfuß sei.
Für den Youngster war es der erste längere Auftritt auf der Bundesliga-Bühne. Karazor dagegen ist beim VfB der große Verlierer der Vorbereitung und des Saisonstarts. Noch keine Minute hat der einst im Mittelfeld gesetzte Deutsch-Türke für den schwäbischen Traditionsverein in der jungen Spielzeit gespielt.
Die Reihe der Enttäuschungen hatte schon damit begonnen, dass sich der Traum von der Teilnahme an der Fußball-WM nicht erfüllte. Aus dem Kader der Türkei wurde Karazor kurz vor Turnierbeginn gestrichen.
Karazor schreibt als Pokalsieger-Kapitän Vereinsgeschichte
Mit dem VfB hat der gebürtige Essener 2019/20 schon die zweite Liga mitgemacht, für ihn persönlich war es aber selten so schwierig wie momentan. Zwar musste er schon in der vergangenen Saison mit dem Anfang September nach England gewechselten Chema Andrés um den Platz neben Stiller kämpfen. Doch in diesem Sommer fiel er in der Mittelfeld-Hierarchie deutlich hinter dem sofort gesetzten Neuzugang Grischa Prömel zurück.
Auch die Kapitänsbinde ist er nach zwei Jahren los, nachdem er im Mai 2025 noch beim glorreichen Kapitel der Vereinsgeschichte den DFB-Pokal als Erster in die Höhe recken durfte. Zum neuen Anführer bestimmte Hoeneß den Publikumsliebling Deniz Undav. Karazor zählt nicht zu den Stellvertretern.
«Ata geht überragend gut mit einer veränderten Situation für ihn um», berichtete Hoeneß in Sinsheim. «Ich hätte ohne Probleme auch Ata reinbringen können, er wird auch seine Spiele bekommen nach dem Abgang von Chema.»
Österreichisches Talent zog als Teenager nach Stuttgart
Doch in der Vorbereitung hat der junge Spalt den Coach überzeugt. Die «Allzweckwaffe» der U23-Mannschaft, wie Wohlgemuth ihn beschrieb. Vor drei Jahren war der Bludenzer Spalt als 15-Jähriger in den Nachwuchs des VfB gewechselt. Beim 4:1 gegen den 1. FC Köln Anfang September gab er einen Tag nach seinem 19. Geburtstag in der Nachspielzeit sein Bundesliga-Debüt.
Seinen Einstand im Hoeneß-Team hatte der Voralberger schon in der vergangenen Saison in der Europa League gehabt. In Sinsheim durfte sich der Youngster über Lob freuen. «Er ist laufstark, er ist auch ruhig am Ball, er traut sich was zu. Deswegen finde ich, war es ein richtig guter erster Aufschlag von ihm», sagte Hoeneß. Keine guten Nachrichten für Karazor.
