Nach einem Vorfall, bei dem Erstklässler mutmaßlich den Kothaufen eines Klassenkameraden beseitigen mussten, fordert der Landesschülerbeirat (LSBR) Pädagogik-Schulungen und Fortbildungen für Lehrkräfte. «Ereignisse wie diese hinterlassen bei Schülerinnen und Schülern schon in jungen Jahren tiefe Spuren», erklärte Lina Sum vom LSBR. «Sie erschüttern das Vertrauen in die Schule als sicheren Ort und lassen bei Kindern das Gefühl entstehen, mit ihren Bedürfnissen, ihrer Würde und ihren persönlichen Grenzen nicht gesehen und nicht ernst genommen zu werden.»
Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht
Die «Badischen Neuesten Nachrichten» hatten unter Berufung auf zwei Väter der Grundschulkinder berichtet, dass die Erstklässler einer Karlsruher Grundschule gemeinsam den Kothaufen in einer Toilette beseitigen mussten, nachdem sich der eigentliche Verursacher auf Nachfrage der Lehrkraft nicht gemeldet hatte. Jeder Junge habe mit einem Stück Klopapier ein Stück Stuhlgang aufnehmen und in die Kloschüssel werfen müssen.
Das Regierungspräsidium Karlsruhe bestätigte den Vorgang auf Nachfrage grundsätzlich. Es sei eine Dienstaufsichtbeschwerde gegen die betroffene Lehrkraft eingegangen. Eine solche Beschwerde kann als unbegründet verworfen werden - oder beispielsweise in eine Abmahnung oder einen Verweis münden, sollte eine «dienstliche Pflichtverletzung» festgestellt werden.
Nur die Spitze eines Eisbergs?
Der Landesschülerbeirat teilte mit: «Die getroffene "Maßnahme" ist widerwärtig und missachtet die persönliche Würde und das Wohlbefinden der betroffenen Schüler vollständig.» Gerade für einen Erstklässler sei eine solche Situation besonders belastend und beschämend. «In solch einer Situation kann kein Lernen und keine Bildung mehr stattfinden und Schule wird zu einem Ort, an dem Kinder Angst haben», erklärte Sum. Der Vorfall sei aber lediglich die Spitze eines Eisbergs. «Die Pädagogik in unseren Schulen ist quasi nicht existent.»
Es brauche dringend mehr Schulungen und Fortbildungen, «damit ein angemessener und respektvoller Umgang mit solchen Situationen an den Schulen unseres Landes sichergestellt wird». Hier sei auch das Land in der Pflicht. Der Landeselternbeirat wollte sich nicht zu dem Fall äußern.
