Defensivlücken werden zum VfB-Problem - «Das ist zu einfach»
25-Millionen-Neuzugang Dzenan Pejcinovic lief neben Ermedin Demirovic als Dreierpacker in der Champions League und Chris Führich als Kandidat für Jürgen Klopp auf. Schon das ist eine vielversprechende Besetzung. Doch wer sich die luxuriöse anmutende Auswahl des VfB Stuttgart in der Offensive noch deutlicher vor Augen führen möchte, musste vor dem 1:2 bei der TSG Hoffenheim auf die prominent besetzte Ersatzbank schauen.
Drei Tage nach dem erfolgreichen Champions-League-Auftakt gegen Viking Stavanger (3:1) saßen dort: der rund um die WM-gehypte, aber zum Ligastart noch torlose Deniz Undav, Marokkos umworbener WM-Teilnehmer Bilal El Khannouss und Nationalspieler Jamie Leweling.
Das Spiel des VfB ist offensiv ausgerichtet. Doch wenn die Chancen nicht konsequent genug genutzt werden, kann die Konteranfälligkeit zum Problem werden. Wie für die Stuttgarter im Baden-Württemberg-Duell in Hoffenheim.
«Wir haben es heute in beiden Strafräumen verloren. Das ist zu einfach, wie Spieler alleine vor unserem Tor auftauchen. Und wir selbst waren nicht effizient genug», bilanzierte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß.
Und jetzt kommt ein Topteam
So gerät der schwäbische DFB-Pokal-Finalist vor dem Topspiel am nächsten Samstag (18.30 Uhr/Sky) gegen Borussia Dortmund unter Druck. Nach den Auswärtsniederlagen beim FC Bayern (1:5) und jetzt in Hoffenheim sowie dem Heimsieg gegen den 1. FC Köln (4:1) haben die Schwaben nur drei Punkte gesammelt. Der BVB mit dem früheren Stuttgarter Torjäger Serhou Guirassy startete makellos und hat das Offensivpotential, Räume in der Defensive zu nutzen.
«Manchmal sind wir im letzten Drittel immer noch ein bisschen zu risikoreich. Wir haben alle irgendwie den Offensivdrang», schilderte Maximilian Mittelstädt, der den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1 erzielt hatte. «Jeder will irgendwie in die Box rein und torgefährlich werden. Wenn du die Situation nicht abschließt und dann große Räume hast, ist es halt schwierig, wenn der Gegner 80 Meter auf die Kette zudribbelt.»
Zwei Konter-Tore entschieden die Partie
Zweimal hebelte die TSG Hoffenheim mit Kontern die VfB-Defensive erfolgreich aus. Beide Gegentore fielen nach Ballverlusten in der Offensive ähnlich. Abgezockt und effizient traf der tschechische Stürmer Adam Hlozek doppelt. «Wir sichern die Tiefe nicht gut», bemängelte Hoeneß. «Ich glaube auch, die Kommunikation war nicht top, muss ich die Jungs noch mal fragen.» Mittelstädt meinte, es fehle die Cleverness, «ein taktisches Foul einzustreuen, so einen Konter zu unterbinden, um vielleicht nicht 80 Meter zurückzulaufen.»
Trotz der Niederlage wollte Hoeneß seiner Mannschaft keine großen Vorwürfe machen. Er könne sehr gut damit leben, wie seine Elf aufgetreten sei, meinte er. «Hoffenheim ist aus meiner Sicht eine Mannschaft, die am Ende im oberen Drittel landen wird», sagte Wohlgemuth, «und von daher ist es nicht ungewöhnlich, dass man gegen die Hoffenheimer auch Gegentore bekommt. Die Tore waren gut herausgespielt.».
Eine Szene regte den VfB auf
Vielmehr kritisierten Hoeneß und Wohlgemuth den nicht gegebenen Elfmeter gegen Angelo Stiller. Mitte der ersten Hälfte prallten Stiller und der frühere Stuttgarter Verteidiger Ozan Kabak mit den Knien gegeneinander. Der VfB-Mittelfeldstratege blieb zunächst liegen. Er spielte nach einem ersten Check von Teamarzt Raymond Best zwar weiter, signalisierte aber wenige Minuten später doch, ausgewechselt werden zu wollen.
Es sei eine «klare Elfmeteraktion im Strafraum der Hoffenheimer» gewesen, meinte Wohlgemuth. Auch Hoeneß sah das so. «Du siehst sofort, wie sein Knie wegschlackert, und es gibt keine Verzögerung zwischen Schlag und Schmerzempfinden. Er fällt und schreit sofort.»
Die VfB-Verantwortlichen wunderten sich, dass es keinen Videobeweis gab. Schiedsrichter Sven Jablonski habe ihm gesagt, die Szene nicht gesehen zu haben, erklärte Hoeneß. «Dann hat er aber jemanden im Keller, der es für ihn sehen kann. Dann gibt es ja schon auch die Möglichkeit, ihm zumindest die Möglichkeit zu geben, das noch mal neu zu bewerten», monierte der Coach. Wegen dieser Szene habe der VfB aber nicht verloren, stellte Wohlgemuth klar.
