Zwei Athletinnen, zwei ganz unterschiedliche Geschichten – und ein gemeinsames Ziel: Bei den Weltmeisterschaften der Sportakrobatik in Pesaro vertreten Finia Falch und Diana Lust den SV Mergelstetten im deutschen Nationalteam. Während Falch mit ihrem Trio auf ein Spitzenergebnis hofft, kämpft sich Lust nach einer schweren Verletzung eindrucksvoll zurück auf die Weltbühne.
Sportakrobaten der SV Mergelstetten sammeln deutsche Meistertitel in Göppingen
Mit der Nominierung für die Titelkämpfe in Italien belohnt der Deutsche Sportakrobatik-Bund die starken Leistungen der vergangenen Monate. Die Weltmeisterschaften finden vom 24. bis 27. September in der Hafenstadt an der Adria statt. Bereits eine Woche zuvor werden dort die Junioren- und Jugend-Weltmeisterschaften ausgetragen. Mehr als 800 Athletinnen und Athleten aus rund 45 Nationen werden erwartet. „Die Nominierungen waren keine Überraschung“, sagt Stefanie Caro Ortiz, Kampfrichterin und Verantwortliche beim SV Mergelstetten. „Beide Formationen haben sich ihre Plätze mit konstant starken Leistungen verdient.“
Acht Stunden Training täglich für den großen Traum
Bei den Juniorinnen II gewann Finia Falch gemeinsam mit ihren Partnerinnen Leni Tschutschupalow und Kay Klotz (beide Eintracht Frankfurt) souverän den deutschen Meistertitel. „Sie haben tolle Ergebnisse erreicht. Mit der geknackten 28-Punkte-Marke sind bei internationalen Wettkämpfen Medaillen möglich“, sagt Caro Ortiz. Zu hohe Erwartungen wollte sie aber nicht schüren: „Wir machen uns keine zu großen Träume und schauen, was geht. Die Medaillen sind aber ein Thema und dieses Ziel wird auch ausgesprochen.“

Ein Erfolg wäre aber kein Zufall, die Vorbereitung ist bis ins Detail geplant. „Wir trainieren montags bis freitags von 12 bis 20 Uhr. Unsere Trainerin hat einen Zehn-Wochen-Plan erstellt, sodass wir genau wissen, was jeden Tag ansteht“, sagt die 17-Jährige, die ein Sportinternat in Frankfurt am Main besucht und dort auch trainiert. Hinzu kommen mehrere Trainingslager sowie weitere Lehrgänge. „Wir freuen uns unglaublich, Deutschland vertreten zu dürfen“, so Falch. Die WM-Teilnahme sei schon der erste Meilenstein. „Unser Ziel ist es, zunächst das zweite deutsche Trio zu schlagen, um ins Finale einzuziehen. Danach wollen wir vorne mitmischen.“
Aufgeben war für Diana Lust und Daniel Blintsov keine Option
Für Diana Lust ist die Nominierung für eine WM kein Neuland, die Teilnahme an den Wettkämpfen in Italien hat für sie und ihren Partner Daniel Blintsov (SC Riesa) eine besondere Bedeutung. Vor gut einem Jahr stand das deutsche Senioren-Mixed-Paar kurz vor seinem gemeinsamen Karrierehöhepunkt – der Teilnahme bei den World Games in China. Bei einem Sturz brach sich die 18-Jährige aber beide Arme. Der sportliche Traum war geplatzt, die Karriere der SVM-Athletin hing am seidenen Faden. Doch aufgeben war für das Duo keine Option und die WM ist nun die Fortsetzung einer bemerkenswerten Comeback-Geschichte.

Trotz Verletzungs-Aus: Diana Lust vom SV Mergelstetten drückt dem deutschen Team in China die Daumen
Und so ordnet Lust dem großen Ziel alles unter. „Ich habe dieses Jahr mein Abitur abgeschlossen, dadurch kann ich mich bis zur Weltmeisterschaft komplett auf den Sport konzentrieren“, sagt die 18-Jährige, die in Riesa lebt und trainiert. Und der Alltag besteht derzeit fast ausschließlich aus Training: „Wir stehen täglich in der Halle, trainieren zusätzlich im Fitnessstudio und arbeiten daran, Muskulatur und vor allem das Gefühl für unsere Elemente wieder aufzubauen“, verrät sie.

Da die Verletzung noch nicht vollständig ausgeheilt ist, wird das Paar in Pesaro nicht in allen Elementen des Mehrkampfs starten, der sich aus Balance, Tempo und einer kombinierten Übung zusammensetzt. „Sie werden nur in der Balance-Übung starten, das ist ihre Stärke. Tempo geht im Moment noch nicht“, erklärt Caro Ortiz. Trotz aller Unsicherheiten überwiegt bei dem Paar die Vorfreude. „Man ist einfach glücklich, wieder die Möglichkeit zu haben, in den Sport zurückzukommen“, sagt Diana Lust. „Die Weltmeisterschaft wird unser erster Wettkampf seit meiner Verletzung vor einem Jahr.“ Natürlich seien auch Ängste dabei, weil die Genesung lange gedauert habe, gesteht die Top-Athletin. „Aber ich habe mit meinen Trainern, meiner Physiotherapeutin und meinem Partner viele Menschen an meiner Seite, und wir sind optimistisch, dass wir gut vorbereitet an den Start gehen.“
Starke internationale Konkurrenz durch Rückkehr von Russland und Belarus
Weniger erfreulich verlief die Nominierungsphase für Nancy Seidel. Trotz der Silbermedaille bei den Deutschen Meisterschaften erhielt die SVM-Athletin gemeinsam mit ihren Partnerinnen keinen WM-Startplatz. Trainer Johannes Belovenzev richtet trotz des Unverständnisses den Blick nach vorn: „Wir werden analysieren, was noch fehlt, und die Zeit bis zur Europameisterschaft 2027 nutzen, um das Team weiterzuentwickeln.“
In Pesaro wartet auf das SVM-Duo eine starke Konkurrenz. „Bei der WM sind auch die Teams aus Russland und Belarus wieder dabei. Sie haben bereits bei den Weltcups gezeigt, wie stark sie sind“, sagt Caro Ortiz. Finia Falch und Diana Lust werden in den kommenden Wochen aber ganz bestimmt noch einmal alles geben, um ihren Konkurrentinnen und Konkurrenten bei der WM den Kampf um die Medaillen so schwer wie möglich zu machen.
