Umfrage bei Piloten

Weltmeisterschaft der Junioren in Elchingen: Wie vier Segelflieger aus Südafrika, Brasilien und Argentinien mit ihren Aussagen überraschen

Ab in die Luft! Die Junioren-Weltmeisterschaft in Elchingen ist international besetzt. Philip Jonker aus Südafrika, der Argentinier Valentin Pastoriza sowie Iago Manzi und Tiago Marchese Raupp aus Brasilien erzählen, wie sie zum Segelfliegen kamen, wie sie den kostspieligen Sport finanzieren und warum Fußball für sie kaum eine Rolle spielt:

Die Segelflug-Weltmeisterschaft der Junioren, die vom Luftsportring Aalen ausgetragen wird, sorgt auf dem Flugplatz Elchingen für internationale Begegnungen. Seit fast zwei Wochen ist der Platz auf dem Härtsfeld Austragungsort der 14. Junioren-WM. Nach Angaben der Veranstalter ist sie wegen der vielen Wertungstage in Folge schon jetzt die erfolgreichste WM der vergangenen zehn Jahre. Insgesamt starten 80 Pilotinnen und Piloten aus 22 Ländern.

Philip Jonker aus Südafrika. Foto: Jochen Gerstlauer

Philip Jonker aus Südafrika stammt aus einer Segelflugfamilie. Sein Vater ist sehr bekannt in der Segelfliegszene. „Dank meines Vaters bin ich zum Segelfliegen gekommen. Er konstruiert sogar Segelflieger und verkauft sie“, sagt der 23-Jährige. Segelfliegen sei in seiner Heimat deutlich weniger verbreitet als in Deutschland. „Es gibt gerade mal 200 Segelflieger in Südafrika“, so Jonker. Er hat nach eigenen Angaben knapp 1400 Flugstunden absolviert und verbringt im Jahr rund 250 Stunden in der Luft.

Ich war in Aalen, sonst sehe ich eher alles aus der Luft.

Philip Jonker aus Südafrika

Die Landschaft auf dem Härtsfeld hat es ihm besonders angetan. „Ich komme aus einer flachen Region, ohne Gebirge. Mir gefällt die Umgebung mit den Wäldern und den grünen Wiesen sehr gut“, sagt Jonker. Er reiste einige Tage vor der Weltmeisterschaft an, um die Region zu erkunden. Heidenheim habe er dabei nicht besucht: „Ich war in Aalen, sonst sehe ich eher alles aus der Luft.“ Wie viele andere Teilnehmer zeltet er auf dem Campingplatz am Flugplatz.

Lässig im Segelflugzeug: der Argentinier Valentin Pastoriza. Foto: LSR Aalen

Auch die Anreise des Argentiniers Valentin Pastoriza war aufwendig. Der 24-Jährige flog von Buenos Aires nach Amsterdam und übernahm anschließend bei Düren ein Auto, das ihm zur Verfügung gestellt wurde. „Einen Mietwagen mit Anhängerkupplung zu bekommen, ist schwierig, deshalb bin ich sehr froh, dass ich aufgrund privater und familiärer Beziehungen ein Auto bekommen habe“, sagt der ausgebildete Bergführer und Baumkletterer. Weil eine Tante in Düren lebt, spricht er sehr gut Deutsch. Pastoriza ist der einzige argentinische Pilot bei der Weltmeisterschaft.

Valentin Pastoriza Foto: Jochen Gerstlauer

Sein Segelflugzeug lieh er von einem spanischen Fliegerkameraden, der es auf der Rückreise im Anhänger nach Elchingen brachte. Nach der WM muss Pastoriza das Flugzeug im Anhänger in die Nähe von Madrid zurückbringen, anschließend fährt er nach Düren, um das Auto abzugeben. Von Amsterdam geht es zurück nach Argentinien. „Ich hätte nicht gedacht, dass es auch in Europa so große Distanzen zwischen den Ländern gibt. Europa wirkte aus meiner Perspektive bisher kleiner“, sagt Pastoriza, der Berufspilot werden möchte – und lacht. Der Argentinier ist nicht der einzige Teilnehmer, der sein Segelflugzeug für die WM in Elchingen ausgeliehen hat. Der die WM ausrichtende Luftsportring Aalen hat für die Übersee-Piloten in mehreren Ländern nach Charter-Segelflugzeugen geschaut und diese vermittelt.

Ich mag überhaupt keinen Fußball.

Valentin Pastoriza

Von Baden-Württemberg ist der Argentinier beeindruckt. „Die Schwäbische Alb, der Bodensee und dann der Schwarzwald – alles so grün und vielfältig. Ein wunderschönes Land!“ Fußball interessiert ihn dagegen nicht: „Ich mag überhaupt keinen Fußball.“

Die brasilianische Flagge als Sonnenschutz: Iago Manzi. Foto: Jochen Gerstlauer

Auch Iago Manzi und Tiago Marchese Raupp aus Brasilien gehören in ihrer Heimat zu einer kleinen Gruppe von Segelfliegern. „Brasilien hat 215 Millionen Einwohner und nur ca. 60 Segelflieger. Und wir gehören dazu“, sagen die beiden 23-Jährigen.

Um ihrem Sport nachzugehen, nehmen die Brasilianer weite Fahrten in Kauf. „Es kommt nicht selten vor, dass wir an einem Wochenende über 500 Kilometer fahren müssen, nur um einmal Segelfliegen zu können“, sagt Raupp, der im Alter von neun Jahren mit dem Segelfliegen begann. Die Flugzeuge werden vom Luftsportring Aalen gestellt. Dessen Pressesprecher Michael Kost betont, dass die Pilotinnen und Piloten zwar in der Luft Konkurrenten seien, am Boden jedoch freundschaftlich miteinander umgingen. „Die Schleppseile sind auch von uns“, sagt Kost mit einem Augenzwinkern.

Wir hören oft, dass wir wahrscheinlich die einzigen Brasilianer sind, die Fußball nicht mögen.

Iago Manzi und Tiago Marchese Raupp

Wie bei vielen Junioren unterstützt die Familie den teuren Sport. „Ich bin Student und vieles bezahlt mein Vater“, sagt Iago Manzi. Die beiden Brasilianer teilen Pastorizas fehlendes Interesse am Fußball: „Wir hören oft, dass wir wahrscheinlich die einzigen Brasilianer sind, die Fußball nicht mögen.“

Untergebracht ist das brasilianische Team in einer Ferienunterkunft in Dischingen. Deutschland besuchen sie nach eigenen Angaben erst zum zweiten Mal. „In Brasilien ist alles viel karger und weiter. Hier gibt es Abwechslung in Form von Wäldern, Seen, Wiesen, Hügeln“, sagen sie.

Philip Jonker gewann schließlich die Standardwertung. Für die vorgegebenen 290,05 Kilometer benötigte er zwei Stunden, 21 Minuten und 38 Sekunden. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 122,88 km/h. Die Strecke führte von Aalen über Tuttlingen und Plattenberg zurück über Ulm nach Aalen.

Siegerehrung am Samstag in Elchingen

Die Siegerehrung der Segelflug-Weltmeisterschaft findet am Samstag ab 10 Uhr in Elchingen statt. Beim feierlichen Abschluss werden der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes, Otto Fricke, der Chef-Stuart der World Airsports Federation, Eric Mozer, Präsident der FAI Gliding Commission, Peter Eriksen, Präsident des Deutschen Aeroclubs, Claus Cordes, und Matthias Seehuber, Präsident des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbandes, dabei sein.