Nach der Vizemeisterschaft im vergangenen Jahr waren die Oberliga-Basketballerinnen des Heidenheimer Sportbundes mit großen Erwartungen in die Saison gegangen. Doch von Anfang an war der Wurm drin, von den ersten zehn Spielen gingen neun verloren. Vergangenes Wochenende saß Trainerin Vera Frey bereits nicht mehr auf der Bank, jetzt hat sie für sich die Konsequenz gezogen.
„Die Teamchemie hat nicht mehr gestimmt, in so einer Situation muss ich einfach das Wohl der Mannschaft über mein eigenes stellen“, sagte die 43-Jährige und trat von ihrem Amt als Coach der HSB-Damen zurück. Übernommen hatte sie es nach dem Abgang von Mike Nahar zur Saison 2024/25 – und diese lief gleich bestens.
Tabellenkeller statt Aufstiegsrennen
Die Heidenheimerinnen holten sich ganz knapp hinter Steinenbronn die Vizemeisterschaft, verzichteten aber auf Aufstiegsspiele. Nachdem dieses Ausnahmeteam aufgestiegen war und der Tabellendritte seine Mannschaft zurückgezogen hatte, schien der Weg für die HSBlerinnen frei. Vor Saisonbeginn nahm Vera Frey auch kein Blatt vor den Mund und erklärte: „Ich gehe davon aus, dass wir Meister werden.“
Dass sich die Mannschaft stattdessen sogar im Tabellenkeller wiederfindet, ist wohl auf mehrere Gründe zurückzuführen. Der Abgang von Topscorerin Viktoria Tjan (Auslandsaufenthalt) konnte doch nicht so gut wie erhofft kompensiert werden, es gab einige Verletzungen und andere Ausfälle, dazu kamen knappe und teilweise unglückliche Niederlagen.
Dies alles hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Psyche der Spielerinnen. Insofern ist Freys Rückzug nicht zuletzt als Schutz für die Mannschaft zu sehen. Frey bleibt aber Jugendtrainerin des HSB, zudem betreut sie schon seit einiger Zeit die Bezirksauswahl. Ihre Töchter Joana und Romy sind weiterhin in der Damenmannschaft am Ball.
Abstieg droht nicht
Und dass der Kopf oft die entscheidende Rolle spielt, zeigte sich bereits vergangenes Wochenende, als den HSBlerinnen ein überraschender 67:46-Sieg gegen den Tabellendritten Möhringen gelang. Dabei war Herrentrainer Marc Hosinner kurzfristig eingesprungen und hatte das Team betreut. Danach fuhr Hosinner mit seinen Herren in der Bezirksliga einen spektakulären 110:79-Sieg über Frisch Auf Göppingen ein. Dabei verblüfften besonders die 43 Punkte der Heidenheimer allein im ersten Viertel.
Im Spiel der Damen hatte allerdings auch zum zweiten Mal die auf Heimaturlaub befindliche Tjan mitgewirkt und war dabei Topscorerin. Sie wird in den nächsten Begegnungen wieder fehlen. Ein Problem ist das nicht, denn der Abschied von der Trainerin kommt zu einem denkbar günstigen Zeitpunkt. Wegen des Rückzugs mehrerer Mannschaften gibt es in dieser Saison keine Absteiger aus der Oberliga, die Heidenheimerinnen können die restlichen sieben Spiele ohne Druck angehen.
Lösung zur neuen Saison
So bleibt man beim HSB auch gelassen. „Ich stehe voll hinter der Entscheidung von Vera Frey“, sagt Abteilungsleiterin Eva Engelhart und fügt an: „Sie ist eine tolle Trainerin und es tut mir leid, dass es nicht funktioniert hat, aber auf Dauer war das keine Lösung mehr.“ Für die restlichen Spiele werde das Coaching der Oberliga-Damen mit eigenen Kräften übernommen, zur Saison 2026/27 soll dann eine neue Trainerin oder ein Trainer verpflichtet werden. „Wir sind in Gesprächen und sehr zuversichtlich“, sagt Engelhart, die weiß, dass in den nächsten Jahren gerade im weiblichen Bereich große Herausforderungen auf die Abteilung zukommen.
Einige ältere Spielerinnen werden demnächst ihre Karriere beenden, die jungen Talente müssen an das höhere Niveau herangeführt, ebenso neuer Nachwuchs gewonnen werden. „Es ist derzeit nicht so einfach, Mädchen für Basketball zu begeistern, wir wollen auch wieder verstärkt an die Schulen gehen“, so Engelhart.

