Sportschießen

Nervenstark im Stechen: So wurde Michael Maier aus Steinheim deutscher Meister mit der Sportpistole

Welch ein Auftritt von Michael Maier: Der Schütze des SSV Steinheim holt sich bei der deutschen Meisterschaft in der Olympiaschießanlage in München/Hochbrück den Titel mit der Sportpistole. Warum dieser Erfolg bei den Herren II (über 40 Jahre) so bemerkenswert ist:

Die Steinheimer Sportschützen stellen einen deutschen Meister: Michael Maier gewann in München-Hochbrück überraschend den Titel mit der Sportpistole bei den Herren II (über 40 Jahre). Und dabei bewies der 43-Jährige eiserne Nerven.

Der Erfolg ist umso bemerkenswerter, da Maier eigentlich ein „Spätberufener“ ist, der erst vor acht Jahren mit dem Schießsport begann. „Mir hat das schon immer Spaß gemacht, aber zunächst wollte ich nicht in den Verein“, berichtet der Steinheimer, der zuvor bei vereinzelten Auftritten wie dem bekannten Vereinsschießen des SSV sein Talent angedeutet hatte.

Vom Spätberufenen zum erfolgreichen Schützen

Schließlich ließ er sich doch überreden, hatte schnell seine Erfolge mit der Luftpistole und schoss außerdem mit einer vereinseigenen Sportpistole. Bevor die Schützen sich eine eigene zulegen dürfen, müssen sie eine Waffensachkundeprüfung ablegen und nachweisen, wie sie die Waffe zu Hause sicher aufbewahren können.

Michael Maier hat schon einige Medaillen ergattert, die goldene bei der deutschen Meisterschaft ist nun aber natürlich der Höhepunkt. Rudi Penk

Als das bei Maier dann 2021 so weit war, gab es für ihn noch einmal einen Schub und kurz darauf hatte er in der Corona-Zeit Gelegenheit, an der deutschen Meisterschaft teilzunehmen. „Ich wusste da gar nicht, was auf mich zukommt, bin aber immerhin im hinteren Mittelfeld gelandet. Das hat mich weiter angespornt und ich wollte da einmal aufs Treppchen“, sagt Maier, der sich in der Folge immer wieder qualifizierte.

Der Weg zur deutschen Meisterschaft

In der Altersklasse Herren I, in der er gegen viele Olympia-Teilnehmer und Kaderathleten schoss, reichte es nicht ganz für die Spitzenplätze. „Aber mit dem Wechsel zu den Herren II ging ein Türchen auf“, erklärt Maier und fügt an: „Die Nervosität ist bei den deutschen Meisterschaften immer groß, ich wusste schon, dass ich einen perfekten Tag brauche, um wirklich um die Medaillen zu kämpfen.“

Und den hatte er nun im August. Geschossen werden bei den nationalen Titelkämpfen drei Serien Präzision und drei Dynamik. „Die Scheibe kommt hoch und man hat drei Sekunden fürs Hochnehmen, Zielen und Schießen“, beschreibt Maier diese Disziplin. Er startete mit zweimal 93 Ringen, schoss dann starke 97, fiel in der vierten Serie aber mit 91 Ringen wieder zurück. Zweimal 95 brachten ihm am Ende 564 Ringe und damit exakt so viele wie Martin Meister vom SV Hubertus Heigenbrücken. Dahinter folgten zwei Schützen mit 562 Ringen.

Gold nach nervenaufreibendem Stechen

Es ging also ins Stechen, bei dem fünf Schüsse mit Zeitvorgabe gemacht werden. Dabei ist noch ein Probeschießen erlaubt, bei dem Maier eine ziemliche Streuung hatte. „Der Druck ist groß, da spürst du den Puls im Hals“, sagt der 43-Jährige, der im ersten Durchgang auf 46 Ringe kam – wiederum gleich viele wie Meister. Und dann war die Nervosität weg. „Ich dachte nur noch: Jetzt holst du dir das Ding“, so Maier. Er erzielte glänzende 49 Ringe – gegenüber 44 von Meister – und gewann damit die Goldmedaille.

Michael Maiers Sportgerät. Rudi Penk

Da störte es nicht, dass er schon deutlich bessere Ringzahlen erreicht hatte. Unter anderem die 572 bei der württembergischen Meisterschaft im vergangenen Jahr. Hier holte Maier in diesem Jahr mit der Sportpistole den Titel, wurde mit dem Revolver 357 Magnum Zweiter und mit der Standardpistole Dritter.

Der Steinheimer geht inzwischen in seinem Sport und seinem Verein voll auf, tritt nicht nur mit mehreren Waffen an, sondern ist seit 2024 auch Schießsportleiter. Im Jahr darauf wurde er das zudem beim Württembergischen Schützenverband. „Das ist dann auch die Vorstufe zum Trainer und hat mich selbst wieder weitergebracht“, berichtet Maier. Für ihn geht es nun mit den Rundenwettkämpfen mit der SSV-Mannschaft weiter, dann folgen die Vereinsmeisterschaften.

Schießsport als Ausgleich und Leidenschaft

„Im Februar geht es auf Kreisebene weiter, dann folgen Landes- und deutsche Meisterschaften, eigentlich ist man das ganze Jahr beschäftigt“, sagt Maier, der mit seinem jetzt errungenen Titel auch ein bisschen Werbung für die sportlichen Schützen machen möchte. Der SSV Steinheim hat bei den Bogenschützen großen Zulauf, in den anderen Waffen aber etwas Nachwuchsprobleme. „Wir trainieren dienstags und freitags, man kann einfach vorbeischauen“, sagt der Informatiker und erklärt die Vorteile seines Sports: „Schießen fördert die Aufmerksamkeit, die Selbstregulation, man lernt, Störreize auszublenden. Und vor allem: Egal, wie stressig der Tag war, ich bin nach dem Training immer gut gelaunt nach Hause gegangen.“