WM-Begeisterung in Heidenheim

Jedes Spiel ein Festtag: So wurde der brasilianische Einzug ins Achtelfinale in der Innenstadt gefeiert

Die Fußballbegeisterung der in Heidenheim lebenden Brasilianer ist groß. Das zeigte sich am Montagabend auch vor dem Heidenheimer Rathaus, wo eine große Gruppe den Sieg ihrer „Selecao“ im Sechzehntelfinale feierte. Dabei gab es auch Einblicke, wie in Brasilien Fußball geschaut wird.

Public Viewing steht bei Weltmeisterschaften für gemeinsam gelebte Fußballbegeisterung. Auch in Heidenheim stellen einige Kneipen und Lokale bei dem aktuellen Turnier Großbildfernseher auf und laden zum gemeinsamen Mitfiebern ein. Im Schatten des Rathauses waren am Montagabend auffallend viele gelbe Trikots zu sehen. Schnell wurde klar: Hier schauen und feiern gut gelaunte Brasilianerinnen und Brasilianer. Rund 40 euphorische Fans der „Selecao“, wie die Nationalmannschaft des Rekordweltmeisters auch genannt wird, hatten sich getroffen, um das Sechzehntelfinale zwischen Brasilien und Japan gemeinsam zu verfolgen. Bei Essen und Getränken wurde mitgefiebert, diskutiert und gejubelt.

Sechs FCH-Fans mit brasilianischer Note: (zweite Reihe von links) Joao Pinto de Sousa, Erika Malisi-Sousa und Mauricio Malisi; (vorn) Maria da Silva-Eder, Marilete Malisi und Jennifer Betsch.

So sieht brasilianische Begeisterung für den 1. FC Heidenheim auf der Osttribüne aus

Brasilianische Lebensfreude auf der Osttribüne? Auch das gibt's, der 1. FC Heidenheim hat eine treue Gruppe von Fans mit südamerikanischer Herkunft. Was sie am FCH schätzen und wie sie die derzeitige sportliche Situation sehen:
Show more
Heidenheim
Zeig mir deinen Platz (14)

Für den „brasilianischen Heidenheimer“ Mauricio Malisi ist das Zusammenkommen mehr als nur ein Fußballabend. Es sei eine willkommene Abwechslung vom Alltag. „Wir sind knapp 100 Brasilianer in Heidenheim, die überwiegend bei Voith arbeiten und immer versuchen, die Spiele unserer Mannschaft zusammenzuschauen“, sagt der Deutsch-Brasilianer, der seit über 30 Jahren in der Stadt lebt und arbeitet. Auch beim 1. FC Heidenheim werden regelmäßig die Daumen gedrückt.

Mehr als nur ein Fußballabend

Das Treffen habe fast familiären Charakter, auch wenn statt landestypischer Küche eher Pizza und Pasta auf den Tischen stehen. Gleichzeitig schwingt immer ein Stück Heimat mit. „In Brasilien ist jedes WM-Spiel der Selecao ein großer Feiertag. Da wird nicht gearbeitet und hinterher feiert man zusammen, egal ob man gewonnen oder verloren hat“, verrät Malisi.

Nicht nur die Landesfahne gehört für Maurizio Malisi (2. von links) und Co. zu einer brasilianischen Fußballparty dazu. Jochen Gerstlauer

Sportlich begann der Abend nicht nach dem Wunsch der Gruppe an begeisterten Fans: Zur Halbzeit lag Brasilien mit 0:1 zurück. Malisi blieb dennoch gelassen. „Die Mannschaft ist noch in der Findungsphase“, sagt er und zeigt sich mit dem italienischen Trainer Carlo Ancelotti, der seit 2025 im Amt ist, zufrieden. „Ich dachte zuerst: Oh je, ein Italiener. Aber das ist auf jeden Fall besser als ein Argentinier“, fügt er lachend hinzu.

Brasilianische Feier zum WM-Finale

Seine Hoffnung richtet sich auf ein Weiterkommen bis mindestens ins Viertelfinale. „Zwei Spiele wären schon toll, denn die Zeit fehlte einfach, in der sich die Mannschaft hätte einspielen können.“ Der Blick geht aber bereits weiter: „Wir werden in der Dreifaltigkeitskirche in Heidenheim am Sonntag, dem 19. Juli, zum WM-Finale ein Fest für jeden feiern.“

Geplant sind eine Sambagruppe aus Stuttgart und brasilianische Spezialitäten. Dabei steht nicht nur der sportliche Ausgang im Mittelpunkt. „Das Fest wird auch ohne brasilianische Beteiligung im Finale stattfinden“, betont Malisi. Am Ende zählt für ihn vor allem eines: „Zu feiern gibt es immer etwas, Hauptsache man ist zusammen.“ Immerhin nahm das Spiel gegen Japan noch ein gutes Ende: Brasilien drehte die Partie und gewann mit 2:1, und sorgte für Partystimmung vor dem Rathaus.