Handball-Landesliga

Wieso die Handballer des TV Steinheim wegen eines Urteils des Sportgerichts geschockt sind

Was für ein Aufreger zum neuen Jahr! Die Landesliga-Handballer des TV Steinheim müssen in ihrem Heimspiel gegen den SC Vöhringen am Samstag auf Tim Baur und Marc Zeger verzichten. Weshalb die beiden Leistungsträger vom Sportgericht für gleich vier Spiele gesperrt worden sind, welche Fragen das Urteil aufwirft und wie es jetzt weitergeht:

Kurz vor Weihnachten mussten sich die Landesliga-Handballer des TV Steinheim beim SC Vöhringen knapp mit 29:30 geschlagen geben. Eine bittere Niederlage – aus Steinheimer Sicht aus einem bestimmten Grund: „Wir spielen bis etwa zur 50. Minute nahezu perfekt und haben uns einen schönen Vorsprung herausgeholt. Doch ein Mann hatte an diesem Abend etwas dagegen, dass wir gewinnen“, sagte Klaus Nissle kurz nach dem Spiel. Der Steinheimer Trainer kritisiert auch rückblickend Entscheidungen des Schiedsrichters zugunsten des SC Vöhringen.

Der Schiedsrichter hat es aus meiner Sicht aber nicht schlecht gemacht.

Kevin Betz, Trainer des SC Vöhringen

Nach Spielende diskutierten einige Steinheimer massiv mit dem Unparteiischen, der die Begegnung allein geleitet hatte, wie Kevin Betz feststellte. Dem Vöhringer Coach sei gleich klar gewesen, dass so etwas Sperren nach sich ziehen kann, wie er sagt. „Nach so einem Spiel sind die Gemüter erhitzt. Der Schiedsrichter hat es aus meiner Sicht aber nicht schlecht gemacht“, so der 48-Jährige, der selbst Schiedsrichter ist.

Und tatsächlich wurde das Sportgericht tätig, da der Schiedsrichter entsprechendes in seinem Spielbericht vermerkt hat. Man kann davon ausgehen, dass es um mögliche Beleidigungen gegen ihn ging. Anfang des Jahres folgte ein Urteil, das beim TV Steinheim für Fassungslosigkeit sorgt: Marc Zeger und Tim Baur wurden für jeweils vier Spiele gesperrt. Eine in Handballkreisen auffällig hohe Strafe. „Für uns ist ihr Ausfall nicht nur wegen unseres schmalen Kaders ein herber Verlust. Tim hatte zuletzt eine aufstrebende Form, Marc hat eine super Hinrunde gespielt“, sagt Klaus Nissle.

Das Strafmaß ist völlig überzogen.

Klaus Nissle, Trainer des TV Steinheim, über das Urteil des Sportgerichts

Die grundsätzliche Frage lautet: Wer hat was wann zum Schiedsrichter gesagt? Steinheims Coach betont im Hinblick auf mögliche Beleidigungen gegenüber dem Unparteiischen: „Ich würde für Marc und Tim meine Hand ins Feuer legen, dass sie sowas nicht machen würden. Beide haben noch nie eine rote Karte kassiert. Das Strafmaß ist völlig überzogen.“

Tim Baur ist selbst Schiedsrichter und leitet zusammen mit Maximilian Herbrik Spiele – und weiß aus einem anderen Blickwinkel, dass es auf dem Feld bisweilen hoch hergehen kann. Das Urteil des Sportgerichts sei für ihn ein regelrechter Schock gewesen, sagt der Lehrer. Auch Marc Zeger hat das Urteil verwundert zur Kenntnis genommen.

Der TV Steinheim hat gegen das Urteil des Sportgerichts Einspruch eingelegt, sagt Klaus Nissle. Nicht aber gegen die Sperre von zwei Spielen gegen Co-Trainer Steffen Maier – weil nicht nur Strafen, sondern auch Einsprüche dagegen Geld kosten.

Während meiner Laufbahn habe ich eigentlich alles erlebt.

Mathias Mensinger, Schiedsrichter

Weil es sich durch den Einspruch um ein laufendes Verfahren handelt, möchte der Schiedsrichter, der die betreffende Partie geleitet hat, nichts Konkretes dazu sagen. Mathias Mensinger berichtet aber von einem „ganz normalen Spiel“ – und bestätigt damit indirekt, dass es sich um Vorkommnisse nach Spielende gehandelt haben muss. Der 55-Jährige, der seit knapp 30 Jahren Handballspiele leitet, fungiert auch als Schiedsrichter-Beobachter bis in die Jugend-Bundesliga. „Während meiner Laufbahn habe ich eigentlich alles erlebt“, sagt Mensinger. Somit auch viele Varianten von ungebührlichem Verhalten, wie er es ausdrückt. Ein Spiel des TV Steinheim würde sich Mensinger gerne wieder anschauen, wie er sagt. Allerdings keins mehr pfeifen.

Am Samstag spielt Steinheim wieder gegen Vöhringen

Trotz des Einspruchs gegen das Sportgerichts-Urteil muss der TV im kommenden Heimspiel auf jeden Fall auf Zeger und Baur verzichten. Dann geht es für Steinheim in der Gerstetter Georg-Fink-Halle in einem vorgezogenen Spiel wieder gegen Vöhringen (20 Uhr). „Das habe ich noch nie erlebt, weder als Spieler noch als Trainer“, sagt Nissle über das schnelle Wiedersehen. Aufgrund der veränderten Personalsituation erwartet er ein anderes Spiel. Vielleicht dieses Mal mit einem glücklicheren Ende für Steinheim.

Am 17. Januar kommt Tabellenführer TV Treffelhausen

In der Tabelle belegt der TV Steinheim mit 8:14 Punkten den neunten Platz. Der SC Vöhringen ist Fünfter (14:8). Am Samstag, 17. Januar, bestreiten die Steinheimer wieder ein Heimspiel in der Georg-Fink-Halle (20 Uhr). Dann ist der aktuelle Tabellenführer TV Treffelhausen zu Gast (17:5 Punkte).