Selbstvertrauen bei den Handballerinnen der Spielgemeinschaft Herbrechtingen/Bolheim (SHB)? Fehlanzeige. Zu groß waren die Rückschläge im alten Jahr mit Verletzungen und Krankheiten, was sich dann auch in den negativen Ergebnissen widerspiegelte. Nur vier Punkte in der Vorrunde konnten niemanden zufriedenstellen und auch Trainer Sebastian Kieser hinterfragte sich und stellte in der Spielpause an manchen Schräubchen. Ein klärendes Gespräch der Spielerinnen zwischen den Feiertagen schweißte sie enger zusammen und auch im Training zeigte sich der Wille, den bevorstehenden Abstiegskampf anzunehmen.
Personell entspannte sich die Lage vor dem wichtigen Heimspiel gegen die SG Dornstetten glücklicherweise. Mit Hanna Grupp und Sabrina Krempien kehrten zwei wichtige Spielerinnen wieder zurück, was die Wechseloptionen erheblich verbesserte.
Die Ernüchterung folgte aber prompt. Nach fünf Minuten und einem 0:5-Rückstand knüpfte die SHB zunächst nahtlos an die letzten schwachen Spiele an, aber danach fing sich das Team von Trainer Kieser zusehends und legte die Nervosität langsam ab.
Vor allem das Zusammenspiel der Rückraumspielerinnen Siller, Brachert und Schweda in Verbindung mit Kreisläuferin Frey klappte nun sehr gut und beim 5:7 nach zehn Minuten waren die Gastgeberinnen zurück im Spiel. Die Gäste stellten die SHB-Abwehr aber immer wieder vor gehörige Probleme. Nach 30 Minuten standen 18 Gegentreffer auf der Anzeigentafel, was Coach Kieser durchaus auf die berüchtigte Palme brachte. „18 Gegentore sind einfach viel zu viel“, kritisierte der 46-Jährige die Abwehrleistung und sprach dies auch in der Pause deutlich an. „Da gab es klare Worte von mir, in der Deckung konsequenter zu sein, um den Rückstand aufzuholen.“

Die Körpersprache der Hausherrinnen war dann auch zu Beginn der zweiten Halbzeit ganz klar auf alles oder nichts. Der Ball lief nun deutlich flüssiger und in der Abwehr wurde im Kollektiv sehr gut gearbeitet. Pauline Hirsch im SHB-Tor hielt, was zu halten war und folgerichtig schmolz der Rückstand Tor um Tor. In der 51. Minute war es dann so weit. Rückraum-Ass Marie Brachert konnte zur ersten viel umjubelten Führung der SHB im Spiel einwerfen. Die Gäste ließen immer mehr nach und so konnten die Blau-Weißen am Ende mit 35:31 den dritten Saisonsieg feiern und holen sich endlich Selbstvertrauen für die nächsten Aufgaben.
Für mich war eine Zeitstrafe gegen die Bank der Gamechanger heute, weil da merklich ein Ruck durch die Mannschaft ging.
Sebastian Kieser, Trainer der SHB
Sebastian Kieser war sehr froh über den Sieg und antwortete auf die Frage, wie groß der Stein war, der vom Herzen fiel, wie folgt: „So groß war der Stein gar nicht, weil ich immer an die Mädels geglaubt habe und wusste, dass der Tag kommen würde, dass wir wieder gewinnen werden.“ Für den SHB-Coach gab es eine wichtige Szene im Spiel. „Für mich war eine Zeitstrafe gegen die Bank der Gamechanger heute, weil da merklich ein Ruck durch die Mannschaft ging“, so Kieser, der auch seine Spielmacherin Carmen Siller, Rückraumspielerin Marie Brachert und Kreisläuferin Susanne Frey besonders lobte. „Insgesamt war es aber eine geschlossene Leistung und sehr wichtig für die Moral, weil sie sehen, dass sie es noch können und nebenbei ganz wichtige Punkte gegen den Abstieg gesammelt wurden“, sagte Kieser abschließend.
Namen und Zahlen zum Spiel
SHB: Serwe-Hug und Hirsch im Tor; Grupp (1), Fleischer, Sahin, Schweda (2), Braun (1), Brachert (12/3), Krempien (3), Schönefeldt (3), Lindenmaier (1), Frey (7), Siller (5/2)
Zeitstrafen: SHB 2 (Krempien und Frey); SG Dornstetten 6
Strafwürfe: SHB 6 (5 verwandelt); SG Dornstetten 2 (beide verwandelt)
Zuschauer: 150
Schiedsrichter: Dennis Langer und Frank Zocholl

