Fußball-Landesliga

Warum Sontheims Trainer Sebastian Knäulein an Joshua Kimmich denken muss

Was für eine desaströse Bilanz! In 16 Spielen holten die Fußballer des FV Sontheim gerade einmal vier Punkte. Warum Sontheims Coach Sebastian Knäulein seinen Verein trotzdem auf dem richtigen Weg sieht und wie Patrick Schwarz, Trainer des TSV Gussenstadt und Kenner dieser Spielklasse, die Landesliga einschätzt:

Wer den Schaden hat… Den Spruch kennt man beim FV Sontheim zur Genüge. Als Aufsteiger haben es die Fußballer in der Landesliga schwer. Viele Niederlagen in Folge zogen zunächst eine verstärkte Aufmerksamkeit durch die Lokalzeitung nach sich. Im 15. Saisonspiel gab es aber den ersten Punktgewinn. Da das letzte Spiel des vergangenen Jahres gegen den VfL Sindelfingen auszufallen drohte, wurde bei den Sontheimern nachgefragt, ob die Partie ausgetragen werden soll. Ihre Antwort: Wieso, wir haben doch gerade einen Lauf?

Galgenhumor vom Feinsten also beim Tabellenletzten, der gegen Sindelfingen prompt den ersten Sieg feiern durfte – und seinen Lauf ausbaute. Einen großen Artikel in der Lokalzeitung gab es trotzdem nicht – was auch zeigt, wie überraschend der Erfolg kam. Auf den Relegationsplatz hat der FV Sontheim elf Punkte Rückstand, bei 14 Spielen, die noch ausstehen.

Die Mission Klassenerhalt wird ein schwieriges Unterfangen, was man in Sontheim aber schon vor der Saison gewusst hat. Die Landesligastaffel 2, in die Mannschaften aus der Bezirksliga Ostwürttemberg (Heidenheimer, Aalener und Gmünder Raum) aufsteigen, besteht aus sehr vielen starken Teams, zum Beispiel aus dem Stuttgarter Raum. Auffällig ist, dass in der Landesliga viele Spieler auflaufen, die zuvor zwei oder sogar drei Klassen höher gespielt haben.

Überspitzt gesagt ist es eine verkappte Profiliga.

Patrick Schwarz, Trainer des TSV Gussenstadt, über die Landesliga

Das weiß auch Patrick Schwarz. „Überspitzt gesagt ist es eine verkappte Profiliga“, sagt der Spielertrainer des TSV Gussenstadt, der einst selbst den Traum vom Profifußballer lebte und unter anderem im Regionalligateam von Hannover 96 spielte. Heute verfolgt der 30-Jährige intensiv die Landesliga, er kennt dort viele Trainer und Spieler. Er sagt: „Der Sprung aus der Bezirksliga Ostwürttemberg in die Landesliga ist schon extrem. Die Bezirksligen Neckar/Fils oder Donau/Iller sind da von der Qualität schon deutlich stärker.“ 

Patrick Schwarz ist Trainer beim TSV Gussenstadt. Oliver Vogel

Ein Beispiel: Aus der Bezirksliga Neckar/Fils stiegen zwei Mannschaften in die Landesligastaffel 2 auf, Meister TSV Köngen und der Vizemeister 1. FC Eislingen (über die Relegation). Aktuell führt Köngen auch die Tabelle der Landesliga an, während Eislingen Zweiter ist. Dies liegt natürlich auch an der Klasse der Spieler, die für die beiden Vereine auflaufen. Zum Beispiel trägt Max-Julian Hölzli das Eislinger Trikot. „Er hat einen brutalen linken Fuß“, sagt Patrick Schwarz über Hölzli, mit dem er in der Jugend des VfB Stuttgart zusammengespielt hat. Mit dabei war unter anderem ein gewisser Joshua Kimmich, inzwischen eine Vereinslegende des FC Bayern München. Hölzli wiederum spielte einige Jahre in der Oberliga, bevor er zum 1. FC Eislingen in die Bezirksliga kam – und mit diesem den Aufstieg feierte. „In der Landesliga hat er eigentlich nichts zu suchen“, sagt Patrick Schwarz anerkennend über die fußballerischen Qualitäten seines ehemaligen Mitspielers.

Wir geben kein Geld für Spieler aus. Wenn es in der kommenden Saison wieder in die Bezirksliga gehen sollte, dann ist es eben so,

Sebastian Knäulein, Trainer des FV Sontheim

„Der ist damals in der Jugend mit Kimmich deutscher Meister geworden“, sagt auch Sebastian Knäulein über Hölzli. Die Dienste eines Spielers von einem solchen Format muss man sich aber auch leisten können. „Für uns kommt so etwas nicht infrage“, betont der Trainer des FV Sontheim. „Wir geben kein Geld für Spieler aus. Wenn es in der kommenden Saison wieder in die Bezirksliga gehen sollte, dann ist es eben so“, sagt der 44-Jährige. Fußballern im Amateurbereich Geld zu zahlen, sieht er als den falschen Weg an. „Das hat keine Nachhaltigkeit. Lieber investieren wir in unseren Jugendbereich.“

Dem Vernehmen nach hat der 1. FC Eislingen ein Budget für die Spielergehälter in Höhe von 380.000 Euro. „Wenn man sieht, wie andere Mannschaften besetzt sind, wundert es mich nicht, dass egal welches Team aus der Bezirksliga Ostwürttemberg aufsteigt, in der Regel auch wieder absteigt“, sagt Knäulein und fügt an: „Das muss jeder Verein für sich selbst entscheiden. Wir werden aber auch jetzt von unserem Weg nicht abrücken.“ Knäulein sieht den FV Sontheim als Ausbildungsverein, für den die Jugendarbeit im Vordergrund steht. Diese Arbeit sei zwar nachhaltig, kann bisweilen aber auch erst später Früchte tragen.

Zuletzt haben sich die Jungs für ihren Einsatz mit Punkten belohnt. Wir können es also doch.

Sebastian Knäulein, Trainer des FV Sontheim

Die sportliche Realität bei der ersten Mannschaft sieht in der Landesliga so aus: 14 Niederlagen, ein Unentschieden und ein Sieg. Knäulein lobt, dass trotz dieser Bilanz im Verein Ruhe herrsche. „Natürlich kann das auch frustrierend sein, andauernd zu verlieren. Aber zuletzt haben sich die Jungs für ihren Einsatz mit Punkten belohnt. Wir können es also doch.“

Nur zwei Teams hätten den Sontheimern ihre Grenzen aufgezeigt: Gegen Waldstetten und Eislingen war der FVS jeweils chancenlos. Auch deswegen sagt Knäulein: „Mit vier Punkten stehen wir schlechter da, als möglich gewesen wäre. Sechs Zähler mehr wären durchaus drin gewesen. Jetzt wollen wir es besser machen. Mit den Jungs, die wir haben.“

Beim FV Sontheim kehren einige Spieler zurück

Hoffnung im Kampf um den Klassenerhalt machen dem FV Sontheim auch einige Rückkehrer. Insgesamt könnten bis zu neun Spieler wieder dabei sein, zum Beispiel wollen Tim Urban und Ruben Ertle (jeweils nach Kreuzbandriss), Joshua Leoff, Bastian Matuschek oder Bernhard Rembold wieder angreifen. Abwarten müsse man, wie es bei Fabian Matuschek nach seiner Knieoperation weitergeht. Mit Raphael Fanselow hat ein junger Spieler den FV Sontheim in Richtung des SC Hermaringen (Kreisliga A3) verlassen. „Ich hoffe, dass er in Hermaringen Spaß und Erfolg hat und zu mehr Einsatzzeiten kommt“, sagt Sebastian Knäulein.

Beeindruckt waren die Spieler des FV Sontheim vom Stadion ihres Liga-Konkurrenten VfL Sindelfingen. Das Floschenstadion wurde für knapp 16 Millionen Euro generalsaniert. „Das war ein Highlight, der absolute Wahnsinn“, blickt Knäulein zurück.