Pünktlich zum Start in die entscheidende Phase meldet sich Alex Sanabia zurück. Der Werfer der Heidenheim Heideköpfe geht nach seiner Verletzungspause hoch motiviert ins DM-Viertelfinale gegen die Untouchables Paderborn, die ersten beiden Spiele der Serie finden am Samstag (18 Uhr) und Sonntag (13 Uhr) statt.
Bei so einer Vita kann man als hiesiger Baseballer schon einmal in Ehrfurcht erstarren: Sanabia wurde als 18-jähriges Ausnahmetalent von den Florida Marlins (heute Miami Marlins) unter Vertrag genommen, spielte sich kontinuierlich nach oben und war schließlich vier Jahre Pitcher in der Major League, der besten Baseball-Liga der Welt. Insgesamt kommt er auf 315 Spiele als Profi.
Vier Jahre in der Major League
Und nun spielt er in Deutschland, immer noch einem Entwicklungsland in Sachen Baseball. „Für mich war das ganz einfach, ich definiere meinen Wert nicht über das, was war“, sagt Sanabia und macht klar: „Auch hier wird guter Baseball gespielt und für mich war es eine Ehre, ausgewählt worden zu sein. Schließlich gibt es in jedem Team nur einen Platz für einen Nicht-EU-Pitcher.“
Das Level sei natürlich nicht mit dem der Profiligen anderer Länder vergleichbar. „Aber das liegt einfach daran, dass es hier noch eine relativ junge Sportart ist. Die Entwicklung ist gut“, sagt der Spieler mit amerikanisch-mexikanischen Wurzeln. „Außerdem bin ich mit meinen fast 38 Jahren einer der ältesten Spieler im Team und arbeite gerne mit den jungen Talenten zusammen.“
Verletzung in der Interleague
Anfang Mai stieß Sanabia zu den Heideköpfen und zeigte schnell seine Klasse. In der Regular Season kam er auf 4:0 Siege und ließ im Schnitt nur 0,31 gegnerische Punkte zu – der absolute Spitzenwert in der Liga. In der Interleague passierte es dann aber: Sanabia musste im Spiel gegen Paderborn mit Adduktorenproblemen vom Feld. Er hatte bereits zuvor Probleme mit dem Oberschenkel und musste die Verletzung nun auskurieren.
Die Heideköpfe stellten ihre Ambitionen in der sehr aufwendigen, aber sportlich fragwürdigen Zwischenrunde zurück und gaben ihrem Werfer eine längere Pause. „Ich hatte genug Zeit und bin jetzt wieder fit“, freut sich Sanabia, der am letzten Spieltag gegen Bonn wieder zwei Innings auf dem Mound stand, dabei keinen Punkt zuließ und vier Strike-outs warf.
Sanabia bleibt optimistisch
Die Heidenheimer rutschten in der Interleague auf Rang vier ab, spielen damit nun im Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft gegen den Fünften Paderborn und würden bei einem Erfolg schon im Halbfinale auf Topfavorit Bonn treffen. Sanabia ist aber weiter optimistisch. „Wir hatten ein schwieriges Jahr mit Verletzungen und immer wieder standen wichtige Spieler nicht zur Verfügung. Aber bis auf Shawn Larry sind jetzt wieder alle an Bord, und was ich am Dienstag im Training gesehen habe, hat mir sehr gut gefallen“, sagt der Heideköpfe-Werfer.
Er selbst wird das Spiel am Sonntag bestreiten. „Paderborn hat eine junge und gute Mannschaft, aber wir stehen nicht umsonst in den Play-offs“, betont Sanabia. Das Ziel seien natürlich zwei Heimsiege, aber auch bei einem Split würde er mit guter Hoffnung die Fahrt zu den Auswärtsspielen am folgenden Wochenende antreten. Und dann? „Das Ziel ist immer die Meisterschaft. Klar, die letzten Ergebnisse sprechen nicht für uns, aber in den Play-offs kann immer alles passieren. Ich habe schon so oft gesehen, dass an Nr. 1 gesetzte Teams gescheitert sind“, so Sanabia.

Und gesehen hat er eine Menge, spielte nach der MLB noch in Profiligen auf der ganzen Welt. Was war für ihn die schönste Zeit? „Natürlich als ich den Sprung in die Major League geschafft habe, davon träumt jeder. Aber auch die Zeit in Tijuana in Mexiko war für mich etwas ganz Besonderes“, berichtet der Weltenbummler in Sachen Baseball. Da überrascht es, dass Europa bisher noch nicht auf seiner Route war. „Ich habe vor ein paar Jahren mal das Münchner Oktoberfest besucht, aber ich spiele nun zum ersten Mal in Deutschland, überhaupt in Europa“, so Sanabia.
Von Europa begeistert
Und diese Zeit genießt er. „Es gibt hier so viel zu sehen und unterschiedliche Kulturen“, sagt der US-Boy, der neben den Klassikern wie Schloss Neuschwanstein, Kölner Dom oder vor der Haustüre Nördlingen auch Reisen nach Belgien, Österreich, Ungarn und Griechenland einschieben konnte.
Ebenso gefällt es ihm in Heidenheim und bei den Heideköpfen. „Der Club ist großartig, Klaus macht einen tollen Job und es ist wie eine Familie“, schwärmt Sanabia, für den ein System mit weitgehend ehrenamtlichen Mitarbeitern etwas völlig Ungewohntes ist. „In den USA gibt es in jedem Bereich jemanden, der hauptberuflich zuständig ist. Für mich sind hier Leute wie Warm-up-Catcher und Platzwart Christoph Valentin, der so viel macht, oder Gary Owens Frau Olga, unsere Physiotherapeutin, die wahren MVPs (Most Valuable Player).“
Rückkehr im kommenden Jahr?
Und nicht zuletzt begeistert ihn das Essen: „Ich liebe Spätzle und ich liebe Spezi“, sagt er lachend, hat auch Kaiserschmarrn und Cappuccino für sich entdeckt. Zu Hause nachkochen will er die Gerichte aber nicht. „Ich muss mal schauen, ob ich Restaurants mit deutscher Küche finde, aber das wird bestimmt nicht ganz gleich schmecken“, vermutet Sanabia, dem anzumerken ist, wie wohl er sich hier fühlt. Ist dann ein zweites Jahr in Heidenheim denkbar? „Ich verdiene mit Baseball mein Geld, werde über den Winter in Australien oder Puerto Rico spielen, aber ja: Wenn es für den Club passt, würde ich nächstes Jahr sehr gerne wiederkommen.“
Heimspiele gegen Paderborn
Die Baseballsaison 2026 geht in ihre entscheidende Phase: Am Wochenende empfangen die Heidenheim Heideköpfe die Paderborn Untouchables zum Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft. Spiel eins ist am Samstag um 18 Uhr, die zweite Partie folgt am Sonntag um 13 Uhr im Hellensteinenergie-Ballpark.
Nach dem Vorgeplänkel in der Interleague, in der sich Paderborn und Heidenheim die Siege teilten (14:9, 6:13, 3:4 und 9:7 aus Sicht der Heideköpfe), beginnen nun die Ausscheidungsspiele um den Meistertitel. Wer zuerst drei Siege hat, setzt sich durch. Den Auftakt machen die zwei Begegnungen in Heidenheim, bevor dann am 22./23. August in Paderborn die Entscheidung fällt.
