Regionalliga Bayern

Im Interview: So erlebt der ehemalige FCH-Torhüter Vitus Eicher den Neuaufbau bei 1860 München

Mittendrin, nicht nur dabei! Vitus Eicher, der von Januar 2017 bis Juni 2025 beim 1. FC Heidenheim unter Vertrag stand, hat seine sportliche Laufbahn für seinen Heimatverein 1860 München verlängert. Im Interview erzählt der 35-Jährige von viel Unklarheit, einer inneren Stimme und Nachrichten aus dem Torwartteam des FCH:

Als Torhüter Nummer zwei war Vitus Eicher 8 1/2 Jahre ein wichtiger Teil des 1. FC Heidenheim – und ist mit diesem in die Bundesliga aufgestiegen. Zwar hat Eicher nur zwölf Pflichtspiele für den FCH absolviert,
war aber bei Mitspielern und Verantwortlichen sehr hoch angesehen. Jetzt steht er wieder bei 1860 München in der Regionalliga Bayern zwischen den Pfosten.

Herr Eicher, wie war es für Sie, als die Meldung kam, dass es bei 1860 München Probleme mit der Finanzierung gibt?
Vitus Eicher: Das war für die meisten ein Schock! Es herrschte viel Unklarheit. Darüber, wie es weitergeht. Oder, ob es überhaupt weitergeht. Und falls ja, in welcher Liga? In dieser schwierigen Phase für den Verein, in der es keine klare Aussicht gab, haben trotzdem alle Beteiligten einen super Job gemacht. Das war wirklich nicht einfach.

Wie war die Situation für Sie persönlich?
Ursprünglich war ausgemacht, dass ich im Torwart-Trainerteam der U21 weitermache. Etwas später wurde ich gefragt, ob ich es mir vorstellen könnte, selbst zu spielen. Ich hatte mir eine kurze Bedenkzeit von ein, zwei Nächten erbeten, mich aber dazu entschieden, dass ich es machen möchte. Schließlich ist es eine besondere Konstellation. 

Vitus Eicher bei der Aufstiegsfeier des 1. FC Heidenheim. Foto: FCH

1860 München ist ihr Heimatverein.
Ja, der Verein, bei dem ich groß geworden bin, mein Herzensverein. Klar, mit dem 1. FC Heidenheim habe ich einen zweiten Herzensverein. Aber natürlich hat es mich unheimlich gereizt, für die Löwen wieder im Tor stehen zu dürfen. Es ist ja eine gewisse sportliche Romantik, die meine Rückkehr mit sich bringt.

Hatten Sie auch Bedenken?
Mir war klar: Wenn ich’s mache, dann zu 100 Prozent. Dann möchte ich alles investieren. Aber es gab auch eine kleine Stimme in meinem Kopf, die gefragt hat: Bekommst du das noch einmal hin?

Bei wie viel Prozent seines Leistungspotenzials ist der Torhüter Vitus Eicher gerade?
Mit der Angabe einer Zahl tue ich mir schwer. Im Torwarttraining bin ich richtig gut drin. Wobei meine Pumpe da ordentlich pocht. Spiele sind etwas anderes. Da sind die Abläufe noch nicht so, wie ich es mir wünsche. Es geht um Spielfitness und Spielpraxis. Insgesamt bin ich aber mit dem Stand, auf dem ich aktuell bin, zufrieden. Ich mache viele Zusatzeinheiten, zusätzliche Sachen wie Stabi, bin im Kraftraum oder kümmere mich um die Regeneration. Das meine ich mit zu 100 Prozent. Denn das bedeutet auch, dass ich jetzt zum Beispiel weniger Zeit für meine Familie habe. Aber da habe ich die volle Unterstützung meiner Frau. Zusammen bekommen wir das gewuppt. (lacht)

In erster Linie pack’ ich mir jedes Mal an den Kopf, wenn ich sehe, was unsere Fans abreißen.

Vitus Eicher, Türhüter des 1860 München, über die herrschende Euphorie

Was ist das für ein Gefühl, wieder für 1860 München auflaufen zu dürfen?
In erster Linie pack’ ich mir jedes Mal an den Kopf, wenn ich sehe, was unsere Fans abreißen. Einfach diese Positivität und Euphorie direkt mitzubekommen, die jetzt rund um den Verein herrscht. Bei unserem ersten Saisonspiel in Schweinfurt haben uns 6000 Fans begleitet. Im ersten Heimspiel gegen Augsburg II war das Grünwalder Stadion mit 15000 Fans ausverkauft. Der Wahnsinn! Das war nicht immer so, es gibt ja verschiedene Phasen. Aber das ist ja ein Phänomen bei 1860: Nach jedem Tiefschlag rückt man enger zusammen.

Sie spielen zusammen mit Florian Niederlechner, der einst auch beim FCH gespielt hat…
Ja, es ist echt super, dass Flo dabei ist. Überhaupt haben wir einen qualitativ guten Kader mit einem guten Mix aus jungen und erfahrenen Spielern. Wir hatten als Mannschaft aber kaum eine Vorbereitung und spielen erst kurz zusammen. Auch deshalb liegt es an uns Erfahrenen, in dieser Situation voranzugehen.

Vitus Eicher zusammen mit FCH-Trainer Frank Schmidt. Foto: FCH

Was sagen die ehemaligen Mitspieler vom FCH dazu, dass Sie ihr Comeback auf dem Feld geben?
(lacht) Klar, da kamen schon einige Nachrichten aus Heidenheim. In erster Linie freuen sich die Jungs mit mir. Und aus der Torwartriege kam die Aussage: Jawohl, der Eicher greift noch einmal an. Das hat mich sehr gefreut.

Die Saison ist noch jung, aber wie geht es danach bei Ihnen weiter?
Mein Engagement ist tendenziell auf zwei Jahre ausgelegt. Aber natürlich mache ich mir Gedanken darüber, wie es nach meiner aktiven Karriere weitergehen kann. Ich habe die B-Lizenz gemacht und mache zwei Torwarttrainerlizenzen in den kommenden zwei Jahren. Dann werden wir sehen, was kommt.