Kommt vom VfB Stuttgart

Geliehene Qualität: Warum die Verpflichtung von Leonidas Stergiou in die kurzfristige Transferstrategie des FCH passt

Der 1. FC Heidenheim hat mit Leonidas Stergiou seine in der Hinrunde löchrige Abwehr verstärkt. Der Verteidiger kommt vom VfB Stuttgart auf den Schlossberg und passt als vierter Leihspieler in dieser Saison in die bewährte Transferstrategie der Heidenheimer. Die Leihgeschäfte brachten dem FCH in der Vergangenheit Erfolg, haben aber auch eine Kehrseite.

Der 1. FC Heidenheim kämpft nicht nur auf dem Rasen um den Klassenverbleib, sondern auch auf dem Transfermarkt um neue Spieler: Mit Leonidas Stergiou präsentierte der Fußball-Bundesligist am Donnerstagnachmittag bereits den dritten Neuzugang im Wintertransferfenster. Der 23-Jährige wechselt auf Leihbasis bis zum Saisonende vom VfB Stuttgart an die Brenz. Mit der Verpflichtung reagiert der FCH auf die durchgehenden Probleme in der Defensive. Als einziges Team in der Bundesliga schaffte es der FCH in der zurückliegenden Hinrunde nicht, eine Partie ohne Gegentor zu beenden, und kassierte mit 38 Treffern die meisten ligaweit. „Wir sind überzeugt davon, dass Leo uns in der aktuellen herausfordernden Situation mit seiner fußballerischen Qualität sowie seiner Einstellung auf dem Platz sofort weiterhelfen kann“, sagt Vorstandschef Holger Sanwald zu der Neuverpflichtung.

Der Verzweiflung nah: Arijon Ibrahimovic war im Auswärtsspiel am Dienstagabend beim FSV Mainz 05 der beste Spieler auf dem Rasen. Den Absturz ans Tabellenende konnte der 20-Jährige aber nicht verhindern.

FCH am Tabellenende: Trainer Frank Schmidt und Kapitän Patrick Mainka ziehen schonungsloses Hinrundenfazit

Schlusslicht mit zwölf Punkten: Bei der Niederlage im Abstiegsduell beim FSV Mainz 05 offenbarte der 1. FC Heidenheim die gleichen Schwächen wie im Verlauf der gesamten Hinrunde. Trainer Frank Schmidt und Kapitän Patrick Mainka sprachen die Mängel in der Offensive wie in der Defensive deutlich an. Zwei Gewinner gab es in der ersten Saisonhälfte aber trotzdem:
more
Heidenheim/Mainz
Niederlage in Mainz

Stergiou kommt als Soforthilfe vom Neckar an die Brenz und könnte somit schon beim Auswärtsspiel des FCH am Samstag, 17. Januar, in Wolfsburg (15.30 Uhr) sein Debüt feiern. Am vergangenen Dienstag wurde der Schweizer Nationalspieler bei den Stuttgartern noch beim 3:2-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt in der Schlussphase eingewechselt. Die Einsatzdauer war bezeichnend für seine Situation beim Ligakonkurrenten des FCH. Die sieben Spielminuten waren die einzigen in dieser Saison in der Bundesliga, hinzu kommt noch ein Kurzeinsatz im DFB-Pokal. Für die zweite Mannschaft des VfB absolvierte er fünf Partien in der 3. Liga. In den Spielzeiten zuvor stand er für den VfB 28-mal in der Bundesliga auf dem Rasen und spielte fünfmal in der Champions League. Für seinen Ausbildungsverein FC St. Gallen absolvierte er 139 Partien in der ersten Schweizer Liga. „Mit Leonidas Stergiou gewinnen wir einen Spieler für unsere Abwehr hinzu, der die Bundesliga genau kennt und, trotz seines nach wie vor jungen Alters, schon über beachtliche Erfahrung verfügt“, sagt Sanwald.

Frans Krätzig wechselte vor einem Jahr zum 1. FC Heidenheim und überzeugte sofort in der Bundesliga. Dennis Straub

Dass der rechte Außenverteidiger, der auch die Rolle des Innenverteidigers bekleiden kann, bei den Stuttgartern auf das Abstellgleis geraten war, lag vornehmlich an der Verletzungshistorie in den vergangenen beiden Jahren. Im vergangenen Mai zog er sich einen Syndesmosebandriss im Sprunggelenk zu, fiel monatelang aus und verpasste auch die gesamte Sommervorbereitung. Zuvor bremsten ihn kleinere Verletzungen aus. Davon wieder vollkommen genesen, möchte er jetzt wieder durchstarten. „Ich freue mich sehr über diese Leihe innerhalb der Bundesliga. Es ist für mich eine große Chance, wieder regelmäßig Spielpraxis zu sammeln und dem FCH dabei zu helfen, dass uns der Klassenerhalt am Saisonende gelingt.“

Stergiou will sich mit starken Leistungen beim FCH für die WM empfehlen

Für Stergiou ist Einsatzzeit in den kommenden Monaten die Grundlage, um sich den Traum von einer Teilnahme an der anstehenden Weltmeisterschaft zu erfüllen. Bei der EM in Deutschland absolvierte er drei seiner sechs Länderspiele für die Schweizer Nationalmannschaft. Um nicht auch die Rückserie in einer Nebenrolle mit wenig Einsatzzeit zu verbringen und damit die WM-Chance zu minimieren, war der Winterwechsel unausweichlich. Nur durch diese Zwickmühle kam der FCH ins Spiel, der zwar nicht die finanziellen Mittel für eine Festverpflichtung hat, dem Schweizer aber deutlich mehr Spielzeit bieten kann.

Kam per Leihe vom FC Bayern München: Paul Wanner setzte in der Vorsaison zahlreiche Glanzlichter. Dennis Straub

Und die Art der Verpflichtung passt in die Transferhistorie der Heidenheimer in dieser Saison. Stergiou ist nach den Verpflichtungen von Arijon Ibrahimovic (FC Bayern), Diant Ramaj (BVB) und Hennes Behrens (TSG Hoffenheim) der vierte Spieler, der auf Leihbasis von einem Topclub der Liga an die Brenz wechselt. Damit füllt der FCH kurzfristig Schwachstellen im Kader und erhöht damit die Chancen, im Abstiegskampf zu bestehen. Eine Alternative bleibt den Heidenheimern mit ihren begrenzten Mitteln auch nicht. Und in der Vergangenheit ging dieses Modell mehrfach auf. Mit Eren Dinkci, Paul Wanner und Frans Krätzig spielten drei begehrte Talente beim FCH, die zu Leistungsträgern avancierten und einen erheblichen Anteil am Gesamterfolg der Mannschaft hatten.

Leihen gehören in der Bundesliga verbreitet zur Transferstrategie

Doch die Leihen haben auch eine Kehrseite: Die zusätzliche Qualität für die Vereine ist zeitlich begrenzt. Die Weiterentwicklung des Kaders über mehrere Jahre wird dadurch ausgebremst, die Kaderplätze für eigene Talente werden weniger. Der Weg ist in der Bundesliga mittlerweile ein gängiger, wie weitere Beispiele belegen. Der SV Werder Bremen liegt mit sieben Leihspielern vorn, dahinter folgen die Aufsteiger aus Hamburg und Köln mit jeweils fünf Leihen.

Leihgeschäfte finden aber nicht nur bei den Teams aus dem unteren Tabellendrittel statt. Selbst der Ligaprimus aus München verpflichtete im Sommer Nicolas Jackson vom FC Chelsea London auf Leihbasis, weil er sich das Geld für eine Festverpflichtung sparen wollte. Bei den Spitzenteams sind die Leihen eine Ergänzung in der Transferstrategie. Beim FCH und anderen Teams im Abstiegskampf sind sie nahezu alternativlos.