Die Enttäuschung nach der blamablen 2:5-Niederlage des 1. FC Heidenheim in der 1. Runde des DFB-Pokals beim Regionalligisten SSV Jeddeloh II war natürlich auch Holger Sanwald anzusehen. „Für uns ein extrem bitterer Nachmittag. Das war so nullkommanull zu erwarten gewesen“, sagte der Vorstandsvorsitzende nach der Partie. „In Berlin haben wir eine schlechte Leistung gezeigt, im Testspiel gegen die Bayern haben wir es richtig gut gemacht, zumindest in der ersten Halbzeit. Dass dann das Spiel gegen Jeddeloh so läuft, ist enttäuschend“, so Sanwald. „Ändern können wir das leider nicht mehr. Der DFB-Pokal ist ein verrückter Wettbewerb, jetzt hat’s uns auch mal getroffen.“
Jegliche Kritik, die man an der Mannschaft übe, sei berechtigt. „Unsere Leistung war wirklich sehr, sehr schlecht. Das müssen wir kritisieren, das können wir so auch nicht laufen lassen“, betonte Sanwald, der aber das große Ganze im Blick hat: „Ich mache mir wirklich große Sorgen, dass wir das in die richtige Richtung bringen“, erklärte der 59-Jährige im Hinblick auf die 2. Liga.
Insgesamt befinde sich die Mannschaft, der gesamte Verein in einer „für uns kritischen Situation“, mahnt Sanwald. Trotz aller berechtigter Kritik gehe es jetzt darum, zusammenzuhalten. „Wir müssen schauen, dass wir der Mannschaft die Unsicherheit, die in ihr drin ist, nehmen“, erklärte der Vorstandsvorsitzende mit Blick auf das anstehende Heimspiel am Samstag gegen Dynamo Dresden (13 Uhr). „Ein Heimsieg wäre für uns extrem wichtig, für die Psyche, für alles. Wir sollten die Mannschaft, die uns über viele Jahre hinweg begeistert hat, und jetzt eine ganz schwere Phase hat, unterstützen. Es geht nur gemeinsam. Ich hoffe, dass wir alle am Samstag als geschlossene Einheit auftreten.“
Dabei befindet sich der Kader im Umbau. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga war es relativ ruhig beim FCH, was Zu- und Abgänge betrifft. Neben den fünf Leihspielern wurden nur Omar Traore und Stefan Schimmer verabschiedet. Sonst waren alle Spieler zu Beginn der Saisonvorbereitung noch da, was so manch einen Beobachter überrascht haben mag. Zuletzt kam aber deutlich Bewegung rein. Womöglich hatten abwanderungswillige Spieler noch nicht das für sie richtige Angebot eines anderen Vereins vorliegen.
Es gibt einige Spieler, die etwas anderes machen wollen.
Holger Sanwald, Vorstandsvorsitzender des 1. FC Heidenheim
„Da möchte ich ganz ehrlich sein: Es gibt einige Spieler, die etwas anderes machen wollen“, erklärte Holger Sanwald und ordnete das in den Kontext des Ausscheidens aus dem DFB‑Pokal folgendermaßen ein: „Heute kam alles zusammen: Trainer gesperrt, Tim Siersleben gesperrt, Jonas Föhrenbach krank, Spieler, die weg möchten.“
So hatte Adrian Beck bereits im Kader gefehlt (parallel zur Vertragsunterschrift in Osnabrück). Zudem hatte unter anderem der „Kicker“ am Sonntagnachmittag darüber berichtet, dass Marvin Pieringer – der in der Startelf gegen Jeddeloh II stand – gerne zu Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn wechseln würde. Der Stürmer selbst wollte sich nach dem Spiel gegen Jeddeloh dazu nicht direkt äußern. Sanwald sagt aber: „Man wird sehen, wie sich das entwickelt.“
Der Kaderumbau vollziehe sich nach dem Abstieg doch noch. „Wenn Spieler weg möchten, versuchen wir, Lösungen zu finden. Es bringt uns nichts, sie zu zwingen, hier zu bleiben. Dann haben sie womöglich keine richtige Motivation. Das bringt uns gar nichts, wir wollen hier ausschließlich Spieler, die Lust auf den 1. FC Heidenheim haben“, erklärte Sanwald.
Es könnte jetzt eine intensive Woche werden.
Holger Sanwald, Vorstandsvorsitzender des 1. FC Heidenheim
Zugleich gehe es darum, dies als Chance zu sehen. Denn dem FCH gehe es auch darum, „frisches Blut reinzubringen“, so Sanwald, der das Interesse des FCH an Michael Heule vom FC Thun bestätigte. Der Außenverteidiger wird wohl in dieser Woche zum FCH stoßen. „Da sind wir auf einem guten Weg“, so der Vorstandsvorsitzende.
„Die Veränderungen zuletzt waren schon groß. Und es könnte jetzt eine intensive Woche werden“, so Sanwald im Hinblick auf das Ende der Transferphase am 1. September (20 Uhr).
