Was für eine Ära: Viele Jahre war Kevin Müller die unumstrittene Nummer eins beim 1. FC Heidenheim, mit dem er in die Bundesliga aufstieg. Hier feierte er mit dem Verein zweimal den Klassenerhalt – und spielte mit dem FCH international in der Conference League. „Kevin ist einer unserer verdientesten Spieler, dessen Karrierehöhepunkt eng mit unserem Vereinshöhepunkt verbunden ist“, macht auch Holger Sanwald um das Ansehen des Torhüters keinen Hehl. Dabei weiß der FCH-Vorstandsvorsitzende um die Beliebtheit Müllers bei Fans und im Verein selbst. „Das ist logisch und daran wird sich auch nichts verändern“, so Sanwald.
Doch etwas ist anders: Seit Sommer war der 34-jährige Müller nicht mehr die Nummer eins, sondern Diant Ramaj (24, ausgeliehen von Borussia Dortmund). Und seitdem Frank Feller (22) wieder zurück ist, war Müller sogar nur noch die Nummer drei im Torhüter-Ranking – und sitzt damit bei Spielen nur auf der Tribüne. Nach dem 1:1 des FCH beim VfL Wolfsburg betonte Sanwald nochmals, dass er hinter der sportlichen Entscheidung des Trainerteams stehe. Die Folge: „Wir haben sauber und korrekt besprochen, dass wenn Kevin etwas anderes machen möchte, wir ihm dann auf gar keinen Fall Steine in den Weg legen wollen“, so Sanwald, der von den Gerüchten, dass der FC Schalke 04 an Müller interessiert sei, zu diesem Zeitpunkt am Samstagnachmittag inoffiziell wusste.
Mit ihm direkt habe bis dahin noch niemand gesprochen, was aber normal sei. „Das muss aber auch nicht sein, weil ich ja im Wort stehe, dass wenn er etwas anderes machen möchte, dass er das machen darf“, erklärte der FCH-Boss, der anfügte: „Mein Einverständnis für Gespräche braucht Kevin nicht. Aber falls er sich mit einem Verein einigen sollte, kann es durchaus schnell gehen.“
Nur wenige Stunden später vermeldete „Sky“ am Sonntagmittag, dass Kevin Müller zu Schalke 04 wechseln werde und dass jetzt auch Verhandlungen zwischen den Vereinen schnell abgelaufen sein sollen und ein „positives“ Ende gefunden hätten. Demnach soll Müller bis Saisonende an Schalke 04 ausgeliehen werden, dem er als zweiter Torhüter hinter Loris Karius mit seiner Erfahrung im Aufstiegskampf der 2. Liga helfen soll.
Am Samstagnachmittag hatte Holger Sanwald erklärt, dass er Verständnis dafür habe, dass Müller in der sportlichen Situation, in der er beim FCH ist, etwas Neues probieren möchte. Der 58-Jährige hatte aber auch gesagt: „Wenn Kevin sagen würde, dass er um seine Chance beim FCH kämpfen will, wäre das auch absolut okay.“
Es vollzieht sich ein Generationswechsel.
Holger Sanwald, Vorstandsvorsitzender des FCH, zur Torhütersituation
Eine etwaige Unruhe wegen der Personalie Müller habe es innerhalb der Mannschaft nie gegeben, so Sanwald. „Dadurch, dass Kevin viele Jahre unsere Nummer eins war und es deswegen auch öffentlich Beachtung findet, ist völlig klar“, so der 58-Jährige, der aber betonte: „Es vollzieht sich ein Generationswechsel. Wir haben mit Diant Ramaj und Frank Feller zwei langjährige FCH-Spieler, denen die Zukunft gehört.“ Ähnlich sei es bei Marc Schnatterer gewesen. „Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem es Veränderungen gibt“, so Sanwald. Auch damals hätten viele gesagt: Wie könnt ihr nur? Der Vorstandsvorsitzende betont aber: „So bitter es auch aufgrund von Corona war, es war der richtige Zeitpunkt mit Schnatti damals.“
Könnte Diant Ramaj beim 1. FC Heidenheim bleiben?
Doch ist Ramaj nicht im Sommer wieder weg? „Das weiß man nicht“, verneinte Sanwald diesen Automatismus und deutete an, dass sich der FCH auch übers Saisonende hinaus um die Dienste Ramajs, dessen Familie in Stuttgart lebt, bemühen würde. Natürlich wären dann die Chancen des FCH umso größer, wenn er den Klassenerhalt in der Bundesliga schaffen würde.
Abzuwarten ist auch, wie es mit Kevin Müller nach Saisonende weitergeht. Der Vertrag des 34-Jährigen beim FCH läuft noch bis Sommer 2027. Laut „Sky“ sind für Montag, 19. Januar, der Medizincheck bei Schalke 04 und anschließend die Vertragsunterzeichnung geplant. (Update: Ein Vollzug könnte auch erst später gemeldet werden.)

