Ein Punkt also. Was ist der Wert, wenn man um den Klassenerhalt in der Bundesliga kämpft? Der 1. FC Heidenheim hätte doch auch drei holen können? Viel wichtiger als das 1:1 beim VfL Wolfsburg war aus Sicht des FCH aber die Tatsache, dass alte Muster durchbrochen wurden. So, wie es Trainer Frank Schmidt vor der Partie gefordert hatte.
So war der FCH bislang die Mannschaft, die gerne Gegentore in der Schlussphase der ersten Halbzeit kassierte. In der Vorrunde fielen sieben Gegentreffer ab der 40. Minute. In Wolfsburg aber stachen die Heidenheimer in dieser psychologisch wichtigen Phase selbst zu – erstmals in dieser Saison. „Jetzt haben nicht wir das Gegentor vor der Halbzeitpause bekommen, sondern haben selbst eins geschossen“, freute sich Mathias Honsak. Und Torschütze Adrian Beck erklärte: „Es ist schön, mal selbst mit einer Führung in die Pause zu gehen.“ Interessant dabei: Nur fünf seiner 17 Tore gelangen dem FCH in der ersten Halbzeit.
Die Grundlage des vor allem in der ersten Halbzeit so starken Auftritts bildete dabei die Defensive. „Wir sind kompakt und gut gestaffelt gestanden, etwas tiefer, statt zu sehr ins Gegenpressing zu gehen“, beschrieb Coach Schmidt. Auch in der Vorrunde hatten die Heidenheimer gute Ansätze bei der Arbeit gegen den Ball. Allerdings jeweils nur phasenweise. Auch in Wolfsburg geriet der FCH zwar stärker unter Druck – vor allem in der zweiten Halbzeit. Aber: „Die Jungs waren stabil“, lobte der Trainer, um einen entscheidenden Nachsatz zu liefern: „Heute hatte ich das Gefühl, dass wir endlich zu null spielen können.“
Dass dies nicht gelang, lag auch an der Klasse von Christian Eriksen, der den Eckball vor dem 1:1 in der 80. Minute traf. Der dänische Nationalspieler spielte dabei seine ganze Klasse aus. Trotz seiner 33 Jahre darf man nicht verkennen, dass er einst einen Marktwert (laut transfermarkt.de) von 100 Millionen Euro gehabt hat (während seiner Zeit bei Tottenham Hotspur).
Wenn sich auswärts ein Punkt scheiße anfühlt, dann haben wir eigentlich ein gutes Spiel gemacht.
So lautete der Grundtenor beim 1. FC Heidenheim zum 1:1 in Wolfsburg
Und obwohl es letztlich „nur“ ein Punkt war, allerdings in einem Spiel, in dem dem FCH nicht viele etwas zugetraut hätten, könnte dieser Auftritt eine psychologische Wirkung haben. Denn der Grundtenor bei den Heidenheimern lautete nach der Partie: Wenn sich auswärts ein Punkt scheiße anfühlt, dann haben wir eigentlich ein gutes Spiel gemacht. Die gezeigte Leistung zeigte, dass der FCH durchaus mithalten kann – wobei die Neuzugänge, die bislang in der Winterpause geholt wurden, noch gar nicht helfen konnten. Während in der Vorrunde die Hoffnung auf einen Klassenerhalt stets mit einem fast schon wie ein Alibi wirkenden Blick auf die Tabelle (und dass alle Teams unten eng beisammenstehen) begründet wurde, hatte man in Wolfsburg das Gefühl, dass das neue Selbstbewusstsein beim FCH von innen kommt, dem Glauben an die eigenen Stärken.
Kein Wunder also, dass man der Devise von Mathias Honsak für die Rückrunde Glauben schenken darf: „Wir wollen angreifen und eine Aufholjagd starten“, so der 29-Jährige. Ungeachtet dessen, dass jetzt mit RB Leipzig (im Heimspiel am Samstag, 24. Januar) und Borussia Dortmund (Sonntag, 1. Februar) zwei Gegner größeren Kalibers kommen, sagt Adrian Beck: „Wir hoffen, dass wir auch da punktetechnisch an das Spiel gegen Wolfsburg anknüpfen können.“


