Zwei Jahrzehnte für die Städtepartnerschaft: Monika Maelzer legt ihr Amt nieder
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er etwas erzählen. Im Falle von Monika Maelzers Urlaub in Frankreich im Jahr 1991 war es geradezu die Aufgabe, hinterher darüber zu erzählen. Der seinerzeitige Bürgermeister Gerhard Kieninger selbst war es, der um Berichte bat, zunächst aber darum, dass Monika Maelzer, seinerzeit Stadträtin, doch einen Ausflug nach Bages machen und sich ein wenig umsehen und umhören sollte. Denn Bages war auf der Suche nach einer Partnerstadt in Deutschland und war, angeregt durch die Verbindung der Volkshochschule in Niederstotzingen mit der Schule in Bages, deswegen an Niederstotzingen herangetreten.
Und Monika Maelzer machte sich auf den Weg, ausgestattet mit Französischkenntnissen, die zur Verständigung ausreichend waren, wenn nicht gerade die Vokabel für „Kläranlage“ gebraucht wurde, mit einer Mappe gespickt voll mit Informationsmaterial über Niederstotzingen, und einer großen Portion Neugier. Und Bages zeigte alles, was wichtig ist, und das sind vor allem die Weinstuben: „Es war sehr heiß, und der Alkohol hatte es in sich“, erinnert sich Monika Maelzer lachend daran. Und daran, dass der Bann damit sehr schnell gebrochen war, insbesondere als sie erzählte, dass auch Bürgermeister Kieninger Wein zu schätzen wisse.
Viele Freundschaften entstanden
Entsprechend werden dann auch die Berichte Kieninger ausgefallen sein, denn bekanntermaßen haben die Pläne mit der Städtepartnerschaft ja bestens funktioniert. Bereits im Herbst auf dieser Urlaubsreise besuchte eine Abordnung aus Bages seine künftige Partnerstadt. Und sie erlebte ein sorgsam zusammengestelltes Beiprogramm, wobei besonders die Tombola die französischen Gäste begeisterte. Vor allem aber erlebte sie die Menschen: „Es war so lustig. Wir haben uns alle auf Anhieb verstanden“, so Maelzer, „ob mit oder ohne Französischkenntnisse. Es geht alles, wenn man sich verstehen will“.
Monika Maelzer war aber nicht nur daran beteiligt, das erste zarte Pflänzchen zu setzen, sondern sie war nicht zuletzt als Leiterin des Arbeitskreises Städtepartnerschaft maßgebend dafür zuständig, dass dieses sich zu einem sehr stabilen Gewächs entwickelte, das weiterhin wächst und treibt. Den regen Austausch, der zwischen den Bürgern beider Städte entstand, ist damit auch Maelzers Wirken zu verdanken, die es verstand, ihre Mitbürger und Mitstadträte für diese Idee zu begeistern und dazu zu bringen, sich ebenfalls einzusetzen. So fanden sich auch immer Privathaushalte, die bereit waren, Besuch aus Bages unterzubringen, wenn die Stadthalle und Villa Kaleidos nicht ausreichten. Und viele Hände, die ihr halfen, all das zu organisieren. „Ohne das wäre es nicht gegangen“, so Maelzer, „und so sind auch viele Freundschaften entstanden.“
„Meister im Improvisieren“
Gut in Erinnerung hat sie noch den anfänglichen Kultur-Clash, für den die Begegnungen sorgten: „Mehrere Gerichte auf einem Teller, das gibt es bei den Franzosen nicht. Da wird jedes Gemüse zum eigenen Gang erhoben und das Essen richtig zelebriert“, schmunzelt Maelzer, die auch lächelnd einräumt, man habe dort gelebt wie sprichwörtlich Gott in Frankreich. Auch wenn deutsche Ansichten über Organisation dort völlig fehl am Platze sind: „Die Franzosen sind einfach Meister im Improvisieren. Die können aus dem Nichts ein ganzes Fest veranstalten“, so Maelzer anerkennend. Und während man in Niederstotzingen beispielsweise zum Frühstück alles auftischte, was auch nur ansatzweise begehrt werden könnte, so genügte den Franzosen ganz unkompliziert die Kombination Croissant, Baguette, gern in der Tüte auf den Tisch gestellt - Marmelade und Butter – letztere freilich nicht ohne Buttermesser, so viel an Regeln muss sein.
Aus den vielen Erinnerungen, die Monika Maelzer aus dem lebendigen Austausch mit der Partnerstadt und den vielen Besuchen hier wie dort hat, ragt besonders eine hervor: Anlässlich der 650-Jahr-Feier wurde gemeinsam ein Friedensbaum gepflanzt. „Dazu haben wir dann gemeinsam ‚We are the world‘" gesungen. Da kriege ich jetzt noch Gänsehaut“, berichtet Monika Maelzer.
Mit Bundesverdienstorden ausgezeichnet
Vier Bürgermeister in Bages hat sie erlebt, und in Niederstotzingen fand sie nach Kieninger auch in Marcus Bremer stets ein offenes Ohr und Engagement. Zwanzig Jahre lang hatte sie die Leitung des Arbeitskreises inne, nun legt die mittlerweile 79-Jährige die Leitung in jüngere Hände. Freilich nicht ohne die Zusicherung, als Ansprechpartnerin weiterhin für die Städtepartnerschaft, die auch ein wenig ihr Baby ist, da zu sein. In der Hauptversammlung des Arbeitskreises wurde sie daher feierlich verabschiedet-.
Für ihr Engagement wurde Monika Maelzer mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Denn nicht nur für die Städtepartnerschaft hat sie sich mit viel Leidenschaft eingesetzt. Sie war im Elternbeirat tätig, Stadträtin von 1989 bis 2009, Förderin und stellvertretende Vorsitzende des Förderkreises Niederstotzinger Musiktage und Mitinitiatorin und Organisatorin des Rosenmarktes. Den sie genau wie Lindenfest und Marktplatzfest und was sonst noch alles im Städtle geboten ist, gern verfolgt und wenn es die Gesundheit zulässt, besucht: „Ich wohne ja schließlich hier an der Partymeile.“
