Ramadan

Warum das traditionelle Fastenessen in Niederstotzingen genau zur rechten Zeit kam

Inzwischen hat sich der gemeinsame Iftar-Abend mit Fastenessen des Fördervereins Aktiv in Niederstotzingen etabliert. In der Stadthalle kamen am Samstagabend wieder Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Religionen dafür zusammen.

Zwar findet das interkulturelle Fastenessen bereits seit einiger Zeit alljährlich in Niederstotzingen statt, aber ein so passender Zeitpunkt wie 2026 wurde wohl noch nie dafür gewählt: Am Mittwoch begann die 40-tägige christliche Fastenzeit, am Donnerstag der muslimische Fastenmonat Ramadan und am Samstag fand dann das Fastenessen in der Stadthalle statt.

Ausgerichtet wurde die Veranstaltung von der Niederstotzingerin Emine Basaran, ihren Freunden und den Helfern des Fördervereins Aktiv mit Sitz in Günzburg, der sich auf verschiedene Weise sozial engagiert und für Bildung einsetzt, zum Beispiel durch Angebote wie Integrationskurse, Sprachcafés, Fußballturniere, Lesezirkel, Ausflüge und Zeltlager.

Das Fastenessen in Niederstotzingen hat ebenfalls einen Bildungsaspekt, so werden zum Beispiel grundlegende Aspekte des Ramadans kurz vermittelt, aber hauptsächlich soll es ein geselliges Zusammensitzen sein. Zu diesem Zwecke gab es am Samstagabend auch eine rudimentäre Sitzordnung, die dazu führte, dass an jedem Tisch immer zumindest ein paar Gäste saßen, die sich vorher noch nicht kannten.

Wirklich Gelegenheit zum Reden gab es für die circa 170 Anwesenden aber erst nach dem offiziellen Programm, das mit einem Grußwort von Bernd Hägele, Niederstotzingens stellvertretendem Bürgermeister, begann: Er bezeichnete den Ramadan als „Zeit der Versöhnung“. Dieses Ziel könne man am besten erreichen, wenn man „im kleinen Rahmen anfängt“, also auf der zwischenmenschlichen Ebene. Die diesjährige Überschneidung der muslimischen und christlichen Fastenzeit helfe dabei, auf die Gemeinsamkeiten der abrahamitischen Religionen, also Christentum, Islam und Judentum, zu schauen.

Gemeinsamkeiten betont, nicht Unterschiede

Weiter in das Thema des Abends führten Moderatorinnen Emine Basaran und Bärbel Noller im Dialog. Basaran hob die Vorteile des Fastens während des Tages, wie es viele Muslime im Ramadan tun, für Körper und Geist hervor. Der Verzicht auf Essen und Trinken schade kranken Zellen mehr als gesunden, zudem wirke er entzündungshemmend.

Ebenso wichtig sei der mentale Effekt, denn der Geist werde geschärft, „zumindest wenn man bewusst fastet“. Basaran sprach sich dagegen aus, zu fasten, wenn man einfach nur die Zeit absitze oder zu Tricks greife. Deutsche Freunde hätten einmal zu ihr gesagt: „Mach doch einfach den Rollladen zu, dann ist es auch dunkel“, berichtete Basaran mit einem Lachen. Noller steuerte das Beispiel der Maultaschen bei, die der Legende nach ebenfalls erfunden wurden, um Gott zu täuschen.

Im Anschluss erklärte Noller das christliche Fasten, das nicht verpflichtend ist, und bei dem sich der Selbstverzicht auch nicht immer auf Essen und Trinken bezieht. „Das kann alles Mögliche sein, auch eine Pause von Netflix und Instagram, wenn man damit ansonsten viel Zeit verbringt.“ Gemeinsam essen, wie es Muslime nach Sonnenuntergang und am Ende des Fastenmonats tun, würde man bei den Christen nach dem Frühgottesdienst an Ostern ebenfalls.

Eben jenes gemeinsame Essen ist laut Basaran einer der schönsten Aspekte der Fastenzeit. „Das Fasten ist eigentlich zwischen Gott und mir, aber es fördert auch die Gemeinschaft.“ Das würde man auch an jenem Tag in der Stadthalle sehen, in der alle trotz unterschiedlicher Meinungen und Überzeugungen gemeinsam am Tisch sitzen würden.

Noller schloss sich diesem Gedanken an und sagte, dass in der Öffentlichkeit und den Medien oft darüber gesprochen werde, was Menschen voneinander trennt. „Uns ist es heute wichtig, das Verbindende zu suchen.“ Nach dem muslimischen Gebetsruf und einem gemeinsamen Gebet von muslimischer, katholischer und evangelischer Seite durften die Besucherinnen und Besucher genau das bei einem ausufernden Abendessen tun.