Die Temperaturen kamen gerade mal in die Nähe von 20 Grad, nachts kühlte es empfindlich ab, und ein paar Mal goss es wie aus Kübeln: Das 2Takt-Festival hatte am Wochenende unter der zwingenden Logik zu leiden, dass auch ein Rekordsommer irgendwann ins Herbstliche kippen muss.
Die Lauf- und Fahrwege auf dem Campingplatz zwischen Nattheim und Fleinheim glichen Schlammpisten, etliche Fahrzeuge mussten von Traktoren herausgezogen werden, viele Besucher zogen die Gummistiefel an oder blieben gleich gänzlich ohne Schuhwerk.
Drückte das Wetter die Stimmung? „Die Atmosphäre leidet schon ein bisschen“, räumte Yannek Maunz ein. Er ist der Sprecher des Veranstalter-Kollektivs Whild Stage und bestückt in dieser Funktion auch die Social-Media-Kanäle des Festivals. Eine Veranstaltung wie 2Takt lebe von Sonne und strahlender Helligkeit und lauen, durchtanzten Nächten. Gleichwohl: Es war nicht der erste Regen, den das Festival in seiner Geschichte erlebt hat, man hat da eine gewisse Routine.
Bewusster Schritt zurück
Von Trübsal war am Samstagnachmittag denn auch nichts zu spüren. Im „Krachgarten“, einem der neuen Angebote dieses Jahres, tanzten viele, auch vor der großen Bühne lockerten die ersten die Gelenke.

Nachdem das 2Takt 2025 zum bislang größten Festival des ehrenamtlichen Teams geworden war, gab es dieses Jahr einen ganz bewussten Schritt zurück: eine große Bühne weniger, das Ticket-Kontingent wurde verkleinert, bei den Künstlerinnen und Künstlern gab es weniger große Namen. Man kehrte zurück zu den Wurzeln des Festivals – die allem Anschein noch sehr vital sind.
Maunz zufolge äußerten die Besucherinnen und Besucher dafür ganz überwiegend Verständnis. „Es ist wieder familiärer, das tut der Crew gut und damit auch dem Publikum“, sagt er. Auch der rund einwöchige Aufbau habe sich wieder weit entspannter gestaltet als noch vor einem Jahr: Es gab weniger aufzubauen und das durch Freiwillige verstärkte Team konnte ohne allzu großen Druck die Voraussetzungen für das Vergnügen von bis zu 1500 Gästen schaffen.

Von Budapest nach Fleinheim
Maunz beschreibt das Kollektiv wie einen Organismus. Aus den kleinen Anfängen vor mehr als zehn Jahren wuchs ein Festival heran, das in der Techno-Szene längst Strahlkraft hat. Zahlreiche frühe Mitstreiter hätten die Region im Laufe der Zeit zwar verlassen und neue Netzwerke aufgebaut – mit denen kämen sie aber auch immer wieder zurück auf die Ostalb. Hamburg, Berlin und andere deutsche Zentren markieren dabei nicht das Maximum: Ein Gast setzte sich laut Maunz in Budapest in den Flixbus und reiste elf Stunden lang nach Heidenheim und schließlich nach Fleinheim.

Verstärkt wurde dieses Jahr das sogenannte Awareness-Team, das sich um Besucherinnen und Besucher in Ausnahmesituationen kümmern soll. Dessen Einsatzgebiet reicht von Personen, die zu viel getrunken haben, über Menschen unter psychischer Belastung bis hin Personen, die Übergriffe erlebt haben. Das Awareness-Team war bereits 2025 im Einsatz, dennoch machten die Veranstalter nach dem Festival öffentlich, dass es zu einem sexuellen Übergriff gekommen sei. Dieses Jahr wurde das Team zwar mehrmals aktiv, von gravierenden Fällen wusste Maunz jedoch nichts zu berichten.
In einer ersten Festivalbilanz am Sonntagnachmittag zeigte sich Maunz sehr zufrieden mit dem Wochenende. Das Wetter habe am Samstag noch gut mitgespielt, die Stimmung auf dem gesamten Gelände sei „bombastisch“ gewesen. Im Laufe des Sonntags leerte sich nach und nach der Campingplatz, auch Teile der Infrastruktur wurden bereits abgebaut.
Offen für neue Aktive
Sprecher Yannek Maunz betont, dass der Verein Whild Stage für neue Aktive offen sei. Jeder könne etwas beitragen. „Du kannst nicht nichts“, sagt er und ergänzt, das gelte für Kreative ebenso wie handwerkliche talentierte Menschen.
