Leserbrief

In Nattheim wurde Bürokratie zum Stolperdraht

Leserbrief zu einer abgebrochenen Altpapiersammlung in Nattheim:

Man hört vielfach das Vorurteil, dass die jungen Menschen heute nicht mehr leistungsbereit sind. Der Kultur- und Jugendverein in Nattheim beweist immer wieder, dass das nicht der Realität entspricht. Egal, was es in der Gemeinde zu tun gibt, ob Kreisputzete oder Breamahock, immer sind sie mit vollem Einsatz dabei. Das muss man berücksichtigen, wenn man sich anschaut, was bei der letzten Altpapiersammlung passiert ist.

Die Sammlung findet seit vielen Jahren im Auftrag der öffentlichen Hand statt. Niemand kann behaupten, dass die Umstände – Ladungssicherung gestaltet sich in der Praxis hier tatsächlich schwierig – unbekannt sind. Nichtsdestotrotz hat das Konzept über Jahrzehnte funktioniert und den Vereinen eine zuverlässige Einnahmequelle geboten.

Die gleiche öffentliche Hand, die die Sammlung in Auftrag gibt, hat nun mit aller staatlichen Gewalt den weiteren Verlauf der Sammlung verhindert. Man muss sich mal in die Situation hineinversetzen: Der Fahrer des Fahrzeugs ist ehrenamtlich unterwegs, er macht nichts anderes als Hunderte vor ihm. Dann kommt die Polizei. Sie weist ihn zurecht, begleitet ihn auf einer kaum befahrenen Nebenstraße mit Blaulicht zur Abladestelle, um die akute Gefahr abzuwenden, und übergibt ihm anschließend eine Strafe und einen Punkt. Andere Fahrer, die noch in der Probezeit sind, flüchten gleichzeitig mit ihren Fahrzeugen auf Privatgrundstücke, um den Verlust des Führerscheins zu vermeiden. Klingt überzogen, ist aber leider genau so passiert. Die Botschaft an dieser Stelle ist eindeutig: Wer sich engagiert, ist unter Umständen am Ende der Depp.

In Nattheim musste jüngst eine Altpapiersammlung abgebrochen werden.

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In Nattheim musste eine Altpapiersammlung der Vereine abgebrochen werden. Grund waren offenbar Mängel bei der Ladungssicherung. Was ist Stand der Dinge?
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Nattheim
Interessenskonflikt?

So sehr ehrenamtliches Engagement in Sonntagsreden gelobt wird, zeigt dieses Beispiel die Realität in unserem Land. Während der Verein Verantwortung übernommen hat, beweist die öffentliche Hand zwar Zuständigkeit, aber gleichzeitig Verantwortungslosigkeit. Es werden Regeln geschaffen, die in der Praxis nicht umsetzbar sind. Dann wird zuerst weggeschaut, bis Wegschauen nicht mehr geht. Doch statt Verantwortung zu übernehmen, werden die Ehrenamtlichen zur Verantwortung gezogen.

Am Ende sieht man ein perfektes Beispiel an überbordender Bürokratie. Gott sei Dank zeigen viele andere staatliche Stellen mehr Augenmaß in der Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen. Es bleibt festzustellen, dass Bürokratie zwar wichtig ist, aber sie darf nicht zum Stolperdraht für diejenigen werden, die unsere Gemeinschaft tragen. Wenn Ehrenamtliche für ihr Engagement bestraft werden, während Behörden sich hinter Paragrafen verstecken, läuft etwas grundsätzlich falsch. Demokratie lebt vom Einsatz ihrer Bürger, nicht von Formularen. Regeln, die in der Praxis niemand erfüllen kann, sind keine Ordnung, sondern ein Risiko für das Vertrauen in den Staat. Bürokratie muss dienen, nicht herrschen.

Christian Prater, Nattheim