Mehr als ein Jahr lang war die Stelle der geschäftsführenden Pfarrerin der Kirchengemeinde Härtsfeld Süd für den Bezirk Nattheim-Ost/Fleinheim/Dischingen unbesetzt, nachdem sich Bernhard Philipp in den Ruhestand verabschiedet hatte. In der Zeit seit November 2024 kümmerte sich Karin Kuhn neben ihrem Zuständigkeitsbereich Nattheim-West und Oggenhausen überwiegend um die Belange der Gesamtkirchengemeinde.
Nun gibt es Entlastung: Sabine Hekmat heißt die neue geschäftsführende Pfarrerin für Nattheim-Ost, Fleinheim und Dischingen. Die Hermaringerin zog kürzlich gemeinsam mit ihrem Ehemann zurück in ihre Heimatgemeinde und bringt umfangreiche seelsorgerische Erfahrung aus der Großstadt mit. Zugleich verfolgt sie bereits das Ziel, das spätere Wirken ihrer Nachfolgerin oder ihres Nachfolgers bestmöglich vorzubereiten.
Wer ist Sabine Hekmat?
Die neue Pfarrerin auf dem Härtsfeld ist seit Anfang Januar im Dienst. Aufgewachsen ist Sabine Hekmat in Hermaringen, zur Schule ging sie in Giengen und Heidenheim. „Nach der Schule habe ich in Tübingen und Heidelberg studiert“, berichtet Hekmat. Anschließend übernahm sie eine Pfarrstelle in Urspring und Reutti (Gemeinde Amstetten) bei Ulm. Ab 2003 war sie in der Kranken- und Seelsorge an der Universitätsklinik Ulm tätig.
Im Jahr 2011 zog es Hekmat aus privaten wie auch beruflichen Gründen ins Rheinland. Bis zuletzt lebte sie in Köln und arbeitete als Pfarrerin in der Krankenhausseelsorge am Marien-Hospital in Euskirchen. „Dort habe ich sehr viel über das Leben, die Mitmenschen, aber auch über Fürsorge und das Leid der Menschen gelernt“, so die 63-Jährige.
Als ihr Ehemann vor zwei Jahren in den Ruhestand eintrat, dachte auch sie über eine Altersteilzeit nach. „Zu dieser Zeit habe ich jedoch mein Elternhaus in Hermaringen geerbt“, erklärt Hekmat. „Deshalb haben wir uns entschlossen, aus der Stadt zurück in die Heimat zu ziehen, um hier unseren Lebensabend zu verbringen.“ In diesem Zusammenhang erkundigte sie sich beim Dekanat nach offenen Stellen in der Region und erfuhr von der Lücke, die Bernhard Philipp hinterlassen hatte.
Im Laufe des vergangenen Jahres verschaffte sich Hekmat einen Eindruck von Gottesdiensten und kleineren Veranstaltungen in der Nattheimer Martinskirche sowie der Fleinheimer Petruskirche. „Als ich in der Martinskirche stand und durch die Fenster nach oben schaute, wusste ich: Diese Stelle möchte ich übernehmen“, erzählt Hekmat und spricht beinahe von einer Fügung. Nach ihrer erfolgreichen Bewerbung stellte sie sich dem Kirchengemeinderat vor. „Seit November leben wir nun wieder in Hermaringen und fühlen uns sehr wohl. Auch an meiner neuen Wirkungsstätte bin ich sehr herzlich aufgenommen worden.“
In Zukunft nur noch ein Pfarramt?
Bereits jetzt steht fest: Die Zeit, in der Sabine Hekmat als geschäftsführende Pfarrerin für den Bezirk Nattheim-Ost/Fleinheim/Dischingen zuständig ist, ist begrenzt. „Ich werde diese Stelle bis zu meinem Ruhestand im Jahr 2029 übernehmen“, sagt Hekmat. Zudem gibt sie einen Ausblick auf die Zukunft der Gesamtkirchengemeinde: „Da Karin Kuhn voraussichtlich im Jahr 2028 in den Ruhestand gehen wird, müssen wir frühzeitig alles für eine Nachfolge vorbereiten.“
Die aktuellen Planungen sehen vor, die beiden Seelsorgebezirke künftig zusammenzuführen. Damit würde die gesamte Kirchengemeinde Härtsfeld Süd von einem Pfarramt betreut werden, statt wie bisher von zwei. Als Gründe nennt Hekmat vor allem die Schonung personeller und finanzieller Ressourcen. „Natürlich ist noch vieles offen, wie die Zukunft nach unserem Weggang aussieht. Dennoch versuchen wir, so gut wie möglich vorzusorgen.“
Die Arbeit in der Heimat
Der Fokus liegt für Hekmat jedoch klar auf der Arbeit im Hier und Jetzt. „Ich möchte, dass Menschen zusammenkommen und sich wohlfühlen können“, betont die 63-Jährige. Aus ihrer Zeit in der Krankenhausseelsorge in Euskirchen möchte sie neue Perspektiven und Erfahrungen in ihre Arbeit einbringen und so die Seelsorge vor Ort nachhaltig stärken. Dabei ist ihr auch der ökumenische Austausch wichtig: „Ich habe beim gemeinsamen Kaffee Katholiken getroffen, die meinten, sie kämen von der anderen Seite. Für mich stimmt das nicht – und es entspricht auch nicht dem Sinn ökumenischer Zusammenarbeit“, sagt Hekmat. Den Dialog mit anderen Konfessionen empfindet sie als Bereicherung für ihre eigene Arbeit.
Sabine Hekmat zeigt sich weltoffen und zugewandt. Aktuelle Themen möchte sie bewusst aufgreifen und Menschen in allen Lebenslagen begleiten. Auch jungen Menschen sowie jenen, die der Kirche den Rücken gekehrt haben, möchte sie ein Angebot machen. „Die Kirche hat in den vergangenen Jahren viel Vertrauen verloren. Ich möchte einen sicheren Ort schaffen, dem die Menschen hier wieder vertrauen können und der einladend wirkt.“
Für Hekmat ist klar: Die Gesellschaft ist vielfältiger geworden, das Individuum steht stärker im Mittelpunkt, während die Kirche an Bedeutung verloren hat. „Ich möchte meine Erfahrungen aus meiner beruflichen Laufbahn hier einbringen“, sagt sie und fügt hinzu: „In Nattheim habe ich gespürt: Hier bin ich richtig.“
Die Investitur steht bevor
Im Jahr 2007 wurde die evangelische Gesamtkirchengemeinde Härtsfeld-Süd eingerichtet. Laut Homepage umfasst diese rund 3400 Mitglieder. Anfang des vergangenen Jahres fusionierten die selbstständigen Kirchengemeinden Oggenhausen, Nattheim und Fleinheim-Dischingen dann zur Kirchengemeinde Süd.
Am Sonntag, 25. Januar, erfolgt ab 15 Uhr der Investiturgottesdienst von Pfarrerin Sabine Hekmat. Dort gibt es beim anschließenden Empfang die Möglichkeit, die neue Pfarrerin besser kennenzulernen. Die Kirchengemeinde möchte ebenfalls die Vorstände der ansässigen Vereine einladen.

