Rüstungsindustrie

Warum Hensoldt in Oberkochen sich als gut gerüstet für die Zeitenwende sieht

Während andernorts über Krisen geklagt wird, feiert das MDAX-Unternehmen Rekorde am laufenden Band. So ist die Lage am Standort Oberkochen.

Details des Geschäftsjahres 2025 wird die Öffentlichkeit erst Ende Februar erfahren, wenn die Hensoldt AG ihre vorläufigen Geschäftszahlen veröffentlicht. Was allerdings absehbar ist: Die Bilanz wird überaus erfreulich für den Konzern ausfallen.

Während weite Teile der deutschen Industrie über Auftragsmangel und strukturelle Standortnachteile klagen, operiert das MDAX-Unternehmen wirtschaftlich in einer eigenen Liga. In Oberkochen, wo die Sparte Optronics angesiedelt ist, sorgt der hohe Auftragseingang der vergangenen Monate für eine Auslastung, die weit über das aktuelle Jahr hinausreicht.

Die im vergangenen Oktober präsentierten Neunmonatszahlen untermauerten bereits den Wachstumskurs: Damals wies der Konzern mit Sitz in Taufkirchen bei München ein Umsatzplus von knapp 20 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro aus. Entscheidend für die langfristige Planung ist jedoch der Auftragsbestand: Dieser belief sich bereits zu diesem Zeitpunkt auf mehr als sieben Milliarden Euro – ein Volumen, das laut Christina Canitz, Leiterin der Division Optronics, einen „historischen Schub“ markierte.

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Weiterhin neue Aufträge

Die Nachfrage reißt unterdessen nicht ab. Alexander Ogger, Unternehmenssprecher bei der Hensoldt AG, stellt fest: „Hensoldt verzeichnet weiterhin eine sehr robuste Nachfrage über alle Geschäftsbereiche hinweg. Der Auftragseingang hat sich auch im weiteren Jahresverlauf positiv entwickelt und bestätigt den im Markt erkennbaren Trend zu langfristigen Investitionen in sicherheitsrelevante Fähigkeiten.“

Drei neue Großaufträge, die den Standort Oberkochen betreffen, hat die Hensoldt AG seit dem Herbst kommuniziert:

1. Das Milliarden-Projekt „Luchs 2“: Im November 2025 erhielt Hensoldt den größten Einzelauftrag der Firmengeschichte für diesen Bereich. Für knapp eine Milliarde Euro rüstet das Unternehmen das neue Spähfahrzeug der Bundeswehr aus. Das Kernstück ist das Missionssystem Ceretron, eine digitale Architektur, die Sensordaten bündelt und mittels KI ein Lagebild erstellt.

2. Digitale Sicht für den Leopard 2 A8: Als Teil eines großen Pakets liefert die Sparte Optronics modernste Lösungen für die neue Leopard-Generation. Dazu gehören das Kommandanten-Periskop PERI RTWL, das Wärmebildgerät ATTICA GL sowie das Fahrersichtsystem Spectus II.

3. Aufklärungssysteme für den „Schakal“: Der Radpanzer „Schakal“ wird mit dem stabilisierten Überwachungs- und Aufklärungssystem BAA II ausgestattet. Dieses System identifiziert Ziele über große Distanzen und speist die Daten unmittelbar in das digitale Gefechtsfeld ein. Zusammen mit dem Leopard-Auftrag summiert sich dieses Volumen auf rund 400 Millionen Euro.

Das sind gewaltige Summen – doch wie viel der Wertschöpfung findet tatsächlich vor Ort in Oberkochen statt? „Der Standort Oberkochen spielt die zentrale Rolle in der Entwicklung, Industrialisierung und Fertigung digitaler Optronik-Lösungen“, sagt Alexander Ogger von der Hensoldt AG. Entsprechend werde ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung dort erbracht, „eingebettet in ein Hensoldt-weites Produktions- und Liefernetzwerk“.

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Campus in Oberkochen „bietet Skalierungsoptionen“

Aber wie kann Hensoldt dieses gewaltige Auftragsvolumen bewältigen? „Kapazitätsmanagement ist für Hensoldt ein integraler Bestandteil der strategischen Planung“, so Ogger, „militärische Beschaffungen sind sehr langfristig angelegt, Wachstum wird daher nicht kurzfristig, sondern mit einem entsprechenden Horizont antizipiert – sowohl personell als auch infrastrukturell.“

Der neue Optronik-Campus in Oberkochen ist das Kernstück dieser Planung. Laut Ogger ist der Neubau „auf diese Entwicklung ausgelegt und bietet entsprechende Skalierungsoptionen“. Gleichzeitig prüfe man laufend die Optimierung der Strukturen und Liegenschaften, um flexibel auf die anhaltend hohe Nachfrage reagieren zu können.

 Beim Spatenstich von links: Christian Ladurner (CFO Hensoldt), Martin Bächler (Projektleiter Redstone; Hensoldt), Rudi Mattes (Wochner Fertigbau) Tanya Altmann (zukünftige Geschäftsführerin Hensoldt Optronics), Thomas Kienle (Leonhard Weiss), Joachim Bläse (Landrat Ostalbkreis), Thomas Müller (CEO Hensoldt), Peter Traub (Bürgermeister Oberkochen), Andreas Hülle (Geschäftsführer Hensoldt Optronics), Winfried Mack (CDU-Landtagsabgeordneter) und Frank Berner (kab Architekten).

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Konzern will dieses Jahr 1600 Stellen besetzen

Die Inbetriebnahme des Campus ist bereits weit fortgeschritten: „Der neue Campus in Oberkochen befindet sich in der geplanten Umsetzung. Da der Umzug bei laufendem Betrieb erfolgen muss, gehen wir schrittweise vor, ebenso bei der Inbetriebnahme neuer Fertigungs- und Entwicklungsbereiche. Nahezu alle Einheiten arbeiten bereits in den neuen Strukturen, weitere folgen planmäßig“, so Ogger. Dieser reibungslose Übergang soll sicherstellen, dass laufende Programme ohne Einschränkungen fortgeführt werden können.

Allein in diesem Jahr will der Konzern 1600 Stellen besetzen, nachdem in den vergangenen Jahren bereits mehr als 3000 Mitarbeiter neu eingestellt wurden. „Der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte ist in der Region intensiv und uns bewusst. Hensoldt positioniert sich dabei als attraktiver High-Tech-Arbeitgeber mit klarer sicherheitspolitischer Relevanz, langfristiger Perspektive und technologischer Tiefe“, so Ogger.

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Kochertal ist „leistungsfähiger Innovationsstandort“

Neben klassischer Rekrutierung setzt das Unternehmen auf die gezielte Entwicklung eigener Talente und Kooperationen mit Hochschulen. Den direkten Wettbewerb mit dem Nachbarn Zeiss wertet man in Oberkochen eher als Qualitätssiegel für das Kochertal: „Die Nähe zu anderen starken Technologieunternehmen verstehen wir dabei nicht als Wettbewerb, sondern auch als Ausdruck eines insgesamt sehr leistungsfähigen Innovationsstandorts“, so Ogger.

Ende Februar wird sich zeigen, wie Hensoldt das Auftragsvolumen in Umsatz und Rendite verwandelt hat. Die Rahmenbedingungen am Märzenbuckel sind geschaffen: Der Campus ist bezogen und die Auftragsbücher sind auf Jahre hin gefüllt. Die „Zeitenwende“ hat Fakten geschaffen, die den Standort langfristig prägen werden.

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