Infrastruktur und Energieversorgung im Fokus

Wie der Verein „Heidenheim für Ukraine“ auch nach vier Jahren Hilfe im Kriegsgebiet leistet

Der Heidenheimer Verein „Heidenheim für Ukraine“ ist seit vier Jahren aktiv und inzwischen bundesweit bekannt. Was die Mitglieder im vergangenen Jahr geleistet und wie sie geholfen haben.

Vier Jahre sind vergangen, seit Russland die Ukraine überfallen hat. Seitdem dauert der Krieg an, der so unendlich viel Leid über die Menschen gebracht hat. Noch immer gibt es tagtäglich Angriffe, im Fokus stehen seit geraumer Zeit die Infrastruktur und die Energieversorgung in der Ukraine. Um die Menschen in dem Land zu unterstützen, wurde schon im März 2022 der Verein „Heidenheim für Ukraine“ gegründet. Im vergangenen Jahr lag einer der Schwerpunkte des Hilfsvereins beim Thema Energie.

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„Russland versucht, die Infrastruktur lahmzulegen und die Menschen in der Ukraine so zum Aufgeben zu zwingen. Gibt es keine Energie, keinen Strom, wird das Leben nur umso schwerer. Gerade deshalb liegt unser Fokus schon länger bei der Energie“, sagt die Vorsitzende des Vereins, Jasmin Glänzel-Seibold. Schon im Juni vergangenen Jahres habe man damit begonnen, ganz massiv um Geldspenden zu werben, die dabei helfen sollten, die notwendige Technik zu beschaffen. „Es ist uns tatsächlich gelungen, im letzten Transport des vergangenen und im ersten dieses Jahres insgesamt 94 Generatoren in die Ukraine zu bringen“, sagt Glänzel-Seibold mit spürbarem Stolz.

Trafen sich mit dem ukrainischen Botschafter Oleksij Makejew (2. von links): Heike Bruch (Voith Hydro), Jasmin Glänzel-Seibold und Matthias Seibold Heidenheim für Ukraine).

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Ukraine Recovery Conference

Autonomie dank Photovoltaik

Doch damit nicht genug: Der Verein sammelt auch alte Photovoltaikanlagen, die noch funktionstüchtig sind, aber nicht mehr benötigt werden. „Es ist uns gelungen, bei Unterföhring eine riesige Anlage zu bekommen, aber auch andere wirklich große Anlagen wurden schon gespendet. Unter anderem konnten wir damit dafür sorgen, dass ein Krankenhaus in der Ukraine jetzt autonom ist und die Stromversorgung trotz russischer Angriffe immer gewährleistet ist“, so die Vorsitzende. Insgesamt habe der Verein bereits 2000 Photovoltaik-Module in die Ukraine liefern können. Hinzu kommen noch einige Großgeneratoren, die mobil sind und auf diese Weise in unterschiedlichen Kliniken eingesetzt werden können. „Für zwei dieser Generatoren wurden extra Schutzräume gebaut, um sie sicher unterzubringen“, sagt Glänzel-Seibold.

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Schon 130 Hilfslieferungen

Neben Technik für die Energieversorgung liefert der rührige Heidenheimer Verein aber noch viele andere Hilfsgüter in die Ukraine. Da er inzwischen bundesweit einen sehr guten Ruf genießt, kommt es immer wieder zu größeren Sachspenden. „Erst kürzlich haben wir wieder die gesamte Einrichtung aus einem Altersheim in Essen bekommen, die wir in die Ukraine schicken können. Außerdem erhalten wir immer wieder ganze Klassenzimmer-Ausstattungen. All diese Dinge sind sehr wichtig, wenn wieder Gebäude ausgebombt wurden“, so Glänzel-Seibold. Geliefert werden die Hilfsgüter aus Heidenheim inzwischen in die gesamte Ukraine, der Fokus liegt jedoch nach wie vor auf den Gegenden an der Frontlinie.

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Hunderte Tonnen Hilfsgüter

Wie professionell der Hilfsverein arbeitet, ist an Zahlen zu erkennen: Seit dem Überfall auf die Ukraine wurden in 180 Fahrten 570 Tonnen Hilfsgüter transportiert. Hinzu kommen 16 Einsatzfahrzeuge wie ausgemusterte Feuerwehr-, Krankentransport- oder Rettungsfahrzeuge. Darüber hinaus konnten 15 Pkw und vier Transporter übergeben werde. „Wir haben zwar nur 112 Vereinsmitglieder, aber unglaublich viel mehr freiwillige Helfer, die sich einbringen und uns unterstützen“, so Glänzel-Seibold. Seit einigen Monaten stellt die Firma Hartmann dem Verein Lagerflächen zur Verfügung, „hier können wir im Trockenen unsere Transporte vorbereiten und Waren lagern. Das ist ein riesengroßer Vorteil und erleichtert uns vieles“, sagt die Vorsitzende.

Rappelvoller Saal: Der Andrang beim Benefizkonzert des Vereins Heidenheim-für-Ukraine.de e.V. am Montagabend in der Heidenheimer Stadtbibliothek war so groß, dass mancher auf dem Boden sitzen musste.

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Benefizkonzert mit „Forte Ukrainzi“

Mit den Transporten, die inzwischen über Speditionen abgewickelt werden, schickt der Verein natürlich auch Dinge des täglichen Bedarfs in das kriegsgeplagte Land: Lebensmittel und Kleidung spielen zwar eine untergeordnete Rolle, „nichtsdestotrotz rufen wir immer wieder bei entsprechender Bedarfsanfrage (z.B. aus Waisenhäusern oder Kinder-/Altersheimen) zu den jeweiligen Spenden auf“, so Glänzel-Seibold. Derzeit werde auch Tiernahrung dringend benötigt und den Transporten immer mitgegeben. „Medizinisches Material hat weiterhin eine hohe Priorität. Verbandsmaterial, und dergleichen schicken wir auf jedem Sattelzug mit. Genauso sammeln wir aus der gesamten Republik weiterhin Medizintechnik als Spenden ein, da etwa Ultraschallgeräte, aber auch Behandlungsliegen dringend in der Ukraine benötigt werden.“

Täglich kommen in der Heidenheimer Bühlstraße Spenden für die Ukraine an, die von hier aus weitergeleitet werden.

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Hilfe für überfallenes Land

In der Ukraine werden die Hilfsgüter dort verteilt, wo Bedarf herrscht. Das gute Netzwerk, das „Heidenheim für Ukraine“ aufgebaut hat, sorgt dafür, dass man in Heidenheim gut darüber informiert ist, welche Einrichtungen gerade was benötigen. Ein strenges Kontrollsystem sorgt auch dafür, dass die Güter tatsächlich am Ziel ankommen. „Diese Überwachung ist sehr wichtig, weil unser Ruf damit steht und fällt, dass nichts in dunkle Kanäle gelangt“, betont die Vorsitzende.

Die ukrainische Delegation nimmt das vom Heidenheimer Hilfsverein organisierte Feuerwehrfahrzeug in Empfang.

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Reaktion auf Hilferuf

Dass sich der Verein in so kurzer Zeit zu dem entwickeln würde, hätte sie nie gedacht. „Das ist vor allen Dingen den vielen Helfern, aber auch der sehr großen Spenden- und Hilfsbereitschaft zu verdanken“, sagt Glänzel-Seibold. Obwohl sie etwas anderes hofft, fürchtet sie, dass kaum absehbar ist, wann die letzte Hilfslieferung in die Ukraine Heidenheim verlassen wird.

Drei Standbeine

Die Arbeit des Vereins „Heidenheim für Ukraine“ finanziert sich komplett über Spenden und eigene Aktionen. So gibt es Unternehmen, aber auch Privatleute, die zur Finanzierung beitragen, außerdem gibt es viele Sachspenden. Von den Spendengeldern beschafft der Verein immer das, was gerade benötigt wird.

Das Spendensammeln und Verteilen von Hilfsgütern ist nur ein Standbein von dreien. Hinzu kommt die Hilfe für Flüchtlinge aus der Ukraine vor Ort, etwa wenn es um Integration, Behördenbegleitung oder Sprachkurse geht. Zahlreiche Geflüchtete sind auch im Verein aktiv und packen mit an.

Das dritte Standbein ist kultureller Art. Der ukrainische Chor hat sich inzwischen bundesweit einen Namen gemacht und tritt sehr häufig auf. Mit dabei ist immer eine Catering-Mannschaft, die bei den Auftritten ukrainische Spezialitäten anbietet. Auf diese Weise ist immer ein Tross von rund 50 Menschen zu den Chorauftritten unterwegs. Die Einnahmen daraus dienen ebenfalls zur Finanzierung der Hilfslieferungen.