Rückbau

Termin steht fest: Sprengung der Gundremminger AKW-Türme am 25. Oktober geplant

Im ehemaligen AKW Gundremmingen läuft der Rückbau. Am 25. Oktober, um 12 Uhr, sollen die mehr als 160 Meter hohen Kühltürme fallen. Zudem haben Vorarbeiten für den Bau eines Batteriegroßspeichers begonnen. Was sonst noch auf dem Gelände passiert – ein Überblick.

Auf dem Areal des ehemaligen AKW Gundremmingen laufen derzeit zahlreiche Projekte gleichzeitig. Neben dem Rückbau entstehen auch neue Gebäude. Und: Es sind neue Formen der Energieerzeugung geplant. Was genau auf dem Gelände, das nun Rückbauanlage Gundremmingen heißt, geschieht, hier im Detail:

Die Kühltürme

Bereits seit Monaten steht fest: Die beiden 161 Meter hohen Kühltürme sollen im Herbst 2025 gesprengt werden. Lange aber gab es dafür kein konkretes Datum. Am Mittwoch, 27. August, hat der Energiekonzern RWE nun den Termin verkündet: Am Samstag, 25. Oktober 2025 um 12 Uhr, soll die Sprengung stattfinden. Details zum Ablauf sind noch nicht bekannt. Darüber will RWE im Vorfeld zu gegebener Zeit noch informieren. Klar ist indes schon, dass der anfallende Schutt, rund 11.000 Tonnen, noch an Ort und Stelle zu Recycling-Schotter aufbereitet werden soll. Betreiber RWE plant, diesen Baustoff in Zusammenarbeit mit einem Aufbereitungsunternehmen selbst herzustellen und zu vermarkten. Dies sei bereits mit den Kühlturmeinbauten erfolgreich durchgeführt worden. In der Zwischenzeit wurden die Türme vielfach anderweitig genutzt – und zwar als Übungsobjekte. Wie die Günzburger Zeitung berichtet, haben dort in den zurückliegenden Monaten Bundeswehr, Feuerwehren und die Polizei trainiert.

Der Rückbau

Seit dem Abschalten des letzten verbliebenen Reaktors in Block C, Ende 2021, läuft in beiden Blöcken der Rückbau. Und er laufe „planmäßig“, so die Auskunft seitens RWE. Generatoren und Turbinen in beiden Maschinenhäusern seien bereits ausgebaut, in Block B wurde zudem der Speisewasserbehälter rückgebaut. In Block C seien die entsprechenden Arbeiten „so gut wie abgeschlossen“, so RWE. Ab 2026 können die letzten Brennelemente aus dem Abklingbecken von Block C in Castor-Behälter verladen und ins Zwischenlager gebracht werden. Danach kann mit dem Abbau der Sicherheits- und Kühlsysteme begonnen werden, die bis dato notwendig waren. Der gesamte Rückbau wird sich noch bis weit in die 2030er Jahre hineinziehen. Das benachbarte Zwischenlager mit den Castoren wird noch weit länger Bestand haben, denn eine Endlagerstätte ist nicht in Sicht.

So sieht es dort nicht mehr aus: Die Turbine im Maschinenhaus des Block B ist inzwischen rückgebaut. Catrin Weykopf

Logistikgebäude für „Konrad“-Abfälle

Beim Rückbau fallen neben den hoch radioaktiven, ausgedienten Brennelementen auch schwach strahlende Abfälle an. Dieses Material ist als schwach- und mittelradioaktiver Abfall eingestuft und wird in spezielle Fass-Behälter verpackt. Diese sollen später in dem ehemaligen Eisenerz-Bergwerk Schacht „Konrad“ bei Salzgitter endgelagert werden. Weil dieser allerdings frühestens zu Beginn der 2030er-Jahre in Betrieb gehen und erst dann beliefert werden kann, müssen die Behälter an Ort und Stelle zwischengelagert werden. In Gundremmingen soll dies im Transportbereitstellungs- und Logistikgebäude Gundremmingen (TLG) geschehen. Das 130 Meter lange Bauwerk, das derzeit neben dem Kühlturm von Block B auf dem Gelände der Rückbauanlage errichtet wird, soll Ende des Jahres in Betrieb genommen werden.

Verschiedene Abfallkategorien werden je nach Strahlung in unterschiedliche Behältnisse verpackt und gekennzeichnet. Hier ein Archivbild aus dem Rückbauzentrum von 2016.
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Material aus anderen AKW

Weil es in Deutschland weitere ehemalige Atomkraftwerke gibt, die rückgebaut werden, in denen aber nicht die gleichen Bearbeitungsmöglichkeiten wie in Gundremmingen bereitstehen, könnte künftig auch Material aus anderen Kraftwerken dort ankommen. Seitens RWE heißt es dazu, dass es sich um Material „in geringem Umfang“ handeln soll, das im Technologiezentrum Gundremmingen (TZG) bearbeitet werden kann. Hierzu habe man im Januar 2025 ein Genehmigungsverfahren beim bayerischen Umweltministerium, der zuständigen Atomaufsichtsbehörde, angestoßen, so RWE. Bislang gebe es keine konkreten Mengenanfragen anderer Standorte. Grundsätzlich gehe es um die Auslastung nicht genutzter Bearbeitungskapazitäten. Es handele sich vorrangig um metallisches Material, das von anderen Ex-AKW nach Gundremmingen angeliefert werden könnte.

Batteriespeicher

Ein gänzlich neues Projekt, das nichts mit dem Rückbau zu tun hat, ist ein geplanter Batteriegroßspeicher, der eine Kapazität von 700 Megawattstunden (MWh) und eine Stundenleistung von 400 Megawatt haben soll. Zum Vergleich: In Bollingstedt bei Flensburg ging im Juni der bisher größte deutsche Batteriespeicher mit 239 MWh in Betrieb. Der Gundremminger Speicher soll nahe des großen Personalparkplatzes im Nordosten des Geländes entstehen. Auf der Fläche wurde vergangene Woche mit der Baustelleneinrichtung und ersten vorbereitenden Erdarbeiten begonnen, so RWE auf HZ-Anfrage. Der Großspeicher soll dazu beitragen, schwankende Einspeisungen aus Solar- und Windenergie auszugleichen. Ab Baustart rechnet RWE mit einer zweijährigen Bauzeit, bis der Speicher in Betrieb gehen kann.

Solar- und Gaskraftwerk geplant

In direkter Nähe sowie in der Umgebung des Ex-AKW sind zudem weitere Projekte zur Energieerzeugung geplant. Zum einen besteht seit vielen Jahren das Vorhaben, ein Gaskraftwerk zu errichten. Vorgesehen ist eine 120-Megawatt-Peaker-Anlage, die einspringen soll, wenn Wind- und Solarenergie nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Ende 2026 könnte die Anlage in Betrieb gehen, so hatte der für den Rückbau zuständige RWE-Mitarbeiter Peter Tausend laut Donau Zeitung in der Sitzung des Wirtschafts- und Strukturbeirats des Landkreises Dillingen verkündet. Das Kraftwerk könne sowohl mit Erdgas als auch mit Wasserstoff betrieben werden. Zwischen Gundremmingen und Lauingen ist zudem der Bau eines 45-Megawatt-Solarparks geplant. Die Entscheidung dafür soll noch 2025 fallen, sodass die Anlage 2026 in Betrieb gehen könnte. Bürger aus Lauingen und Gundremmingen sollen von dort möglicherweise verbilligt Strom beziehen können.

Noch 420 werkseigene Mitarbeitende

Derzeit sind auf dem Kraftwerksgelände etwa 840 Mitarbeitende in den verschiedenen Bereichen tätig. Nach Angaben von RWE gehören 420 Personen der eigenen Belegschaft an. Die andere Hälfte seien Mitarbeitende des ständigen Fremdpersonals. Im Frühsommer 2025 wurden die letzten vier Auszubildenden freigesprochen. Damit endete das Ausbildungsprogramm im Kraftwerk, das 1992 initiiert worden war.