RUD konnte 2025 seinen 150. Geburtstag feiern. Das Metallunternehmen mit Hauptsitz in Unterkochen ist in mehr als 120 Ländern aktiv, beschäftigt rund 1700 Menschen und schreibt einen Jahresumsatz von mehr als 250 Millionen Euro. Regelmäßig wird RUD als Weltmarktführer im Bereich Ketten und Kettensysteme gelistet.
Zum Ende des Jubiläumsjahres erlaubt die Firma, die ihren Hauptsitz „Friedensinsel“ nennt, einen Einblick in ihre Arbeit. In einem Dossier kommt die mittlere RUD-Führungsebene ausführlich zu Wort. Deren Botschaft: Dank Vielfalt hat Hightech von der Ostalb Zukunft – in einer Zeit, da viele Unternehmen der Branche sorgenvoll nach vorne blicken.
Mehr als Kettenschmiede
Carl Rieger und Friedrich Dietz gründeten anno 1875 die „Kettenschmiede und Fabrik von Drahthorden zu Malz-, Hopfen- und Zichorien-Darren“. Hauptkunde war die Landwirtschaft. Bis heute führt die Familie Rieger das Unternehmen – inzwischen in fünfter Generation. Christian Motzke, verantwortlich für den Bereich Objekteinrichtungen, sagt: „Wir sind in einer Vielzahl von Bereichen aktiv, die auch künftig nicht an Bedeutung verlieren werden, und haben uns auf den jeweiligen Märkten Spitzenpositionen erarbeitet.“
Heute wie damals im Portfolio: Rundstahlketten – jetzt unter anderem in Varianten für Hebezeuge, Förderanlagen, Anschlagtechnik und Gleitschutz. Hinzu kommen Anschlagpunkte, Antriebe und Förderelemente sowie komplette Systeme für Maschinenbau, Logistik und Wehrtechnik. Unter der Marke Erlau entstehen Reifenschutzketten und Objekteinrichtungen für Innen- und Außenbereiche.
Förder- und Antriebsketten
In den Fabrikhallen in Unterkochen werden die frisch hergestellten Ketten erst einmal fast bis zum Zerreißen gespannt – das müssen sie abkönnen. Schließlich sollen sie sich im Einsatz bewähren. Die Kettensysteme transportieren in der Praxis Güter – etwa in Kohlekraftwerken, Müllverbrennungsanlagen und in der chemischen Industrie. Darunter sind Schüttgüter wie Zement, Düngemittel oder Chemieprodukte.
Der für den Geschäftsbereich Förder- und Antriebsketten verantwortliche Klaus Pfaffeneder erklärt: „Unsere Fördersysteme werden häufig in Kohlekraftwerken oder in der thermischen Verwertung von Abfallprodukten – etwa in Müllverbrennungsanlagen – eingesetzt.“ Die Antriebstechnik bringt Maschinen in der Schwerindustrie in Schwung. Sie hält auch Tunnelbohrgeräte in Bewegung und sorgt für den Betrieb in Schiffen, Häfen und im Stahlwasserbau.
Anschlag- und Zurrmittel
Für die Produkte im Bereich Anschlag- und Zurrmittel sieht die RUD-Führung weiterhin großes Zukunftspotenzial. Sie helfen dabei, Bauteile oder Maschinen zu heben und zu transportieren. Eine Rolle spielen sie beispielsweise in der Baubranche und im Maschinen- und Anlagenbau. Immer häufiger arbeiten sie auch unter Wasser, zum Beispiel bei der Konstruktion von Pipelines oder Offshore-Windparks.
Werden große und sensible Güter transportiert, sichern Zurrmittel die Ladung. Sie halten die Fracht auf Straße, Schiene, See und in der Luft. Bereichsleiter Hermann Kolb nennt Beispiele: „Raffineriekessel, Baumaschinen, militärisches Equipment, Weltraumfahrzeuge – all das und vieles mehr wird beim Transport mit unseren Zurrketten und Zurrpunkten gesichert.“
Als große Innovation in der Firmengeschichte nennt Kolb die Entwicklung des modernen Anschlag- oder Zurrpunktes Anfang der 1980er-Jahre. „Solche Produkte, die ein sicheres Befestigen von Hebe- oder Zurrketten an den jeweiligen Lasten ermöglichen, gab es davor überhaupt nicht.“ Stattdessen habe man vergleichsweise einfache Normteile oder primitive Self-Made-Lösungen gesetzt. Heute liefere man komplette und digitalisierte „Systemlösungen für die praktische Anwendung – und dazu gehören neben Ketten immer auch Haken und Befestigungspunkte, Antriebsräder und Führungen, Montage- und Verschlusssysteme“.
Reifenketten
Bei den Reifenketten gehört der Konzern seit jeher zu den großen Ideenschmieden, wie der verantwortliche Bereichsleiter Francesco Di Giusto erzählt: „RUD hat 1906 als weltweit erstes Unternehmen die elektrische Kettenschweißung eingeführt. Es hat 1935 die Spurkreuzkette erfunden, die Mutter aller modernen Schneeketten. 1943 kam die weltweit erste Reifenschutzkette.“ Die Schneeketten von RUD kommen in Personen- und Lastwagen, Bussen und Räumfahrzeugen zum Einsatz. Hightech-Ketten schützen die Reifen großer Fahrzeuge in Minen, Steinbrüchen oder Stahlwerken. Auch die Forstwirtschaft nutzt sie.
Objekteinrichtungen
Ein zusätzliches Standbein: Unter der Marke Erlau designt RUD langlebiges Mobiliar für den öffentlichen Raum. Bereichsleiter Christian Motzke nennt eine Vielzahl von Anwendungsbereichen, etwa für öffentliche Flächen und Parkanlagen, Schulen und Kindergärten, Park- und Rastplätze oder Wartebereiche bei Bahn und ÖPNV. „Zum anderen entwickeln wir Lösungen, die sich um das Thema barrierefreies Bad drehen: Halte- und Stützgriffe, Duschsitze und Duschhandläufe, dazu auch Duschabtrennungen und ästhetisch-praktische Accessoires“, so Motzke weiter.
Diese Exotin unter den Unternehmenssparten schuf gleichwohl einen echten Klassiker: „Im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 1972 in München haben wir uns erfolgreich am Gestalt- und Ideenwettbewerb für Freiraumeinrichtungen beteiligt und den Olympiapark anschließend als Alleinausrüster mit unserem Sitzsystem ‚Olympia‘ ausgestattet“, sagt Motzke.

