Von Griechenland nach Königsbronn

Wie Artemisa Giankou von der Journalistin zur Friseurmeisterin wurde

Die griechische Journalistin Artemisa Giankou kam vor 15 Jahren nach Deutschland und erfüllte sich hier ihren Traum als Friseurmeisterin mit eigenem Salon in Königsbronn.

Artemisa Giankou wurde 1988 im, wie sie sagt, „schönen Thessaloniki“ geboren. Sie hatte zwei Geschwister und schon mit vier Jahren einen Traum: Sie wollte Friseurin werden. Ihrer ganzen Familie machte sie schon als kleines Kind die Haare, doch ihre Eltern – und das Leben – hatten zunächst anderes mit ihr vor. Artemisa war eine Einser-Schülerin, erhielt viele Belobigungen und so bestanden ihre Eltern darauf, dass sie studierte. Sie entschied sich für politischen Journalismus und arbeitete, häufig mit verstecktem Mikrofon, mehrere Jahre für einen großen Radio- und Fernsehsender in ihrer Heimatstadt. Doch dann kam ein Wendepunkt.

Staatsbankrott veränderte alles

2010 stürzte Griechenland in eine große Staatsschuldenkrise, das Land musste massive Haushaltsdefizite bewältigen, hohe Schulden führten an den Rand des Staatsbankrotts. Gehälter, Renten und Sozialleistungen wurden drastisch gekürzt, was zu hoher Arbeitslosigkeit und Armut führte. Heute steht das Land wirtschaftlich gut da, doch 2010 war Arbeit nur sehr schwer zu finden. Der Radio- und Fernsehsender ging über Nacht in die Insolvenz. Artemisa hatte, wie viele andere, seit Monaten kein Gehalt mehr bekommen.

Doch sie gab nicht auf. Sie bewarb sich in England als Journalistin und hatte sogar schon eine Zusage. Doch ihr späterer Mann hatte Bekannte auf der Schwäbischen Alb und so entschieden sie sich für Deutschland. Beide arbeiteten vom ersten Tag an. Sie sagt: „Ich war keinen einzigen Tag arbeitslos.“ Sie arbeiteten in Supermärkten. Artemis – wie sie sich nun nannte – brachte es bis zur Filialleiterin, doch dann meldete sich ihr Lebenstraum zurück.

Ausbildung neben dem Job

„Wenn ich es jetzt nicht mache, mache ich es nie“, sagte sie sich und machte neben ihrem Job als Filialleiterin eine mehrjährige duale Ausbildung bis zur Friseurmeisterin. In Thessaloniki hatte sie sich neben ihrer Journalistentätigkeit bereits zur Facharbeiterin für Kosmetik und Haare ausbilden lassen. Das wurde hier nicht anerkannt, doch Artemis ließ sich nicht entmutigen. Sie ging Schritt für Schritt den Weg zu ihrem Traumberuf weiter – nebenbei heiratete sie und bekam zwei Kinder – Zwillinge, die bald in die vierte Klasse kommen. Zu Hause sprechen die Eltern Griechisch und die Kinder antworten in fließendem Deutsch.

Auf die Frage, ob sie manchmal Heimweh hat oder Sehnsucht nach ihrem ersten Beruf, antwortet Artemis: „Ich habe gerne als Journalistin gearbeitet, doch als Friseurin kann ich Menschen glücklich machen.“ Anderen Menschen zu helfen, sich wohlzufühlen, ihnen zuzuhören und für sie da zu sein, ist ihr ein Herzensanliegen. Sie lebt nun bald die Hälfte ihres Lebens in Deutschland und sagt: „Das ist nun meine Heimat.“

Hund Cookie ist der einzige "Kollege" im Salon von Artemis Giankou. Artemis Giankou

Am 19. Juni 2023, nach vielen Jahren des Lernens und harter Arbeit, ging ihr Lebenstraum in Erfüllung: Sie eröffnete ihren eigenen Salon in Königsbronn. „Das war Zufall und Liebe auf den ersten Blick“, erzählt sie, als sie an dem zum Verkauf stehenden Friseursalon in der Schickhardtstraße vorbeiging. Sie blieb beharrlich, räumte Widerstände aus dem Weg und empfing schließlich ihre eigenen Kundinnen und Kunden. Es gibt keine „Fließbandarbeit“, keine weiteren Kollegen. Das einzige andere Wesen im Salon der 38-Jährigen ist Cookie: ein Cavalier King Charles Spaniel, der ruhig daliegt und sich auch über Streicheleinheiten freut.