HZ-Serie „Im Winterschlaf“

„Still und starr ruht der See“? So überwintert der Itzelberger See bei Königsbronn

Im Winter kehrt am Itzelberger See Ruhe ein, nur noch wenige Spaziergänger sind unterwegs. Dafür sind umso mehr Tiere noch aktiv – erstaunlich viele sogar.

Es ist lange her, dass der Itzelberger See tatsächlich zugefroren war. Im HZ-Archiv findet man Fotos aus dem Jahr 2005, damals waren zumindest die Uferbereiche von einer Eisdecke bedeckt. Auch Bernd Engelhart vom Nabu-Kreisverband kann sich nicht erinnern, wann der See tatsächlich komplett gefroren war. „Bestimmt können sich manche älteren Einwohner Itzelbergs noch daran erinnern, dass in früheren Wintern auf dem See auch Schlittschuh gefahren werden konnte“, sagt er: zum Beispiel im Jahrhundertwinter 1962/1963.

Der Itzelberger See wird in der Mitte von der Brenz durchflossen. Das macht ein komplettes Zufrieren zwar unwahrscheinlicher, aber nicht unmöglich. „Bei längeren Kälteperioden friert der See hauptsächlich bis auf den Durchfluss der Brenz zu. Sollten jedoch extreme Kältezeiten länger anhalten, so kann auch der Brenz-Durchfluss zufrieren, wie der übrige Brenzverlauf weiter flussabwärts ebenfalls“, erklärt Engelhart.

Der Itzelberger See im März 2005: eine Eisdecke bedeckt die Uferbereiche. Archiv, Uwe Bernard

Zugefroren war der See in diesem Winter jedenfalls noch nicht, dafür ist es einfach nicht kalt genug. Immerhin sieht er aber deutlich klarer aus als im Sommer, wenn oftmals grüne Algenteppiche auf der Oberfläche schwimmen. „In der kalten Jahreszeit ist das Pflanzenwachstum stark eingeschränkt, dies gilt ebenso für die Algen“, sagt der Nabu-Experte. Zudem nehme das kalte Wasser deutlich mehr Sauerstoff auf als warmes Wasser im Sommer, daher wirke es auch klarer und sauberer. „Die bekannten Algenblüten entwickeln sich in nährstoffreichen Gewässern hauptsächlich bei warmen und heißen Temperaturen im Frühjahr und Sommer, die später abgestorbenen Algenteppiche schwimmen dann als sogenannte `Krötenhäute' flussabwärts.“ Auch im Winter gebe es Algen in den Gewässern, aber eben längst nicht so viele.

Die Gänse bleiben im Winter da

Während menschliche Besucherinnen und Besucher im Winter seltener sind, gilt das nicht für die Vögel am See. Die Gänse bleiben auch in den kalten Monaten hier. Laut Bernd Engelhart gibt es in Mitteleuropa Gänsearten, die reine Zugvögel sind, im Herbst aus dem hohen Norden zu uns fliegen und hier den Winter verbringen. „Dann wiederum gibt es auch Gänsearten, die bei uns kaum bzw. gar nicht ziehen und ganzjährig bei uns sind. Dies ist der Fall bei den Gänsen und Schwänen am Itzelberger See.“ Kanadagans, Graugans und Höckerschwan bleiben ihrem See also treu – meistens. Sie ziehen allenfalls bei starken Wintereinbrüchen, wenn die Gewässer zufrieren, lokal bzw. überregional weiter an eisfreie Gewässer.

„Diese Vögel bleiben auch im Winter am See, weil sie genügend erreichbares Futter sowohl im Gewässer als auch auf den angrenzenden eisfreien Wiesen vorfinden“, sagt Engelhart. Sie können sich den Stress und die Gefahren ersparen und zudem frühzeitig im Jahr die besten Reviere beanspruchen. Manche der Kanadagänse am See könnten ohnehin nicht wegziehen, selbst wenn sie es wollten: Sie haben sogenannte Kippflügel, eine Fehlstellung, die sie flugunfähig macht.

Während die gefiederten Seebewohner also auch im Winter aktiv sind, gibt es durchaus welche, die Winterschlaf halten: Igel, Haselmäuse, Siebenschläfer und Fledermäuse. „Der Biber indes hält nur eine Winterruhe, bei wärmeren Temperaturen wacht er auf und nimmt Äste und Zweige aus seinem Nahrungsdepot im Wasser auf.“ Frösche, Kröten, Eidechsen und Ringelnattern dagegen fallen in eine Winterstarre, in der sie ihre Körpertemperatur den kalten Außentemperaturen anpassen und somit den gesamten Organismus herunterfahren.